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Deutschland / Welt „Piëch ist nicht mehr tragbar“
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08:11 25.04.2015
Piëch soll in dieser Woche bei einem Treffen der Familien Porsche und Piëch erneut versucht haben, die Ablösung Winterkorns zu betreiben.
Piëch soll in dieser Woche bei einem Treffen der Familien Porsche und Piëch erneut versucht haben, die Ablösung Winterkorns zu betreiben. Quelle: Kai Nietfeld
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Wolfsburg/Hannover

Im Machtkampf bei Volkswagen gerät zehn Tage vor der Hauptversammlung nun Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch zunehmend unter Druck. Der 78-Jährige sei als Chefkontrolleur des Konzerns nicht mehr tragbar, sagten mehrere Mitglieder des 20-köpfigen Gremiums dem „Spiegel“. Gleichzeitig regt sich Kritik am Krisenmanagement von Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil. Der Regierungschef habe sich zu früh auf eine Seite geschlagen und so eine Lösung im Konsens verhindert, sagte FDP-Landespolitiker Jörg Bode, bis vor zwei Jahren als Wirtschaftsminister selbst Mitglied des VW-Aufsichtsrats, der HAZ. „Das ist schlecht für das Unternehmen und damit schlecht für das Land.“

Nach dem öffentlichen Abrücken Piëchs von Vorstandschef Martin Winterkorn und einem anschließenden Verwirrspiel um die Motive des VW-Patriarchen wird auch unter Aktionärsschützern und Branchenexperten der Ruf nach Aufklärung lauter. „Dieser Herr (Piëch) muss seinen Aktionären erklären, warum er das macht“, sagte der Präsident der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), Ulrich Hocker.

Der Aufsichtsratschef soll in dieser Woche bei einem Treffen der Familien Porsche und Piëch erneut versucht haben, die Ablösung Winterkorns noch vor der Hauptversammlung am 5. Mai in Hannover zu betreiben und stattdessen Porsche-Chef Matthias Müller an die VW-Spitze zu heben. Piëch hatte dies dementiert und erklärt, man habe sich ausgesprochen. „Ich betreibe die Ablösung von Martin Winterkorn nicht.“ Noch vor zwei Wochen hatte Piëch in einem Interview gesagt: „Ich bin auf Distanz zu Winterkorn.“ Diese Äußerung hatte eine heftige Debatte um die Zukunft des bestbezahlten Dax-Managers Winterkorn und eine Führungskrise beim Autokonzern losgetreten. Bei einer eiligst anberaumten Sitzung des Aufsichtsratspräsidiums, an der neben Piëch und drei Arbeitnehmervertretern auch Stephan Weil und Wolfgang Porsche teilnahmen, wurde Piëch überstimmt, Winterkorn am Ende zum „bestmöglichen“ VW-Chef erklärt und ihm sogar eine Vertragsverlängerung in Aussicht gestellt. „Diese Erklärung war ein Schlag ins Gesicht von Ferdinand Piëch“, kritisierte FDP-Politiker Bode. Weil hätte als Ministerpräsident eine stärker vermittelnde Rolle einnehmen müssen. „Wenn man gewonnen hat, und der andere bleibt an Bord, muss man ihn nicht auch noch demütigen.“

Derweil warnen Vertreter von Aktionären mit Blick auf die nahende Hauptversammlung vor einem massiven Vertrauensverlust, sollte das Ringen der mächtigen Manager hinter den Kulissen länger weitergehen. Der Autobauer müsse aufpassen, sein Kapital bei kleineren Aktionären, aber auch bei vielen Beschäftigten nicht zu verspielen, sagte DSW-Präsident Hocker. Die gegen Winterkorn vorgebrachten Kritikpunkte wie die Renditeschwäche der Kernmarke VW oder die schleppende Entwicklung in den USA und beim Projekt Billigauto seien längst bekannte Baustellen. Piëch müsse seine Motive für die Attacke auf Winterkorn daher dringend offenlegen.

von Lars Ruzic und Jan-Henrik Petermann

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