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Deutschland / Welt Telekom bringt "Bibi-Phone" auf den Markt
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Telekom bringt "Bibi-Phone" auf den Markt
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00:17 28.10.2015
Von Jens Heitmann
In zahlreichen Youtube-Videos erklärt Bibi die Welt. In dieser Folge: Was Mädchen tun, wenn sie sich unbeobachtet fühlen.  Quelle: Screenshot/ Youtube: BibisBeautyPalace
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Bianca Heinicke muss keiner kennen, der älter als 15 Jahre ist. Ausgeschrieben wird der Name nicht einmal den Tausenden von Teenagern etwas sagen, die bei Youtube an ihren oft grell geschminkten Lippen hängen – für sie ist die 22-Jährige schlicht die Bibi. Mit Schminktipps und Alltagsclips hat es die Kölnerin geschafft, mehr als zwei Millionen Abonnenten beim Videoportal an sich zu binden. Nun ist „Deutschlands erfolgreichste Frau auf Youtube“ auch den Marketingleuten der Telekom aufgefallen, um ihr „Bibi-Phone“ an das Mädchen zu bringen.

Formal handelt es sich bei dem Sony Xperia M4 Aqua um ein handelsübliches Handy, das bei Ebay ohne Vertrag schon für unter 200 Euro angeboten wird. Als „Bibi-Phone-Edition“ will es die Telekom vom Montag an für 249,95 Euro verkaufen – weil die junge Frau „das Rückcover mit einem Foto und einer Unterschrift von sich gestaltet“ hat. Außerdem biete das Gerät „exklusives Bildmaterial und ein Willkommens-Video sowie von Bibi eingesprochene Benachrichtigungstöne für eingehende Chat-Nachrichten oder für einen coolen Weckersound“.

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Mit der offenen Kooperation von Großkonzern und Kleindarstellerin erreicht die Selbstvermarktung von You­tube-Starlets eine neue Stufe. Während Fernsehanstalten allergisch auf Vorwürfe in Sachen Schleichwerbung reagieren, gehört sie bei den „Youtubern“ zum Geschäftsprinzip: Sie leben auch davon, dass ihre Fans ihnen vieles nachmachen – gerade beim Konsum.

Youtube belohnt seine „Partner“. Der Umsatz ist abhängig von den Klickzahlen und eingeblendeten Werbeclips. Ein Promi wie der schwedische Webvideoproduzent „PewDiePie“ soll pro Minute auf Erlöse von 13 Dollar kommen. Deutsche Youtuber verdienen angeblich zwischen 60 Cent und 1,30 Euro je 1000 Klicks – Werbeverträge und die Gewinne aus dem Merchandising kommen noch hinzu.

Der Erfolg der „Youtuber“ speist sich aus ihrer inszenierten Authentizität und Alltäglichkeit. Sie trenne Privates und Berufliches nicht, hat Bibi in einem Interview verraten: „Wenn ich irgendetwas esse, mach’ ich eben ein Foto und twittere das. Und ich lese und beantworte ständig User-Kommentare. Das fängt morgens beim Aufstehen an und endet, wenn ich ins Bett gehe.“ Würde Bibi vor der Kamera nur Gucci-Taschen und Design-Sneaker hervorkramen, wäre es mit ihrer Popularität vermutlich schnell vorbei. Deshalb zieht sie Kosmetiktücher aus der Drogerie für 95 Cent „aus einer schönen Dose“ oder Nagelfeilen für 1,45 Euro. Dafür reicht auch das Taschengeld der Teenager. Das neue „Bibi-Phone“ sprengt diesen Rahmen zwar, andererseits ist ja bald Weihnachten.