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09:35 14.04.2014
Foto: Viele Firmen würden etliche Attacken gar nicht bemerken, weil die erforderlichen Kontrollverfahren fehlten, so Experten.
Viele Firmen würden etliche Attacken gar nicht bemerken, weil die erforderlichen Kontrollverfahren fehlten, so Experten. Quelle: Frank Rumpenhorst
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Berlin

Nach einer repräsentativen Studie der Gesellschaft für Konsumforschung im Auftrag der „Welt am Sonntag“ hat die Mehrheit der Deutschen kaum Sicherheitsbedenken beim Surfen im Internet. Die Enthüllungen des ehemaligen US-Geheimdienstmitarbeiters Edward Snowden und die IT-Sicherheitsskandale der letzten Monate haben demnach kaum Eindruck hinterlassen.

Insgesamt 77 Prozent der Befragten haben laut der Studie ihren Umgang mit persönlichen Daten nicht geändert. Lediglich 12,2 Prozent haben überhaupt Konsequenzen aus dem NSA-Skandal gezogen und benutzen jetzt weniger Online-Speicher oder E-Mail-Dienste. Nur 3,8 Prozent der Befragten gaben an, Computerprogramme oder Geräte gewechselt zu haben. Jeder Zweite sagte: „Ich habe nichts zu verbergen.“ Junge Menschen zwischen 14 und 19 Jahren sind besonders unbekümmert. 90,2 Prozent von ihnen gaben an, ihr Verhalten infolge der Skandale nicht geändert zu haben. Der Hamburger Beauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit, Johannes Jasper, sagte: „Die Dimension des Angriffs auf die digitalen Grundrechte lässt viele Menschen weitgehend ratlos zurück.“

In der vergangenen Woche hat die gravierende Sicherheitslücke „Heartbleed“ viel Aufsehen ausgelöst. Offenbar sind nicht nur private Nutzer, sondern auch Firmen nur sehr unzureichend auf Hackerangriffe, Datendiebstahl und andere Formen der Cyber-Kriminalität vorbereitet. Es gibt allenfalls lückenhaften Sicherheitsvorkehrungen, wie eine Umfrage der Beratungsgesellschaft PwC unter Mittelständlern zeigt. „Präventionsmaßnahmen werden von den mittelständischen Unternehmen zweifellos vernachlässigt“, sagte Studienleiter Derk Fischer. Viele Firmen unterschätzten die Risiken. Sie würden etliche Attacken gar nicht bemerken, weil die erforderlichen Kontrollverfahren fehlten. Rund jedes fünfte der 405 befragten Unternehmen habe keine umfassenden Maßnahmen zum Schutz seiner Daten ausgearbeitet. Nur ein Drittel der Unternehmen hätten nach den Berichten über Internet-Spionage des amerikanischen Geheimdienstes NSA ihre eigene Sicherheitsstrategie hinterfragt. Rund jedes zweite Unternehmen plane höhere Investitionen in die Informationssicherheit. „Die Ergebnisse der Studie sind ernüchternd“, erklärten die Berater.

Wie am Wochenende bekannt wurde, ist das Deutsche Zentrum für Luft-und Raumfahrt Ziel eines Spionage-Angriffs geworden. Mehrere Computer der Forschungseinrichtung seien mit Ausspäh-Programmen infiziert worden. Das Cyber-Abwehrzentrum in Bonn wurde eingeschaltet.

von Harald Schmidt

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