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Deutschland / Welt Versicherung nur noch mit „Fitness-Tracker“
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Versicherung nur noch mit „Fitness-Tracker“
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20:07 24.09.2018
Regelmäßige Besuche im Fitnessstudio werden belohnt: Dies sehen die „Vitality“-Tarife vor. Quelle: BRITTA PEDERSEN/dpa
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Hannover/Boston

Versicherer setzen zunehmend darauf, ihre Kunden mithilfe neuester Technologie zu kontrollieren. So bietet der US-Versicherer John Hancock Lebensversicherung nur noch in Verbindung mit einem Gesundheitsprogramm an. Das Modell funktioniert ähnlich wie die Telematik-Tarife der hannoverschen VHV-Versicherung: Autofahrer haben dann Aussicht auf günstigere Tarife, wenn sie Daten zum Fahrzeugverhalten erfassen lassen.

Der Versicherer John Hancock geht mit seinem Modell einen Schritt weiter. Das Unternehmen bietet bei Lebensversicherungen keine klassischen Policen mehr an. Statt dessen gibt es nur noch solche, bei denen Kunden in das sogenannte Vitality-Programm aufgenommen werden, das Versicherte zu einer gesunden Lebensweise ermuntern soll. Bislang, seit dem Jahr 2015, war das Vitality-Programm optional. Dazu gehört, dass sportliche Aktivitäten etwa mit Fitnessarmbändern oder einer Apple Watch aufgezeichnet werden.

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Auch andere Versicherungsunternehmen haben Vitality-Programme – in Deutschland etwa der Generali-Konzern bei Berufsunfähigkeits- und Risikolebensversicherungen. Die Tarife spielen hierzulande aber noch eine geringe Rolle. Die zum hannoverschen Talanx-Konzern gehörenden Lebensversicherer haben bisher keine Vitality-Tarife im Angebot.

Vitality sei eine „Plattform zur Verhaltensänderung“, erklärt Hancock und begründet seine Entscheidung, das Konzept grundsätzlich mit Lebensversicherungen zu verknüpfen, mit Zahlen: Kunden, die an dem Gesundheitsprogramm teilnehmen, gingen täglich fast doppelt so viele Schritte wie der durchschnittliche Amerikaner. Teilnehmer an derartigen Programmen lebten weltweit zwischen 13  und 21 Jahre länger als andere Versicherte. Die Kosten für Krankenhausaufenthalte seien um rund 30 Prozent geringer.

Schließt man bei Hancock in Zukunft eine Lebensversicherung ab, gehört dazu automatisch die Basisversion des Vitality-Programms: Es bietet Zugang zu Websites und Apps zu Fitness und Ernährung. Versicherte können Rabatte bei Amazon und anderen Firmen erhalten, wenn sie bei dem Bemühen um einen gesünderen Lebenswandel bestimmte Zielwerte erreichen und dies dokumentiert wird.

Für einen monatlichen Aufpreis von 2 Dollar auf die Versicherungsprämie können sich Kunden für das Modell „Vitality Plus“ entscheiden, das bei sportlichen Aktivitäten, gesunder Ernährung oder regelmäßigen Check-up-Besuchen beim Arzt höhere Ersparnisse ermöglicht. Hier kann die jährliche Versicherungsprämie um bis zu 15 Prozent niedriger ausfallen. Überdies lockt das Unternehmen mit einem kostenlosen Fitness-Tracker Fitbit und einer Apple Watch für nur 25 Dollar, mit denen Daten aufgezeichnet werden.

Das Konzept zu Vitality wurde vom südafrikanischen Versicherer Discovery entwickelt, mit dem der Rückversicherer Hannover Rück zusammenarbeitet. Das zum Talanx-Konzern gehörende Unternehmen unterstützt nach eigenen Angaben den Vertrieb in einigen Märkten etwa in Asien, Australien, Südafrika und den USA – nicht jedoch Deutschland und Europa. „Wir beobachten den Vitality-Ansatz mit Interesse“, sagte eine Talanx-Sprecherin. Bei den Lebensversicherern des Konzerns gebe es „aktuell“ aber keine Pläne, solche Tarife einzuführen. Ob sich das Konzept in Deutschland durchsetzen könne, hänge unter anderem von der Datensicherheit ab. „Den Deutschen ist die Hoheit über ihre Gesundheitsdaten traditionell sehr wichtig.“

Generali Deutschland versucht Befürchtungen, dass Daten bei dem freiwilligen Gesundheitsprogramm nicht ausreichend geschützt würden, zu zerstreuen. Die von Mitglieder zur Verfügung gestellten Informationen etwa zu Sportaktivitäten oder zur Wahrnehmung von Vorsorgeuntersuchungen beim Arzt würden bei einer unabhängigen Tochtergesellschaft – der Generali Vitality GmbH – gespeichert, heißt es. Die Versicherer hätten darauf keinen Zugriff. Sie bekämen nur den Punktestatus der Kunden mitgeteilt. Dieser sei maßgeblich für die Versicherungsprämie.

Von Dirk Stelzl