Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Deutschland / Welt Tarifstreit bei der Post eskaliert
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Tarifstreit bei der Post eskaliert
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:59 08.05.2015
Lohnausgleich bleibt der Knackpunkt: Im Tarifstreit bei der Post haben die Zusteller schon mehrfach die Räder stehengelassen. Quelle: Sven Hoppe
Anzeige
Bonn

Im Tarifkonflikt bei der Deutschen Post legt Verdi nach: Die Gewerkschaft fordert außer kürzeren Arbeitszeiten nun auch mehr Geld. 5,5 Prozent mehr sollen die 140 000 Beschäftigten nach dem Willen von Verdi künftig bekommen. Die Laufzeit soll nach der zum Auftakt der vierten Verhandlungsrunde am Freitag in Berlin vorgelegten Forderung bei zwölf Monaten liegen. Die Post reagierte mit Unverständnis. Neben der verlangten Arbeitszeitverkürzung von 38,5 auf 36 Wochenstunden bei vollem Lohnausgleich würde die Forderung Unternehmensangaben zufolge einen Lohnanstieg von 12,5 Prozent bedeuten. „Das ist schlicht nicht finanzierbar und würde zudem unseren bestehenden enormen Personalkostennachteil gegenüber unseren Wettbewerbern erheblich verschärfen“, erklärte Personalchefin Melanie Kreis. Die zusätzlichen Personalkosten bezifferte sie auf 600 Millionen Euro.

Bislang hatte das Post-Management Verhandlungen über eine Verkürzung der Wochenarbeitszeit mit vollem Lohnausgleich mit dem Hinweis abgelehnt, dass die Lohnforderung zum ebenfalls neu zu verhandelnden Haustarifvertrag noch nicht bekannt sei. Die Gewerkschaft wollte die Tarifkomplexe Arbeitszeiten und Entgelte ursprünglich getrennt verhandeln. Während eine Neuregelung der Arbeitszeiten als unproblematisch gilt, bleibt der Lohnausgleich der Knackpunkt in den Verhandlungen. Durch die Gehaltsforderung droht zudem neues Konfliktpotenzial. Eine Annäherung in der vierten Tarifrunde, für die zwei Tage angesetzt wurde, ist ungewiss.

Anzeige

Verdi macht mit Warnstreiks Druck

In den vergangenen Wochen hatte Verdi mehrfach mit Warnstreiks Druck gemacht. Hintergrund des Tarifstreits ist die Gründung von regionalen Firmen in der Paketzustellung. Darin sieht die Gewerkschaft einen Verstoß gegen tarifvertragliche Vereinbarungen und fordert als Ausgleich kürzere Arbeitszeiten.

Probleme auch nach Bahnstreik: Auch nach dem Ende des Streiks bei der Deutschen Bahn am Sonntag um 9 Uhr müssen Reisende mit Einschränkungen rechnen. Im Fernverkehr werde den ganzen Sonntag weiter nach Ersatzfahrplan gefahren, teilte die Bahn am Freitag in Berlin mit. Im Regional- und S-Bahnverkehr werde nach Streikende der Regelbetrieb nach und nach wieder aufgenommen, doch auch hier müsse mit Einschränkungen gerechnet werden. Die Folgen des Streiks könnten laut Bahn noch zum Wochenbeginn zu spüren sein. Reisende müssten auch am Montagmorgen mit Verzögerungen rechnen. Im Laufe des Montags sollen demnach aber wieder alle Züge normal verkehren.

Wenig Bewegung am Boden: Ohne Annäherung ist am Freitag die zweite Verhandlungsrunde zwischen Lufthansa und der Gewerkschaft Verdi für rund 33 000 Mitarbeiter des Bodenpersonals zu Ende gegangen. Lufthansa will von den festen Zusagen für Betriebsrenten herunterkommen, die beim aktuell niedrigen Zinsniveau am Kapitalmarkt nicht zu erwirtschaften sind. Verdi lehnt einen Systemwechsel hin zu festen Renten-Zuschüssen aber ab. Auch in der Gehaltsfrage gab es keine Annäherung. Verdi verlangt 5,5 Prozent mehr Geld.

Von Peter Lessmann

Deutschland / Welt Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer - Bahn plant neuen Vorstoß im Tarifkonflikt
08.05.2015
08.05.2015