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Deutschland / Welt VW will sein Image mit der Nationalelf aufpolieren
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt VW will sein Image mit der Nationalelf aufpolieren
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02:15 16.07.2017
„Wir haben uns beworben“: Mit Fußball-Sponsoring kennt sich VW aus, jetzt soll es die Nationalelf sein.
„Wir haben uns beworben“: Mit Fußball-Sponsoring kennt sich VW aus, jetzt soll es die Nationalelf sein. Quelle: David Hecker
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Hannover/Stuttgart

Der Diesel-Skandal ist nicht ausgestanden, der Weg zum Elektro-Primus weit - VW muss noch viel tun, um sein angeschlagenes Image wieder aufzupolieren.

Helfen sollen dabei die Kicker der deutschen Nationalmannschaft: Am  Freitag entscheidet der Deutsche Fußball-Bund (DFB), ob er VW zu seinem neuen Sponsoring-Partner macht oder ob er weiterhin mit Mercedes zusammenarbeitet - wie in den vergangenen 45 Jahren.

„Wir haben uns beworben. Jetzt sind wir mit Mercedes im Finale und warten die Entscheidung in aller Bescheidenheit ab“, sagte ein VW-Sprecher der HAZ. Bilder von Nationalspielern, die mit dem VW-Logo auf der Brust aus dem Mannschaftsbus mit Volkswagen-Schriftzug steigen - das würde dem angeknacksten Image sicher guttun, denkt man in Wolfsburg. Und dabei helfen, die Menschen für die neuen Ziele etwa im Bereich der Elektromobilität zu sensibilisieren.

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Neuland ist das für Volkswagen nicht: Der Konzern ist schon lange im Fußball-Sponsoring aktiv. Der Vertrag als Partner des DFB-Pokals läuft noch bis 2022, außerdem unterstützt der Autobauer den Bundesligisten VfL Wolfsburg - eine 100-prozentige Konzerntochter - ebenso wie den kleineren Nachbarn und Zweitligisten Eintracht Braunschweig. Und die Nutzfahrzeugsparte ist seit 2007 „exklusiver Fahrzeugpartner“ von Hannover 96.

Nach Ansicht des Potsdamer Sportökonomie-Professors Christoph Rasche wäre ein zusätzliches Sponsoring der DFB-Nationalelf ein „attraktives Investment“: Fußball habe eine extrem hohe mediale Reichweite - „erst kommt Fußball, dann kommt lange gar nichts“.

Das Geld sprudelt wieder

Auswirkungen auf den VfL Wolfsburg hätte ein VW-Engagement beim DFB nicht, heißt es aus Unternehmenskreisen. Im Zusammenhang mit dem Abgas-Skandal hatte es Spekulationen gegeben, wie sehr der Fußballverein womöglich unter den Folgen der Krise leiden muss. Im Februar wurde dann bekannt: Anstatt 80 bis 90 Millionen Euro soll der VfL Wolfsburg vom Mutterkonzern rund 60 bis 70 Millionen Euro jährlich bekommen. Inzwischen läuft es für Volkswagen trotz des Diesel-Skandals wieder besser: Das Geld sprudelt.

Da ist es dann auch leichter, Millionen für den DFB lockerzumachen. Es gehe um eine Summe zwischen 25 bis 30 Millionen Euro pro Jahr für Nationalelf und DFB-Pokal, schrieb unlängst die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“. Beide Produkte wurden in der DFB-Ausschreibung erstmals zusammengefasst. VW selbst will bislang keine Summen nennen. Bei der Nationalelf geht es um den Zeitraum vom 1. Januar 2019 bis 31. Juli 2024.

Der wichtigste DFB-Sponsor dürfte trotz allem Adidas bleiben: Der Sportartikelhersteller zahlt dem Weltmeister-Verband dafür künftig doppelt so viel wie bisher: Es geht um 50 Millionen Euro jährlich, vereinbart wurde ein Vier-Jahres-Kontrakt bis 2022. Bislang soll Adidas 25 Millionen Euro pro Jahr überwiesen haben. Der aktuelle Kontrakt läuft 2018 aus.

Strafe für VW-Zulieferer

Das Bundeskartellamt hat 9,6 Millionen Euro Bußgeld gegen drei Auto-Zulieferer verhängt, die zulasten des Großkunden VW Informationen über ihre Materialpreise ausgetauscht haben sollen. Betroffen seien Elring Klinger Abschirmtechnik in der Schweiz, die spanische Firma Estamp und Lydall Gerhardi in Meinerzhagen im Sauerland, teilte die Behörde am Donnerstag mit.

Die Unternehmen produzieren Aluminium-Abschirmbleche etwa für den Motorraum. Sie hätten untereinander sehr sensible Informationen zu den jeweiligen Verhandlungen mit VW ausgetauscht, erklärte Kartellamtschef Andreas Mundt. Alle drei seien sich einig gewesen, erhöhte Aluminium-Nebenkosten an VW weiterzugeben. Die Bußgelder sind noch nicht rechtskräftig.     

Von Thomas Strünkelnberg und Christian Wölbert