Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Deutschland / Welt Tesla bietet der Branche Entwicklungshilfe an
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Tesla bietet der Branche Entwicklungshilfe an
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:43 13.06.2014
Von Stefan Winter
Ehrgeiziger Newcomer: Tesla baut für sein Model S auch gleich ein eigenes Ladesystem auf. Quelle: afp
Anzeige
Palo Alto

Als Symbol für diesen Schritt habe man die Wand mit den Patenten im Tesla-Hauptquartier in Palo Alto abgebaut, berichtete Musk. Im Sinne der Open-Source-Bewegung bei Software will er so die Elektromobilität insgesamt voranbringen. Tesla hat vor allem im Batteriemanagement einen Vorsprung, kämpfte zuletzt allerdings auch mit Problemen: Mehrere Wagen gingen in Flammen auf.

Er habe zunächst die Sorge gehabt, dass große Autohersteller die Tesla-Technologie kopieren und den Neuling an die Wand drängen würden, schrieb Musk. „Ich hätte mich nicht größer irren können“: Die Programme für Elektroautos seien bei den Konzernen „klein bis nicht existent“. Zwar haben fast alle großen Hersteller inzwischen E-Autos im Programm, aber die Produktionsmengen sind gering. Die Kundschaft hält sich auch wegen der geringen Reichweiten reiner E-Autos zurück, Tesla ist hier deutlich weiter. In Deutschland wurden im vergangenen Jahr rund 26 000 Fahrzeuge mit Hybridantrieb – also Verbrennungs- und Elektromotor – sowie 6051 reine Elektrofahrzeuge verkauft. Zusammen ist das gut ein Prozent des Gesamtmarktes.

Anzeige

Der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer glaubt, dass Teslas Schritt die Entwicklung beschleunigen kann. „Das System E-Auto kriegt dadurch einen starken Schub“, sagte der Chef des Center Automotive Research an der Universität Duisburg-Essen. Bei VW zeigte man sich zumindest nicht grundsätzlich ablehnend: Das Angebot werde geprüft, hieß es in Wolfsburg. Allerdings sei Teslas Technologie nicht automatisch auf die Massenproduktion übertragbar. Die Kalifornier nutzen ein Ladesystem mit sehr hoher Leistung, das die Batterie besonders beansprucht. Offen ist auch, wie Tesla die „gute Absicht“ als Voraussetzung für das Teilen seines Wissens definieren wird.  

Respekt in der Branche wächst

Daimler hat sich bereits vor Jahren an Tesla beteiligt, BMW-Manager trafen sich jüngst mit Kollegen des Konkurrenten zum Gedankenaustausch. In speziellen Märkten wie Kalifornien verkauft Tesla von seiner Sportlimousine Model S mehr Exemplare als BMW oder Audi von ihren konventionell angetriebenen Konkurrenzmodellen. Weltweit ist Tesla dennoch ein Autozwerg.

In der Branche ist der Respekt jedoch gewachsen. Tesla sei die Autofirma der Zukunft, erklärte jüngst ein hochrangiger Manager eines Zulieferers. VW-Chef Martin Winterkorn ließ von einer Kalifornien-Visite mehrere Autos mitbringen und in Wolfsburg zerlegen. Tesla verstehe jedenfalls etwas vom Autobau, befand er hinterher im kleinen Kreis. In größerer Runde hielt er es später den Entwicklern der Konzerntochter Audi vor: Ein Auto wie den Tesla Model S – so etwas hätte er von ihnen erwartet.

Elon Musk hat für die klassische Autotechnik erfahrene Ingenieure und Produktionsexperten eingekauft, ihren Vorsprung bezieht die Marke vor allem aus der Software und Elektronik zur Steuerung von Energiebedarf und Batterieleistung. Bei VW hat man allerdings Zweifel, ob die verwendeten Batterien mit besonders hoher Energiedichte haltbar und sicher genug sind. Der Entwicklungschef werde sich jedenfalls am Wochenende über das Tesla-Angebot beugen, hieß es in Wolfsburg.

Milliardär unter Strom

Elon Musk mischt die Autobranche auf: Sein Vermögen hat der 42-jährige Tesla-Chef als Mitgründer des Bezahldienstes Paypal und anderer Internetunternehmen gemacht. Einen großen Teil davon investiert er in das Projekt, Elektromobilität massentauglich zu machen. Sein erstes Elektroauto war ein zweisitziger Lotus Elise, dem er einen Elektromotor und Tausende Lithiumionen-Akkus aus Laptop-Rechnern eingepflanzt hatte. Inzwischen dreht sich alles um das Model S, eine viertürige Sportlimousine, die rund 200 Stundenkilometer schnell fahren kann und 500 Kilometer Reichweite verspricht. Im vergangenen Jahr wurden 22 500 Autos verkauft, in diesem Jahr sollen es 35 000 werden. Ein Kompaktauto ist ebenso in Arbeit wie ein SUV. Neben der bestehenden Autofabrik plant Musk eine milliardenteure Batterieproduktion. Damit geht er eigene Wege, andere Hersteller verließen sich von vornherein auf Zulieferer oder verabschieden sich gerade aus diesem Bereich. Im vergangenen Jahr setzte Tesla 2 Milliarden Dollar um und machte 74 Millionen Dollar Verlust.

13.06.2014
13.06.2014