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Deutschland / Welt Super E 10 macht Autofahren teurer
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Super E 10 macht Autofahren teurer
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13:12 27.12.2010
Von Carola Böse-Fischer
Derzeit werden die Zapfsäulen für das neue Superbenzin mit 10 Prozent Bioethanol-Beimischung umgerüstet. Quelle: ap (Symbolbild)
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Mit deutlich sichtbaren Aufklebern müssen die Zapfsäulen gekennzeichnet sein. Denn nicht jedes Auto verträgt den neuen Sprit, der zu 90 Prozent aus herkömmlichem Superbenzin und zu 10 Prozent aus Bioethanol besteht. Bisher mussten die Mineralölfirmen ihrem Superbenzin nur 5 Prozent Bioethanol (E 5) beimischen, das aus nachwachsenden Rohstoffen wie Zuckerrüben und Getreide gewonnen wird.

Aber die EU-Kommission will den CO2-Ausstoß der Autos weiter senken und die Abhängigkeit vom Öl senken, um das Klima zu schonen. Mit ihrer Biokraftstoffrichtlinie schreibt sie deshalb den EU-Ländern einen Mindestanteil an Biokraftstoffen von 10 Prozent an der Gesamtmenge von aus Rohöl hergestellten Spritsorten bis 2020 verbindlich vor. In Deutschland ist die Ölindustrie durch das Biokraftstoffquotengesetz der Bundesregierung verpflichtet, ihrem Sprit aus Rohöl einen Bioanteil beizumischen. Und der steigt ab 1. Januar 2011 von 5 auf 10 Prozent.

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Allerdings werden nicht alle 14.000 Tankstellen in Deutschland pünktlich umgerüstet sein, weil der Bundesrat die Einführung der neuen Benzinsorte erst Mitte November endgültig beschlossen hat, wie es bei den Ölkonzernen heißt. Zurzeit sei die Umstellung der Raffinerien im vollem Gang. Im Lauf des ersten Quartals 2011 soll der neue Sprit dann „flächendeckend“ verfügbar sein.

Bis 2015 muss die Branche aber eine „Schutzsorte“ mit der bisherigen Bioethanol-Beimischung von 5 Prozent an ihren Zapfsäulen bereithalten, wie eine Sprecherin von Shell erklärt, nach Aral die Nummer zwei im deutschen Tankstellenmarkt. Autofahrer tun dennoch gut daran, sich zu erkundigen, ob ihr Modell das neue E 10 verträgt.

Nach Angaben des ADAC können 90 Prozent aller Fahrzeuge mit Ottomotor die neue Spritsorte ohne Probleme tanken. Über 3 Millionen Autos, nicht nur ältere Modelle, seien E-10-untauglich, sagt ein Sprecher des Automobilklubs. So könne das Ethanol Aluminiumbauteile angreifen. Die Folge seien Motorschäden, die schon durch einmaliges Tanken mit E 10 ausgelöst werden könnten. Ob ihr Wagen davon betroffen sein könnte, erfahren Autofahrer beim Hersteller oder Händler – und bei der Deutschen Automobil-Treuhand, die im Auftrag von Autoherstellern und Umweltministerium eine Liste mit E-10-tauglichen Modellen herausgegeben hat.

Schnellstmöglich sollten sich die Autofahrer die Informationen beschaffen. Weil den Mineralölfirmen saftige Strafzahlungen drohen, wenn sie die Beimischungsquote von 10 Prozent Bioethanol nicht erfüllen, nehmen sie das bisherige Super E 5 komplett aus dem Programm. Autofahrer, deren Fahrzeuge nicht das E 10 vertragen, müssen dann zwangläufig auf die von den Konzernen angebotenen speziellen Superbenzinsorten ausweichen, also etwa auf Superplus von Esso oder Vpower 95 von Shell, die weiterhin eine 5-prozentige Beimischung enthalten, oder auf Sorten mit höherer Octanzahl ohne Bioanteil.

Diese Kraftstoffe bieten die Ölkonzerne deutlich teurer an. Die Margen seien enorm, das sei praktisch „eine Lizenz zum Gelddrucken, sagt ein Branchenkenner. Indirekt helfe die Bundesregierung mit, dass Autofahrer von der Ölbranche „abgezockt“ würden.

Doch auch für die Autofahrer, deren Fahrzeuge E-10-tauglich sind, dürfte es teurer werden. Weil Bioethanol nur zwei Drittel des Energiegehaltes von Benzin aus Öl besitzt, schluckt der Motor laut ADAC auf gleicher Strecke 3 Prozent mehr. Zudem ist die Herstellung des Ethanols teurer. Dass das neue Super E 10 mehr kosten wird als das bisherige Super, gilt daher als ausgemacht.

Vielleicht aber verschiebt sich die flächendeckende Einführung der neuen Spritsorte E 10 noch. Denn es gibt nicht genügend „nachhaltiges“ Bioethanol auf dem Markt, wie es in der Branche heißt. Zeitgleich mit dem Start des E 10 tritt in Deutschland eine EU-Richtlinie in Kraft, die den Nachweis der Bioethanolproduzenten wie Nordzucker verlangt, dass ihr Sprit aus nachwachsenden Rohstoffen vom Acker das Klima weniger schädigt als fossiles Benzin.

Vom Anbau bis zur Auslieferung müssen die Hersteller nachweisen, dass das Bioethanol mindestens 35 Prozent weniger CO2 verursacht als fossiler Kraftstoff, ab 2017 müssen es 50 Prozent sein. Nach Angaben von Nordzucker können bislang aber nur deutsche Hersteller das Nachhaltigkeitszertifikat vorweisen. Ändert sich das nicht schnell, haben die Ölkonzerne ein Problem: Sie verfehlen die vorgeschriebenen Beimischungsquoten.