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Deutschland / Welt VW-Betriebsrat kritisiert Konzernspitze
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt VW-Betriebsrat kritisiert Konzernspitze
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10:31 07.11.2015
Von Lars Ruzic
„Es geht um die Zukunft unseres Unternehmens“: VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh (vorn), Konzernchef Matthias Müller. Quelle: dpa
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Hannover

Ein Gesamtkonzept zum Umgang mit der Krise habe der Vorstand noch nicht vorgelegt. In einem Brief an die Belegschaft, der der HAZ vorliegt, appellierte Osterloh an Konzernchef Matthias Müller und Markenchef Herbert Diess, „gerade in diesen Tagen die Einigkeit zwischen Beschäftigten und Management nicht weiter durch Sprachlosigkeit auf eine Zerreißprobe zu stellen“.
Die Zeit, zu Verabredungen zu kommen, drängt auch deshalb, weil der Konzern Ende November seine „Planungsrunde“ abschließt. Hier werden Investitionen und Werksbelegungen für die kommenden Jahre festgelegt. Durch den Abgas-Skandal ist derzeit vieles infrage gestellt. Auf der für Montag angesetzten Aufsichtsratssitzung wolle er, so sagte Osterloh, „sämtliche Fragen zur Planungsrunde stellen, die momentan unbeantwortet sind. Hier geht es um die Zukunft unserer Arbeitsplätze und die Zukunft unseres Unternehmens.“
Derzeit werde der Betriebsrat bewusst außen vor gelassen, sagte der Betriebsratschef am Freitag der Deutschen Presse-Agentur. „Der Vorstand verkündet Sparmaßnahmen einseitig und ohne Grundlage.“ Einen Wechsel auf den Posten des Personalvorstands, für den Osterloh seit Monaten im Gespräch ist, schloss er aus. „Wir erleben derzeit, wie der Vorstand agiert und dabei die Interessen der Beschäftigten vollkommen außer Acht lässt.“ In dieser Situation der Unsicherheit werde er die Belegschaft nicht allein lassen.
Indes hat der Konzern klargestellt, dass die frisierten Angaben bei Spritverbrauch und Ausstoß von Kohlendioxid (CO2) für Hunderttausende Wagen ihren Ursprung in manipulierten Testabläufen haben. Die Falschangaben seien entweder über Manipulationen im Messvorgang auf dem Prüfstand selber oder über manipulierte Testwagen zustande gekommen, sagte ein Konzernsprecher. Bevor neue Automodelle vom Kraftfahrtbundesamt für den Straßenverkehr zugelassen werden, müssen verschiedene Gutachten erstellt werden, unter anderem zu den Abgaswerten.
Die Messungen werden von sogenannten Technischen Diensten abgenommen, unter anderem vom TÜV. Das erledigen die Dienstleister entweder auf den eigenen Prüfständen oder direkt beim Hersteller selber. Der Sprecher sagte: „Nicht alle betroffenen Modelle wurden auf dem Firmengelände in Wolfsburg auf dem Prüfstand getestet.“ Einige Modelle seien auch extern überprüft worden. Der TÜV Nord in Hannover, der Großteile der zertifizierten Tests für VW-Modelle begleitet, sieht bei sich keine Mitschuld an den frisierten Verbrauchs- und CO2-Werten. „Wir haben die Meldungen aus dem VW-Konzern selbstverständlich zum Anlass genommen, unsere Prozesse zu untersuchen“, sagte ein Sprecher in Hannover. „Dabei sind auf unserer Seite keine Unregelmäßigkeiten festgestellt worden.“ VW hatte Anfang der Woche mitgeteilt, bei rund 800  000 Fahrzeugen im Konzern sei der Ausstoß des klimaschädlichen Kohlendioxid und damit der Spritverbrauch zu niedrig angegeben worden.

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