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Deutschland / Welt Geplanter Stellenabbau: VW-Betriebsrat attackiert Management
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Geplanter Stellenabbau: VW-Betriebsrat attackiert Management
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21:38 08.03.2019
Freundlich distanziert: VW-Chef Herbert Diess (l.) und Betriebsratschef Bernd Osterloh tun sich schwer miteinander. Quelle: Foto: Julian Stratenschulte/dpa
Wolfsburg

Volkswagen will die Kosten weiter drücken und könnte dafür in den nächsten Jahren Tausende Stellen abbauen. Es seien größere Anstrengungen nötig, um die Renditeziele zu erreichen, hieß es am Freitag in Konzernkreisen. Vor allem werden die neuen Elektroautos die Erträge wohl stärker belasten als geplant: Sie kosten in der Produktion mehr, können aber nicht viel teurer verkauft werden als klassische Modelle.

Beim Betriebsrat dürfte Vorstandschef Herbert Diess mit seinem Plan auf Widerstand stoßen: Erst vor zwei Jahren hatte man sich in Wolfsburg auf einen Zukunftspakt geeinigt, der die Probleme lösen sollte.

Vor allem Stellen in der Verwaltung

Dieser Pakt endet 2020, bis 2023 will Diess die Kosten laut einem „Handelsblatt“-Bericht aber um weitere fast 6 Milliarden Euro drücken. Um das zu schaffen, müssten vorher auch Jobs abgebaut werden: Von 5000 bis 7000 Stellen ist die Rede. Gemessen an weltweit mehr als 600.000 Konzernmitarbeitern ist das nicht viel, aber der Abbau soll sich offenbar auf die deutschen Standorte konzentrieren und hier auf die Verwaltung. Zudem sollen im laufenden Programm bis 2020 bereits 23.000 Stellen in Deutschland wegfallen.

Das Unternehmen äußerte sich am Freitag nicht zu dem Thema und verwies auf die Bilanzpressekonferenz in der nächsten Woche. Der Betriebsrat erinnerte lediglich an die bestehende Beschäftigungsgarantie, die betriebsbedingte Kündigungen in den deutschen VW-Werken bis 2025 – in einigen Werken sogar bis 2028 – ausschließe. Die Stellen werden größtenteils über Altersteilzeit abgebaut – „entlang der demografischen Kurve“, nennt man das im Konzern. Ob das nach 2020 noch einmal für Tausende Stellen möglich wäre, ist unklar.

Betriebsrat lehnt Pläne ab

Diess hat nie einen Hehl daraus gemacht, dass er den Ende 2016 unter großen Mühen geschlossenen Zukunftspakt nur für den ersten Schritt hält. Zuletzt soll er sich bei einer Führungskräftetagung enttäuscht über die erzielten Fortschritte geäußert und größere Anstrengungen gefordert haben. Seit Wochen treibe er intern sein Programm zur Ergebnisverbesserung voran, heißt es in Wolfsburg.

Dafür braucht Diess aber den Betriebsrat, und der lehnt Nachbesserungen am unterschriebenen Zukunftspakt bisher ab. Solange dessen erste Auflage laufe und die angepeilten Erfolge bringe, müsse man über einen Zukunftspakt 2 nicht reden, hieß es schon mehrmals von der Arbeitnehmerseite. Zweieinhalb Jahre nach dem Start des Programms sollen bisher gut 9000 Stellen durch die Altersteilzeit abgebaut worden sein.

Diess wiederum beklagt intern immer wieder die Macht des Betriebsrats und vor allem des Vorsitzenden Bernd Osterloh. Dieser hat zwar mit dafür gesorgt, dass Diess vor einem Jahr vom Marken- zum Konzernchef aufstieg, aber auf einer Wellenlänge sind die beiden nicht. Nach Diess’ Vorstößen soll sich das Verhältnis wieder deutlich abgekühlt haben. Osterloh sei derzeit nicht bereit, über weiteren Stellenabbau zu reden, heißt es in Konzernkreisen. Der Betriebsrat gebe dem Management die Schuld für verfehlte Ziele.

Gewinn trotz Fehlern stabil

Diess und seine Kollegen werden am Dienstag keine schlechten Zahlen für 2018 präsentieren. Der Gewinn ist stabil, die Folgen der Dieselkrise sind zumindest finanziell weitgehend verarbeitet. Der Konzern strebt allerdings höhere Ziele an, um den Umstieg auf Elektroantrieb und die Vernetzung der Fahrzeuge bewältigen zu können.

Zuletzt gab es auf dem Weg einige Hindernisse – und Vorstand und Betriebsrat dürften sich in den nächsten Wochen streiten, wer für die Folgen geradezustehen hat. Ein massives Problem war die Umstellung auf den Abgastest WLTP, auf die VW – auch nach eigenem Eingeständnis – schlechter vorbereitet war als andere Hersteller.

Von RND/Stefan Winter

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