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Deutschland / Welt Bahn streicht 600 Arbeitsplätze im Norden
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Bahn streicht 600 Arbeitsplätze im Norden
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23:07 23.01.2014
Von Dirk Stelzl
Verlierer und Gewinner im Wettbewerb: Da die Deutsche Bahn immer mehr Strecken an Konkurrenten wie Metronom verloren hat, fallen bei ihr Arbeitsplätze weg. Quelle: Markus Promnitz
Hannover

In den nächsten beiden Jahren werde DB Regio in Niedersachsen und Bremen rund 600 von 1500 Stellen streichen, sagte der Vorsitzende der Regionalleitung im Norden, Torsten Reh, der HAZ. Das Unternehmen muss Strecken an Konkurrenten abgeben. Deshalb würden künftig weniger Lokführer, Kundenbetreuer oder Beschäftigte in Werkstätten, aber auch Verwaltungsmitarbeiter gebraucht. In Hannover sollen rund 100 Stellen wegfallen, unter anderem in der Verwaltung. Der Konzern verhandelt mit den Betriebsräten über die Bedingungen des Stellenabbaus.

Betriebsbedingte Kündigungen sind bei der Deutschen Bahn ausgeschlossen. „Es landet kein Mitarbeiter auf der Straße“, betonte Reh, der für den Schienennahverkehr der DB in Niedersachsen, Bremen, Hamburg und Schleswig-Holstein zuständig ist. Die Bahn versucht, Mitarbeiter an anderen Standorten oder in anderen Geschäftsbereichen weiterzubeschäftigen. Dies kann allerdings mit längeren Anfahrtswegen zur Arbeit oder mit einem Umzug verbunden sein. Es sei denkbar, dass Beschäftigte zum Beispiel bei der Gütertochter DB Schenker oder in der Netzsparte unterkämen, sagte Reh. Außerdem setzt die Bahn darauf, dass Mitarbeiter eine Stelle bei einem Konkurrenten finden könnten. Vor Kurzem erst hat die Osthannoversche Eisenbahnen AG (OHE) angekündigt, dass ihre Soltauer Tochter Erixx im Laufe des Jahres rund 90 Beschäftigte einstellen werde, beispielsweise Triebfahrzeugführer und Zugbegleiter.

factboxDB Regio spart auch bei Verwaltung

Die Deutsche Bahn will in Niedersachsen Marktanteile zurückgewinnen. „Wir wollen kämpfen und in den Angriffsmodus gehen“, sagt DB-Regio-Manager Torsten Reh. Der Konzern habe sich vorgenommen, bei den kommenden Ausschreibungen den Konkurrenten wieder Aufträge abzunehmen. Um im Wettbewerb bessere Chancen zu haben, will die Nahverkehrstochter DB Regio schlanker werden und Kosten senken. Dazu gehört auch eine Neuorganisation der Verwaltung. So werden Verwaltungsbereiche in Hannover, Braunschweig und Bremen zusammengelegt – was einen Stellenabbau auch in der Landeshauptstadt zur Folge hat. Zum Teil werden aber auch Stellen von Braunschweig und Bremen nach Hannover verlagert. Der DB gelang es, sich den weiteren Betrieb der S-Bahn in der Region Hannover bis 2020 zu sichern. Dort gab es zuletzt rund um den Jahreswechsel einige Probleme, weil sich Lokführer krankgemeldet hatten. Etliche Züge fielen aus. Inzwischen seien die Schwierigkeiten behoben, sagt Reh. Er räumt aber ein: „Das war keine Glanzleistung. Wir können uns nur entschuldigen.“ dis

Die Belegschaft der DB-Nahverkehrstochter in Niedersachsen und Bremen ist in den vergangenen Jahren schon erheblich geschrumpft, weil das Unternehmen bei Streckenausschreibungen das Nachsehen hatte. Im Jahr 2001 hatte DB Regio hier rund 2800 Mitarbeiter – inzwischen sind es noch 1500. Der Marktanteil der Deutschen Bahn liegt – gemessen an den gefahrenen Zugkilometern – nach Firmenangaben noch bei etwas über 50 Prozent. Bis 2016 werde der Anteil auf 34 Prozent sinken, erklärte Reh. So muss sich die Bahn von weiteren Strecken trennen, die von anderen Bahnunternehmen betrieben werden sollen – zum Beispiel von der „Mittellandlinie“, die von Rheine und Bielefeld über Hannover nach Braunschweig führt. Dort sollen von Dezember 2015 an Züge der Westfalenbahn fahren. In diesem Dezember übernimmt Erixx Strecken des „Dieselnetzes Südost, Los 2“; unter anderem zwischen Hannover und Bad Harzburg, Uelzen und Braunschweig sowie zwischen Lüneburg und Dannenberg.

Die Bahn sieht sich bei Ausschreibungen im Nachteil, da bei ihr die Personalkosten und Sozialstandards vergleichsweise hoch seien. Diese Kosten spielten eine große Rolle, ob sich ein Unternehmen mit seinem Angebot durchsetzen könne. „Der Wettbewerb ist nicht fair, weil er auf dem Rücken der Mitarbeiter ausgetragen wird“, sagt Reh. Er appellierte an die Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen (LNVG), bei Ausschreibungen bestimmte Tarif- und Sozialstandards vorzuschreiben. Solche Mindestbedingungen fordert auch die Gewerkschaft EVG. Außerdem ärgert sich die Deutsche Bahn über den landeseigenen Pool mit Fahrzeugen, die von Wettbewerbern der DB genutzt werden.

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