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Deutschland / Welt TUI Travel rutscht tiefer in die roten Zahlen
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt TUI Travel rutscht tiefer in die roten Zahlen
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22:30 10.08.2010
Von Jens Heitmann
TUI Travel möchte gern margenträchtige Reisen verkaufen – das neue Hotel Marina Bay Sands in Singapur wäre dafür ein Kandidat. In luftiger Höhe wartet ein riesiger Pool mit Blick auf die Skyline. Quelle: dpa
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Der Mutterkonzern, zu dem neben dem Reisegeschäft auch die Containerschifffahrt gehört, legt seine Zwischenbilanz heute vor.

TUI Travel machte in den ersten neun Monaten des bis Ende September laufenden Geschäftsjahres einen Verlust von 409 Millionen Pfund (490 Millionen Euro), nach 305 Millionen Pfund ein Jahr zuvor. Der Umsatz sei um 7 Prozent auf 8,2 Milliarden Pfund gesunken, berichtete das Unternehmen gestern in London. An der Börse kamen die Zahlen schlecht an: Der Kurs von TUI Travel rauschte um mehr als 9 Prozent nach unten, die Aktie des Mutterkonzerns TUI verlor 4,5 Prozent. Schwache Zahlen seien erwartet worden, erklärte ein Händler. Überrascht habe aber der negative Ausblick.

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Bis zur Eruption des Eyjafjallajökull hatte TUI Travel Mitte April Hoffnungen auf ein anziehendes Geschäft genährt. Der starke Trend bis zur Schließung des europäischen Luftraums habe sich jedoch als nicht nachhaltig erwiesen, erklärte Unternehmenschef Peter Long. Insbesondere in Großbritannien buchten die Kunden vermehrt die margenschwachen Last-Minute-Angebote. Infolge der Aschewolke sei das Angebot an Restplätzen größer als erhofft – entsprechend stark ist der Preisdruck.

Wegen der großen konjunkturellen Unsicherheiten sind dafür die Kunden auf der Insel offenbar besonders empfänglich. Aber auch in Zentraleuropa – dazu zählen Deutschland, Österreich, Polen und die Schweiz – belastet der scharfe Wettbewerb das Ergebnis. Obwohl die in Hannover angesiedelte TUI Deutschland in der Sommersaison bei Teilnehmern und Umsatz über den Zahlen des Vorjahres lag, sank der Betriebsgewinn im dritten Quartal von 41 auf 32 Millionen Pfund. Als Grund dafür wird – neben der Aschewolke – die geringere Auslastung der Flugzeuge während der Fußball-WM genannt. Gut laufen den Angaben zufolge die Buchungen in Skandinavien.

Die direkten Kosten aufgrund der Flughafensperrungen in Europa wie die Unterbringung und Rückholung von Urlaubern beziffert TUI Travel auf 80 Millionen Pfund. Dies habe man durch Kostensenkungen und andere Synergieeffekte aus der Fusion der TUI-Reisesparten mit der britischen First Choice vor drei Jahren nicht ausgleichen können.

Nach dem Vulkanausbruch hat sich offenbar auch der Blick in die Zukunft eingetrübt. Das Buchungsverhalten der Kunden in den kommenden zwölf bis 18 Monate lasse sich schwer vorhersagen, hieß es. Für das im September endende Geschäftsjahr ist nun von einem Ergebnis „am unteren Ende der Erwartungen“ die Rede – ohne dass diese Erwartungen bekannt wären. Am Ziel einer Gewinnmarge von 4,7 Prozent vor Zinsen und Steuern halte man aber fest, betonte Finanzchef Paul Bowtell. Für TUI Deutschland soll die Marge von 1,6 auf 2,5 Prozent steigen. Möglicherweise werde man das Ziel aber erst 2013 erreichen.