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Deutschland / Welt TUIfly droht ein Streik in den Ferien
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt TUIfly droht ein Streik in den Ferien
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20:45 15.12.2010
Von Jens Heitmann
Quelle: dpa
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Nun werde man in Kürze mit der Urabstimmung beginnen, sagte ein VC-Sprecher: „Warnstreiks sind jetzt jederzeit möglich.“

Der Konflikt zwischen Piloten und Geschäftsführung hat sich seit Langem angebahnt. Die TUIfly-Spitze versucht seit Sommer, die 534 Flugzeugführer zu einem Verzicht auf bestimmte Tarifbestandteile zu bewegen. Ihrer Einschätzung nach muss die Gesellschaft ihre Kosten um 45 Millionen Euro senken, um wieder wettbewerbsfähig zu werden. Etwa die Hälfte der Summe soll beim Personal gespart werden, 15 Millionen Euro allein bei den Piloten.

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Nach Angaben von TUIfly hat die Vereinigung Cockpit „zielführende Verhandlungen“ dazu abgelehnt. Stattdessen forderte die Pilotengewerkschaft ihrerseits verbesserte Arbeitsbedingungen ein. So wollen die Piloten dem Vernehmen nach ausschließlich an ihrem Heimatort stationiert werden, TUIfly soll bei einem Einsatz an einem anderen deutschen Flughafen für Transport und Wegkosten aufkommen. Und nach einem freien Tag dürfe der Dienst nicht vor 8 Uhr beginnen, heißt es. Nach Berechnungen von TUIfly würde die Umsetzung aller Forderungen die Personalkosten bei den Piloten um 20 Prozent erhöhen.

Der Tarifstreit trifft die Gesellschaft in einem heiklen Moment. Im vergangenen Jahr hatte TUIfly 2009 die Städteverbindungen an Air Berlin abgegeben – und damit 14 ihrer 38 Maschinen. Wegen der Erholung des Reisemarktes hatte man gehofft, im kommenden Jahr wieder wachsen und bis zu vier neue Maschinen in Dienst stellen zu können – auch weil TUIfly nach eigenen Angaben nach dem Schrumpfkurs rund 40 Piloten zu viel an Bord hat. Voraussetzung dafür wäre allerdings das Sparpaket gewesen, hieß es. Nun bleibt es bei 24 Maschinen.

Unter Druck gerät TUIfly auch im eigenen Konzern. Reiseveranstalter wie TUI Deutschland fordern Preise wie bei der Konkurrenz. Dazu zählen mittlerweile auch Anbieter aus den Ferienzielgebieten, die etablierten Gesellschaften wie Condor oder TUIfly zusetzen. Flüge mit deutschen Carriern seien den Kunden teilweise keinen Aufpreis von 50 Euro wert, verlautet aus der Branche.

Die TUIfly-Spitze forderte die Vereinigung Cockpit zur Rückkehr an den Verhandlungstisch auf. Man sei unter anderem bereit, den Kündigungsschutz für die Piloten zu verlängern, hieß es. „Im Fall eines Streiks versuchen wir die Auswirkungen für die Kunden so gering wie möglich zu halten“, sagte ein Unternehmenssprecher.

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