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Deutschland / Welt Talanx-Tochter auf dem Prüfstand
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Talanx-Tochter auf dem Prüfstand
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22:02 01.10.2013
Von Albrecht Scheuermann
Unzufrieden mit HDI Leben: Talanx-Chef Herbert Haas will die Ergebnisse der Lebensversicherungstochter verbessern – anderenfalls droht sogar das Ende des Unternehmens. Quelle: Surrey
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Hannover

Priorität habe allerdings weiterhin die Gesundung des Lebensversicherers durch Kostensenkung und Ertragssteigerung. In einem Gespräch mit der „Süddeutschen Zeitung“ sagte Haas, dass bis Ende des Jahres eine Grundsatzentscheidung gefällt werden solle. Eine Option sei ein sogenannter „harter Run-off“. Die HDI Leben würde ihre Neugeschäft einstellen, die vorhandenen Verträge würden abgewickelt. Zu den weiteren Optionen gehöre eine Einstellung des Neugeschäftes in bestimmten Teilbereichen. Denkbar sei ebenfalls ein Verkauf an ein Spezialisten, der dann das bestehende Geschäft abwickelt. Haas unterstrich jedoch, dass diese Möglichkeiten nur geprüft werden. Ein Unternehmenssprecher ergänzte, dass diese Prüfung erst ganz am Anfang stehe. Derzeit verfolgt Talanx für HDI Leben laut Haas nur eine Option – die Kosten zu senken und die Kapitalanlagerendite zu erhöhen.

Die HDI Leben leidet, wie der Konzernchef selbst einräumen musste, unter vergleichsweise schwachen Kennziffern bei Kosten und Rendite, was den – für die gesamte Branche ohnehin schwierigen – Verkauf von neuen Lebens- und Rentenversicherungen zusätzlich erschwert.

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Die HDI Leben in Köln besteht zum größten Teil aus der früheren Gerling Lebensversicherung. Diese war nach der Übernahme von Gerling durch den Talanx-Konzern mit der wesentlichen kleineren HDI Leben verschmolzen worden und hat diesen Namen übernommen. Mit Beitragseinnahmen von 2,26 Milliarden Euro im Jahr 2012 ist sie der elftgrößte deutsche Lebensversicherer.

Nach einer Untersuchung des Spezialinformationsdienstes „map-report“ steht HDI Leben bei den Verwaltungskosten mit zuletzt 3,01 Prozent der Bruttoprämieneinnahmen auf dem schwachen Rang 60 unter 89 untersuchten Gesellschaften in Deutschland. Außerordentlich hoch sind die Abschlusskosten – in erster Linie Provisionen an Vertreter und Makler – mit 6,90 Prozent. Damit kommt HDI Leben nur auf Platz 79. Der Schnitt beträgt knapp 5 Prozent. Dabei gelingt es der Talanx-Tochter nicht, die hohen Kosten durch üppige Kapitalerträge auszugleichen. Die Nettorendite liegt mit 4,52 Prozent etwas unter dem Durchschnitt und reicht gerade für Rang 39.

Nach Angaben des Talanx-Sprechers verringerte sich das Neugeschäft von HDI Leben im ersten Halbjahr – gemessen an der Beitragssumme – um 14 Prozent. Die Zahl der Neuabschlüsse ging demnach sogar um 30 Prozent zurück.

Für den Konzern insgesamt verläuft das Geschäft mit Lebens- und Rentenversicherungen allerdings weitaus erfreulicher. Dafür sorgen die anderen deutschen Lebensversicherungstöchter PB Leben, Targo Leben und Neue Leben, die alle drei ihre Angebote über Banken beziehungsweise Sparkassen vertreiben. „Da brummt es richtig“, erklärte Talanx-Chef Haas.

Den rund 90 deutschen Lebensversicherern macht die Niedrigzinsphase zu schaffen. Mit sicheren Anlagen sind nur noch Minirenditen zu erzielen. Zwar konnten die Unternehmen in den vergangenen Jahren im Schnitt auch ihre Kosten reduzieren, dennoch hat die Attraktivität der Lebensversicherung stark gelitten. Zudem hat die Bereitschaft der Deutschen, langfristige Vorsorgeverträge abzuschließen, nachgelassen.

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