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Traton-Börsengang bringt VW in etwa so viel, wie die Dieselskandal-Berater kosteten

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16:43 14.06.2019
Andreas Renschler, Chef der VW-LKW-Sparte Traton. Quelle: imago images / IPON
Wolfsburg

Mit dem geplanten Börsengang der Lkw-Tochter Traton geht Volkswagen auf Nummer Sicher. Die am Freitag veröffentlichten Eckdaten bewegen sich am unteren Rand der Planungen. Gemessen an hiesigen Verhältnissen ist es trotzdem ein großer Deal: Knapp zwei Milliarden Euro können bei dem Aktienverkauf in die Konzernkasse kommen. Erstmals gehandelt wird die Traton-Aktie voraussichtlich am 28. Juni in Frankfurt und Stockholm.

VW hat den Schritt an die Börse lange vorbereitet, tat sich am Schluss aber schwer damit. Im März wurden die Vorbereitungen gestoppt, weil das Umfeld zu schlecht gewesen seil. Man habe den erhofften – und nicht genannten – Preis nicht erreicht, hieß es. Kurz darauf soll sich das geändert haben, und die Vorbereitungen wurden wieder aufgenommen.

Die Aussichten am Kapitalmarkt sind allerdings nach wie vor mäßig. Intern hat sich offenbar Traton-Chef Andreas Renschler durchgesetzt, der sich mit seinen Trucks so schnell wie möglich vom Mutterkonzern abkoppeln will, um mehr Handlungsfreiheit zu bekommen – neben den Investitionen in die Elektro- und Digitalstrategie wird für die Lkw in den nächstern Jahren nicht viel übrig bleiben.

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Branchenexperten sehen noch einen weiteren Grund für den Sinneswandel bei VW: Die Konjunkturprognosen sind trübe, die nächste Gelegenheit zu einem Börsengang könnte lange auf sich warten lassen. Wolfsburg wolle die womöglich letzte Gelegenheit nutzen.

Entsprechend vorsichtig positioniert sich VW: 50 Millionen Traton-Aktien will der Konzern über die Börse verkaufen, das entspricht nur zehn Prozent des Gesamtkapitals. Bei großer Nachfrage können 7,5 Millionen Aktien hinzukommen, dann wären es 11,5 Prozent. Weitere Schritte dürften folgen, auf absehbare Zeit will VW aber maximal 24,9 Prozent verkaufen – also praktisch uneingeschränkt das Sagen behalten.

Börsengang bringt wohl maximal 1,9 Milliarden Euro

Die Preisspanne wurde auf 27 bis 33 Euro je Aktie festgelegt. Damit läge der Gesamtwert des Unternehmens zwischen 13,5 Milliarden Euro und 16,5 Milliarden Euro, die verkauften Aktien hätten einen Wert zwischen 1,6 Milliarden Euro und 1,9 Milliarden Euro.

Auch mit Blick auf frühere Börsenbewertungen von MAN und Scania, den beiden großen Traton-Marken, sei das relativ wenig, schreibt NordLB-Autoexperte Frank Schwope in einer Analyse. Im Vorfeld war über mehr als 20 Milliarden Euro Unternehmenswert spekuliert worden. „Einem Börsengang von Traton zum gegenwärtigen Zeitpunkt stehen wir recht skeptisch gegenüber“, schreibt Schwope. Die Zusammenarbeit zwischen MAN und Scania beginne gerade erst, in einigen Jahren wären die Synergien deutlich höher – und damit auch der erzielbare Preis.“Ein Börsengang eines schlanken und ertragreichen LKW-Konzerns dürfte wesentlich lukrativer sein.“

Dieselskandal-Berater kosteten fast 1,8 Milliarden

Der endgültige Ausgabepreis wird in den nächsten zwei Wochen ermittelt, das Geld steckt dann VW als Verkäufer ein. Für Tratons Expansionspläne ist vorerst nichts reserviert, das kann sich aber ändern, wenn konkrete Projekte auf den Tisch kommen. Zudem stehen der Konzerntochter mit der Börsennotiz dann aber neue Wege offen, sich Kapital zu beschaffen. „Wir sind überzeugt, dass Traton ein attraktives Investment ist, und das Feedback von Investoren und Analysten bestärkt uns darin“, sagte Renschler am Freitag.

Unterdessen hat das Handelsblatt enthüllt, wie viel Geld der Volkswagen-Konzern in Folge des Dieselskandals in Honorare für Berater und Anwälte investiert hat. Demnach hat ein Sprecher von VW die Summe von 1,77 Milliarden Euro bestätigt – also in etwa das, was sich an Einnahmen für den Konzern aus dem Traton-Börsengang abzeichnet.

Von RND/Stefan Winter und Christoph Höland

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