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Deutschland / Welt Teyssen soll neuer e.on-Vorstandschef werden
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Teyssen soll neuer e.on-Vorstandschef werden
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21:23 09.08.2009
Von Jens Heitmann
Der designierte e.on-Vorstandschef Johannes Teyssen. Quelle: Volker Hartmann/ddp
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Als designierter Nachfolger von Wulf Bernotat gilt der gebürtige Hildesheimer schon länger. Eigens für ihn hatte der Konzern 2007 den Posten eines Chief Operating Officer geschaffen, eine Art Kronprinz. Auch der Rivale RWE hätte Teyssen gern als Chef gewonnen, heißt es in der Branche. „Aber das ist ein Roter“, sagt ein Aufsichtsrat. „Dieser Konzern ist sein Leben.“ Zumindest seit zwei Jahrzehnten. 1989 steigt der promovierte Jurist bei der damaligen PreussenElektra in Hannover ein, einer Veba-Tochter, die nach der Fusion mit der Viag im neuen e.on-Konzern aufgehen wird. Bald gilt er als „rechte Hand“ von Unternehmenschef Hans-Dieter Harig – mit einem gewaltigen Einfluss hinter den Kulissen. Schließlich wechselt er zur Hastra, um die Fusion mit vier weiteren Regionalversorgern zur Avacon durchzuziehen. „Harig sagte damals, es käme sein bester Mann“, berichtet ein damaliger Vorstandskollege. „Und das stimmte.“ Ein Jahr später ist Teyssen Avacon-Chef.

Die Mitarbeiter müssen sich umstellen – auf die neue Zentrale in Helmstedt, vor allem aber auf den neuen Stil und Umgangston des neuen Mannes an der Spitze. „Das ist ein Schnelldenker“, sagt ein leitender Angestellter. Langatmige Erklärungen und umständliche Rechtfertigungen sind bei Teyssen nicht gewünscht: „Er ist eben einen Happen intelligenter als der bessere Durchschnitt.“ Und lässt andere das auch spüren. Wer die ab und an fehlende Krawatte als Zeichen von Lockerheit missdeutet, bereut seinen Irrtum. Seit einem Studienaufenthalt in Boston tritt Teyssen betont amerikanisch auf: „Er trägt die Autorität mit sich herum, ohne autoritär sein zu müssen“, erzählt ein Mitarbeiter.

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Kritik zu äußern ist zwar erlaubt, „aber man muss sich seiner Sache schon sehr sicher sein“. Wer nur reden will, sollte lieber schweigen: „Er hasst Laberer.“ Möglicherweise ist das auch für einige Kollegen in München eine neue Erfahrung, als Teyssen nach zwei Jahren an der Avacon-Spitze 2001 als Finanzvorstand zur Muttergesellschaft e.on Energie wechselt. Als sein alter Förderer Harig 2003 in den Ruhestand geht, übernimmt Teyssen wie selbstverständlich auch dort den Chefposten. „Raumgreifend“, wie sich ein Manager erinnert: „Er arbeitet Tagesordnungen gern gegen die Uhr ab.“ Schon wenige Monate später rückt Teyssen als Verantwortlicher für den Strom- und Gasvertrieb auch in den Vorstand des e.on-Konzerns in Düsseldorf auf.

Die Zeit drängt. Auch wenn private Haushalte weiter in ihrer Abnehmermentalität verharren, nutzen die Großkunden aus der Industrie die neue Freiheit nach der Abschaffung der Gebietsmonopole. Fallende Preise werden auch bei e.on mit dem Abbau von Arbeitsplätzen bezahlt. Betriebsräte und Gewerkschafter erleben Teyssen in den Verhandlungen als „knallhart, aber verlässlich“. Der Manager macht es Gegenspielern nicht leicht. Wer Teyssen eine Bühne bietet, wird zuweilen an den Rand gespielt: Redemanuskripte seiner PR-Leute legt der 49-Jährige häufig beiseite und formuliert frei. Sprüche und Zitate holt er bevorzugt aus Asterix-Heften oder der eigenen Chuzpe. „Einen Fehler, den man macht, muss man konsequent zu Ende führen“, ist einer dieser Sätze, die im Konzern gern kolportiert werden. „Man hat oft das Gefühl, ihn bei der Entwicklung seiner Gedanken zu begleiten“, sagt ein Mitarbeiter. Nach außen hingegen hat sich der kommende e.on-Chef stark zurückgenommen. „Herr Bernotat ist der Vorstandschef – ich kümmere mich nur ums Geschäft“, erklärt Teyssen immer wieder. Eine Untertreibung der perfiden Art: Während Bernotat nach außen die großen Räder dreht, stellt der Statthalter in Düsseldorf sicher, dass die vielen kleinen im Konzern einigermaßen ineinandergreifen. „Keiner kennt e.on so gut wie er“, sagt ein Konzernmanager.

Dass der amtierende e.on-Chef bei vielen Entscheidungen zuletzt kein glückliches Händchen hatte, werde seinem Nachfolger den Start erleichtern, heißt es im Konzern. Unter dem Beifall der Börsianer hat Bernotat für mehr als 15 Milliarden Euro Unternehmen erworben – seit deren Geschäftsentwicklung mit den einstigen Prognosen nicht Schritt mehr hält, ist der Kurs der e.on-Aktie auf Talfahrt. „Teyssen wird sich wieder stärker um die Kunden in Deutschland kümmern“, sagt ein Vorstandsmitglied eines Konkurrenten. „Hier verdient e.on schließlich sein Geld – im Ausland wurde es doch nur versenkt.“ Die Rückbesinnung auf das Kerngeschäft hat der kommende Konzernchef bereits eingeleitet.

„Perform to win“ heißt das Projekt, mit dem e.on nicht die Kosten um jährlich 1,5 Milliarden Euro senken will. Von der Auslagerung großer Geschäftsbereiche ist ebenso die Rede wie von der Verkleinerung ausländischer Tochterfirmen. Noch allerdings sind Teyssen die Hände gebunden. Amtsinhaber Bernotat hat mehrfach bekräftigt, seinen Vertrag bis zum letzten Tag erfüllen zu wollen – der letzte Arbeitstag wäre somit der 30. April 2010.