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Deutschland / Welt Studie: Es droht kein kurzfristiger Fachkräftemangel
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Studie: Es droht kein kurzfristiger Fachkräftemangel
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08:03 18.11.2010
Die Bezahlung von Fachkräften spricht laut DIW gegen einen akuten Fachkräftemangel in Deutschland.
Die Bezahlung von Fachkräften spricht laut DIW gegen einen akuten Fachkräftemangel. Quelle: dpa (Archiv)
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Trotz der vielen Warnungen aus der Wirtschaft droht einer Studie zufolge zumindest kurzfristig kein Fachkräftemangel in der Industrie. Dafür seien „in Deutschland kaum Anzeichen zu erkennen“, hieß es in einer am Donnerstag veröffentlichten Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW). Dies ergebe sich aus der aktuellen Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt, aus der Einkommensentwicklung sowie aus den Studenten- und Absolventenzahlen.

Studienautor Karl Brenke kritisierte Untersuchungen, die einen Fachkräftemangel belegen sollen. Bislang seien „keine wissenschaftlichen Verfahren bekannt, die angesichts der Komplexität des Arbeitsmarktgeschehens“ geeignet seien, die Größe einer möglichen Fachkräftelücke zu berechnen.

Gegen einen akuten Fachkräftemangel spreche unter anderem, dass der in der Krise begonnene Arbeitsplatzabbau in der Industrie „gerade erst zum Stillstand gekommen“ sei, schrieb Brenke. Noch im August habe die Zahl der Beschäftigten in dem Sektor um gut 300.000 unter dem Vorkrisenniveau gelegen. Die Arbeitsmarktsituation in den meisten technisch-naturwissenschaftlichen Berufen habe sich seit 2008 verschlechtert. „Bei fast allen Fachkräften ist die Zahl der Arbeitslosen höher als die Zahl der offenen Stellen.“

Auch beim Nachwuchs kann das DIW keinen Mangel erkennen. Die Zahl etwa der Ingenieurstudenten sei nach einer vorhergehenden Stagnation seit 2007 „sprunghaft gestiegen“. Das gleiche gelte in anderen wichtigen Fächern wie in der Humanmedizin, Mathematik und in den klassischen Naturwissenschaften. In all diesen Fächern sei die Zahl der Studenten deutlich stärker gewachsen als die Zahl der Studenten insgesamt. Das gleiche gelte für die Zahl der Absolventen in diesen Fächern. Bei der Ausbildung von Facharbeitern bleibe unter dem Strich die Vermutung, „dass die Unternehmen nur deshalb nicht mehr ausbilden, weil sie dies wegen eines ausreichenden Fachkräfteangebotes nicht müssen“.

Auch die Bezahlung von Fachkräften spricht laut DIW gegen einen akuten Fachkräftemangel. Die Bruttostundenlöhne seien in den vergangenen Jahren kaum gestiegen. Wäre die Nachfrage von Unternehmen nach Fachkräften aber höher als die Zahl der Fachkräfte, müssten die Firmen Mitarbeiter mit höheren Einkommen locken.

DIW-Forscher Brenke mahnte allerdings, das Interesse der Jugendlichen müssen weiter „hin zu zukunftsträchtigen Qualifikationen und weg von Modeberufen gelenkt“ werden. „Tritt ein solcher Interessenswandel nicht ein, ist in der mittleren Frist mit einem Fachkräftemangel teilweise zu rechnen.“ Schon jetzt deutet sich dem DIW zufolge ein Fachkräftemangel im Gesundheitssektor ab:
Bei Ärzten wie bei Krankenschwestern könne „eine ausgeprägte Knappheit an Arbeitskräften bestehen“. Von dieser und weiteren kleinen Ausnahmen abgesehen „zeigt sich ansonsten aber keine Spur eines Fachkräftemangels“.

Über die Studie hatten „Spiegel“ und „Spiegel Online“ bereits in den vergangenen Tagen berichtet. Ursprünglich wollte das DIW den Text am Dienstag veröffentlichen - ruderte dann aber zurück. Zeitungsberichten zufolge sorgten die Ergebnisse intern für Unmut, denn DIW-Chef Klaus Zimmermann hatte erst Ende August in einer Pressemitteilung seines Instituts „mehr Anstrengungen bei der Erleichterung des Zuzugs von qualifizierten Fachkräften aus dem Ausland“ gefordert, um dem hiesigen Mangel zu begegnen.

afp