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Deutschland / Welt TUIfly steht vor harter Sparrunde
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt TUIfly steht vor harter Sparrunde
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07:33 10.08.2010
TUIfly-Piloten im Cockpit: Die Geschäftsführung möchte ihren Flugzeugführern künftig weniger Überstunden bezahlen müssen. Quelle: Behrens
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Hannover. Die Fluggesellschaft TUIfly steht vor einem drastischen Sparkurs. Um wieder wettbewerbsfähig zu werden, soll die TUI-Tochter ihre Kosten um 45 Millionen Euro senken – knapp die Hälfte davon sollen die knapp 2000 Beschäftigten über Abschläge auf geltende Tarifverträge erbringen, verlautete am Montag aus Unternehmenskreisen. Mit den Gewerkschaften ver.di und der Pilotenvereinigung Cockpit liefen bereits entsprechende Verhandlungen, bestätigte ein TUIfly-Sprecher.

Von ihren 38 Flugzeugen betreibt TUIfly noch 24 in eigener Regie, 14 Maschinen hat die Gesellschaft im vergangenen Jahr mitsamt der Besatzung fest an Air Berlin vermietet. Die Berliner übernahmen von TUIfly das Geschäft mit den sogenannten Citystrecken, das die TUI einst mit ihrem Billigflieger HLX aufgebaut hatte. TUIfly konzentriert sich als reiner Charterflieger auf die Badeziele rund ums Mittelmeer und auf den Kanaren.

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Dem Vernehmen nach sieht die Geschäftsführung insbesondere bei den Piloten und bei der Wartung der Maschinen ein hohes Sparpotenzial. Laut Tarifvertrag bezahlt TUIfly den Piloten zusätzlich zum monatlichen Fixgehalt mindestens 70 Flugstunden. Fallen in der sommerlichen Hauptsaison Überstunden an, müssen diese extra vergütet werden – im Winterhalbjahr streichen die Piloten das volle Gehalt ein, obwohl sie deutlich weniger Stunden fliegen. Das könne so nicht bleiben, hieß es bei TUI- fly. Als Kompromiss schwebt der Unternehmensführung eine Art Jahresarbeitszeitkonto vor, um die teuren Zuschläge zu vermeiden. Die Vereinigung Cockpit wollte dazu keine Stellung nehmen. „Das sind laufende Verhandlungen“, sagte ein Gewerkschaftssprecher.

In der Technik will die TUIfly-Führung die Abläufe effizienter gestalten – und läuft damit bei ver.di offene Türen ein. Auch die Gewerkschaft empfindet die „Arbeitsorganisation als teilweise unproduktiv“, wie es in einem Flugblatt heißt. Es fehle an Investitionen, und es gebe „Belastungen für die Arbeitnehmer, die so schnell wie möglich verschwinden müssen“.

Nach Angaben aus Unternehmenskreisen ist die hauseigene Technik mit ihren rund 320 Beschäftigten aktuell nicht in der Lage, alle TUIfly-Maschinen zu warten. So seien unter anderem die Laufwege für die Mitarbeiter zu weit und der Dokumentationsaufwand zu hoch. Die Techniker müssten künftig „mehr Zeit am Flugzeug verbringen“. Vorrangiges Ziel sei es, alle eigenen Maschinen selbst zu warten – im zweiten Schritt wolle man Aufträge anderer Fluggesellschaften hereinholen.

TUIfly will die Kostensenkung nach eigenen Angaben ohne den Abbau von Arbeitsplätzen erreichen: „Unser Ziel ist es, im touristischen Markt wieder zu wachsen“, sagte ein Firmensprecher. Laut Tarifvertrag darf die Gesellschaft bis März 2012 in den Bereichen Kabine und Technik keine Mitarbeiter ausgliedern; betriebsbedingte Kündigungen sind bis Ende 2011 ausgeschlossen.

Jens Heitmann