Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Deutschland / Welt VW baut neuen Geländewagen in den USA
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt VW baut neuen Geländewagen in den USA
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:12 14.07.2014
Foto: Die Geländelimousine mit dem Arbeitstitel CrossBlue soll Ende 2016 auf den Markt kommen soll.
Die Geländelimousine mit dem Arbeitstitel CrossBlue soll Ende 2016 auf den Markt kommen soll. Quelle: dpa
Anzeige
Wolfsburg/Chattanooga

Der Volkswagen-Konzern will mit einem neuen großen Geländewagen und dem Ausbau der Entwicklung in den USA sein schleppendes Amerika-Geschäft ankurbeln. Insgesamt werden umgerechnet gut 640 Millionen Euro in die Fertigung eines siebensitzigen Geländewagens investiert, zwei Drittel davon in das VW-Werk in Chattanooga, wie der Konzern am Montag mitteilte.

Volkswagen hat das siebensitzige SUV Cross Blue für den amerikanischen Markt vorgestellt.

Neben der ab Ende 2016 geplanten Produktion des „Cross-Blue“ werde damit auch ein neues Entwicklungszentrum finanziert. VW verstärke damit seine Offensive auf dem US-Markt, erklärte Konzernchef Martin Winterkorn in Wolfsburg. „Die Marke Volkswagen wird in Amerika weiter auf Angriff spielen“, sagte er.VW hat in den USA mit sinkendem Absatz zu kämpfen, weil sich der eigens für den nordamerikanischen Markt entwickelte Passat nicht mehr so gut verkauft. Im vergangenen Jahr waren die Verkäufe um fast sieben Prozent auf gut 400.000 Fahrzeuge zurückgegangen. Das Werk Chattanooga im US-Bundesstaat Tennessee ist deswegen nicht völlig ausgelastet. Das SUV wird nun das zweite Modell für die Fabrik.

Als Produktionsort war dafür auch das Werk im mexikanischen Puebla im Gespräch.Jetzt entstünden in Chattanooga 2000 neue Arbeitsplätze zusätzlich zu den bestehenden 2500 Stellen, erklärte VW weiter. Nach den Worten von Michael Horn, Chef der Volkswagen Group of America, sollen mit dem Geländewagen neue Kunden gewonnen und das Wachstum angekurbelt werden. Das Marktpotenzial dafür sei auf 1,4 Millionen Fahrzeuge pro Jahr gestiegen von rund 750.000 Stück vor fünf Jahren. Um künftig schneller auf den Geschmack der Kunden zu reagieren, wird in Chattanooga außerdem ein nationales Entwicklungs- und Planungszentrum mit 200 Ingenieuren eröffnet. Insgesamt will der Konzern den Absatz bis 2018 auf 800.000 Fahrzeuge steigern und investiert dafür mehr als sieben Milliarden Dollar.

Mit dem Werk im Süden der USA verbindet VW - der nach Toyota und General Motors weltweit drittgrößte Autohersteller - große Erwartungen, aus der Rolle eines Nischenanbieters mit einem Marktanteil zwischen zwei und drei Prozent herauszukommen. Volkswagen hatte die Fabrik eigens für das US-Modell des Passat errichtet und damals schon Platz für Erweiterungen gelassen. An die bestehende Produktionshalle wird noch angebaut. Wie Reuters im Juni von Insidern erfahren hatte, verhandelte VW in Chattanooga über Subventionen wie Steuernachlässe oder kostenlose Grundstücke im Gesamtvolumen von 300 Millionen Dollar. In den Verwaltungsrat von Volkswagen USA ziehe der Konzernbetriebsrats-Vorsitzende Bernd Osterloh ein, teilte das Unternehmen weiter mit. Dieser erklärte, er werde sich für die Interessen der VW-Beschäftigten vor Ort einsetzen. In Chattanooga versucht die Autogewerkschaft UAW mit Unterstützung des deutschen Betriebsrats, eine Arbeitnehmervertretung zu installieren. Eine knappe Mehrheit der Belegschaft hatte sich im Februar jedoch gegen den Plan ausgesprochen.

Republikanische Politiker hatten gewarnt, VW werde Jobs abbauen, wenn die Gewerkschaft Erfolg hätte - der Wolfsburger Konzern hatte das zurückgewiesen. VW-Manager Horn bestritt gegenüber Reuters nun, dass VW als Belohnung für das ablehnende Votum der Beschäftigten in Chattanooga investiert, wie Gewerkschaftsgegner behauptet hatten. 

Vermintes Gelände: Volkswagen und die USA

In China, dem wichtigsten Automarkt der Welt, stampft VW ein Werk nach dem anderen aus dem Boden. In den USA zählt Europas Branchenprimus erst eines, vieles läuft dort noch nicht rund.

13. Januar 2013: VW-Chef Martin Winterkorn spricht zur Automesse in Detroit erstmals von einem neuen SUV-Modell speziell für die USA.
2. Mai 2013: Nach 31 Monaten auf steilem Expansionskurs muss Volkswagens Kernmarke für den April 2013 erstmals wieder rückläufige Verkäufe melden. Seitdem finden die Wolfsburger nicht in die Spur.
18. Juni 2013: Im schwelenden Streit um einen Betriebsrat für das einzige US-Werk von Volkswagen in Chattanooga droht der mächtige Konzernbetriebsrat damit, weiteres Wachstum dort zu blockieren.
12. Dezember 2013: Michael Horn löst Jonathan Browning als Chef von Volkswagens US-Sparte ab. Medien spekulieren, Browning müsse wegen der Verkaufszahlen gehen. Volkswagen nennt „persönliche Gründe“.
12. Januar 2014: Winterkorn kündigt das neue SUV-Modell für 2016 an. „Amerika ist der weltweit härteste Automarkt“, räumt er ein. Als mögliche Produktionsorte gehen Chattanooga und Mexiko ins Rennen.
14. Februar 2014: Die VW-Mitarbeiter in Chattanooga votieren gegen den Vorschlag, sich von der US-Autogewerkschaft UAW vertreten zu lassen. Damit kann VW zumindest vorerst nicht die vom Betriebsrat geforderte Arbeitnehmervertretung nach deutschem Vorbild aufbauen.
19. Februar 2014: Betriebsratschef Bernd Osterloh meldet sich zu Wort. Er könne sich „durchaus vorstellen“, dass ein weiterer Standort in den USA „nicht unbedingt wieder in den Süden gehen muss“.
14. Juli 2014: VW teilt mit: Der CrossBlue geht nach Chattanooga.

dpa/rtr

14.07.2014
Lars Ruzic 13.07.2014