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Deutschland / Welt Unruhe bei der DekaBank
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Unruhe bei der DekaBank
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17:23 03.04.2012
Von Albrecht Scheuermann
Foto: Leer sind die Stühle der Vorstandsmitglieder der DekaBank vor Beginn der Jahrespressekonferenz am Dienstag.
Leer sind die Stühle der Vorstandsmitglieder der DekaBank vor Beginn der Jahrespressekonferenz am Dienstag. Quelle: Boris Roessler
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Frankfurt

Am Dienstag gab der zentrale Fondsanbieter der deutschen Sparkassen auch seine Geschäftszahlen bekannt: Sie fielen schlechter aus als geplant.

„Das war alles überraschend, was da am Dienstag passiert ist. Jetzt gehen wir erstmal mit der Situation um, wie sie ist“, sagte Vorstand Oliver Behrens, der kommissarisch die Führung übernommen hat, am Dienstag in Frankfurt. „Es geht darum, die Bank, die gut aufgestellt ist, am Laufen zu halten, Mitarbeiter und Kunden nicht zu verunsichern.“

Für Verunsicherung sorgen nicht allein die Querelen um Waas. Am Dienstag gab das Frankfurter Institut bekannt, dass die Euro-Schuldenkrise den Gewinn der Dekabank im vergangenen Jahr drastisch geschmälert hat. Das Ergebnis rutschte im Vergleich zu dem - allerdings von Sondereffekten geprägten - Rekordjahr 2010 um fast 60 Prozent auf 383 Millionen Euro ab. Damit verfehlte das Institut seine eigene Prognose von 400 Millionen bis 500 Millionen Euro.

Ein Zusammenhang zwischen der Zielverfehlung und dem Abgang von Waas wird in Unternehmenskreisen bestritten. Dass der Deka-Chef Knall auf Fall seinen Schreibtisch räumen musste, wird offiziell ausschließlich damit begründet, „dass das notwendige persönliche Vertrauensverhältnis nicht mehr gegeben war, nachdem unterschiedliche Auffassungen über zusätzliche Tantiemeforderungen aus der ersten Amtszeit für die Jahre 2008 und 2009 nicht ausgeräumt werden konnten“ - so die offizielle Mitteilung.

Der 51-Jährige soll angeblich rückwirkend 2,5 Millionen Euro an zusätzlichen Boni gefordert haben. Nicht nur bei Sparkassenverbandspräsident Heinrich Haasis, sondern auch bei vielen Sparkassenvorständen, hat sich Waas damit unbeliebt gemacht. Schließlich ist das Thema Boni seit dem Ausbruch der Finanzkrise vor etwa fünf Jahren ein vermintes Gelände. Die teilweise äußerst üppigen erfolgsabhängigen Vergütungen von Bankmanagern gelten mit ihren ungesunden Anreizwirkungen als eine Ursache für die Krise.

Waas scheint es jedoch an Gespür für diese Diskussionslage gemangelt zu haben. Gerade bei Sparkassen gibt es eine starke Aversion gegen vermeintliche oder tatsächliche Auswüchse angelsächsisch geprägter, spekulativer Bankgeschäfte. Waas hatte um so mehr mit solchen Vorbehalten zu kämpfen, als er ohnehin als ein typischer Investmentbanker gilt. Vor seinem Wechsel zur Fondsgesellschaft Deka Anfang 2006 war er Kapitalmarktvorstand ausgerechnet bei der HSH Nordbank, die wenige Jahre später wegen verlustreicher Geschäfte ins Trudeln geriet und mit Milliarden-Hilfen der öffentlichen Hand vor der Pleite gerettet wurde.

Inzwischen ermittelt die Justiz gegen mehrere frühere HSH-Vorstandsmitglieder, der nun gefeuerte Deka-Chef selbst ist davon aber nicht betroffen. Er ist nicht der erste frühere HSH-Manager, der bei der Deka-Bank seinen Stuhl räumen musste. Waas hatte seinen früheren HSH-Kollegen Walter Groll in den Deka-Vorstand gehievt, dieser wurde jedoch schon vor einem Jahr wieder vor die Tür gesetzt.

Waas folgte bei der Deka auf Axel Weber, der im Jahre 2005 wegen Problemen bei Deka-Immobilienfonds den Hut nehmen musste. Webers Nachfolger schaffte es, den Fondsdienstleister der Sparkassen wieder auf Erfolgskurs zu bringen. Auch seine Kritiker räumen ein, dass Waas alles in allem einen guten Job gemacht hat. Allerdings stieß der Manager Anfang 2009 auf erheblichen Widerstand, als er ausgerechnet auf dem Höhepunkt der Finanzmarktkrise verkündete, die Deka zum größten Derivatehändler in Deutschland nach der Deutschen Bank machen zu wollen. Gerade dieses Geschäft ist jedoch durch die Krise stark in Misskredit geraten. Nicht nur bei Sparkassen-Präsident Heinrich Haasis soll der geplante Strategieschwenk für großen Unmut gesorgt haben. o

Die DekaBank gehört den deutschen Sparkassen und ist deren zentraler „Asset Manager“. Sie ist nach DWS (Deutsche Bank) und Allianz mit einem Marktanteil von gut 15 Prozent der drittgrößte Anbieter von Wertpapierfonds für Privatanleger in Deutschland. Insgesamt verwaltet der Deka-Konzern etwa 160 Milliarden Euro an Vermögenswerten. Dabei handelt es sich überwiegend um Fondsdepots der Sparkassen-Kunden.