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Deutschland / Welt TUI sichert Hapag-Verkauf
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt TUI sichert Hapag-Verkauf
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00:10 27.02.2009
Von Stefan Winter
Die Hapag-Schiffe fahren weiter für die TUI – zu 43 Prozent jedenfalls.
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An der Börse überwog gestern die Erleichterung, dass das zuletzt akut gefährdete Geschäft überhaupt zustande kommt. Die TUI-Aktie machte zunächst einen Sprung um fast 20 Prozent und pendelte sich am Abend bei einem Kursplus von rund 10 Prozent ein.

Der Konzern hatte auf Druck seines Großaktionärs John Fredriksen im vergangenen Jahr den Verkauf der Reederei beschlossen. Im Herbst einigte man sich mit einem Hamburger Konsortium, das der Speditionsunternehmer Klaus-Michael Kühne zusammengebracht hatte. Weil die Partner den Komplettkauf nicht stemmen konnten, sollte der TUI weiterhin ein Drittel der Reederei gehören. Für den Rest sollte das Konsortium 2 Milliarden Euro zahlen.

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Doch mit der Verschärfung der Finanzkrise hat offenbar vor allem Kühne selbst Probleme bekommen, seinen Anteil zu finanzieren. Der Hanseat mit Wohnsitz in der Schweiz wird jedenfalls nicht, wie geplant, eine Sperrminorität von mehr als 25 Prozent an der Reederei halten, sondern nur gut 15 Prozent. Dafür bleibt der TUI-Anteil höher: Die Hannoveraner fahren ihre Beteiligung nicht, wie geplant, auf 33 Prozent, sondern nur auf 43 Prozent herunter. Bei Kühnes Partnern im Konsortium, darunter die Stadt Hamburg, ändert sich nichts.

Damit fließen der TUI rund 200 Millionen Euro weniger in die Kasse als vorgesehen. Weil außerdem an den geplanten Verkauf von Immobilien in der derzeitigen Marktlage nicht zu denken ist, bleiben vorerst weitere 150 Millionen Euro aus. Und die TUI muss den neuen Mehrheitseigentümern noch an anderer Stelle aushelfen: Sie gibt bei Bedarf einen Kredit über eine Milliarde Euro „zu marktüblichen Konditionen“. In den vergangenen Wochen gab es Gerüchte, dass Banken aus der Finanzierung aussteigen wollten, darunter die schwer angeschlagene RBS. Ob das geschieht, ist allerdings noch offen.

Die TUI wird ihre Planspiele über die Verwendung des Hapag-Erlöses nun etwas zurückstellen müssen. Es war darüber nachgedacht worden, das Geld in die Touristik zu investieren, zum Beispiel in die vollständige Übernahme der britischen Tochter TUI Travel plc. Auch von Schuldentilgung und einer Sonderausschüttung an die Aktionäre war die Rede. Dafür dürfte unter den neuen Konditionen vorerst der Spielraum fehlen. Was langfristig aus der Hapag-Beteiligung werden soll, lässt der Konzern offen. Will er aussteigen, hat das Hamburger Konsortium ein Vorkaufsrecht und auch eine Abnahmeverpflichtung.