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Deutschland / Welt VW führt Obergrenze für Manager-Gehälter ein
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt VW führt Obergrenze für Manager-Gehälter ein
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09:13 25.02.2017
Bei Volkswagen gilt für die Top-Manager künftig eine Obergrenze bei den Gehältern.
Bei Volkswagen gilt für die Top-Manager künftig eine Obergrenze bei den Gehältern.  Quelle: dpa
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Wolfsburg

Die Abgas-Krise belastet Volkswagen weiter, doch der Konzern hat den Sprung zurück in die schwarzen Zahlen geschafft. Der Aufsichtsrat beschloss am Freitag zudem eine Reform des Vergütungssystems: Top-Manager sollen durch eine Obergrenze sowie Einschnitte bei Bonuszahlungen künftig weniger verdienen. Der Vorstandschef soll höchstens 10  Millionen Euro im Jahr erhalten, die Vorstandsmitglieder maximal 5,5 Millionen. Der frühere Konzernchef Martin Winterkorn hatte bis zu 17 Millionen Euro verdient.

Ohne den Abgas-Skandal in den USA hätte Volkswagen im vergangenen Jahr vermutlich einen Rekordgewinn erzielt. Vor den sogenannten Sondereinflüssen konnte der Konzern sein operatives Ergebnis 2016 um 14 Prozent auf 14,6  Milliarden Euro verbessern – das ist der bisher beste Wert in der etwa 80-jährigen Firmengeschichte. „VW ist sehr robust aufgestellt“, sagte Vorstandschef Matthias Müller am Freitagabend. Man habe die eigenen Erwartungen übertroffen.Vor einem Jahr hatten die Diesel-Manipulationen einen Rekordverlust von rund 1,6  Milliarden Euro zur Folge. Seinerzeit musste VW Rückstellungen von 16,2 Milliarden Euro verbuchen – für 2016 waren sie noch knapp halb so hoch. Nach Steuern weist der Konzern 5,4 Milliarden Euro Gewinn aus; die Dividende soll von 11 Cent je Vorzugsaktie auf 2 Euro steigen.

Neue Gehälter gelten ab 2017

Das neue Vergütungssystem für den Vorstand gilt ab 2017. Im alten System waren trotz Milliardenverlusten hohe Boni möglich. Kernpunkte sind nun höhere Leistungsanforderungen, eine Orientierung an künftigen Erfolgen des Unternehmens und eine Deckelung der Einkommen. Nach dem neuen System hätten die Vorstandsgehälter in den vergangenen Jahren um rund ein Drittel niedriger gelegen, schätzen Experten. Die maximale Summe sei nur noch bei extrem guter Geschäftslage zu erreichen.

Mit der Neuregelung sei man „einen wichtigen Schritt vorangekommen“, sagte Ministerpräsident Stephan Weil (SPD), der Mitglied des VW-Aufsichtsrats ist. Die Opposition hatte ihn wegen der von ihm mitgetragenen Boni heftig kritisiert. CDU-Landeschef Bernd Althusmann sagte, das System „ist voller Widersprüche und löst kein einziges Problem“.

Konzernchef Müller betonte, der Vorstand stehe „voll und ganz zur Modernisierung des Vergütungssystems“ und habe einer Änderung seiner Verträge zugestimmt. Das galt keineswegs als sicher. Winterkorn hatte vor einigen Jahren lange gegen eine Kappung seiner Bezüge gekämpft, und auch im vergangenen Jahr machten Vorstandsmitglieder erst auf massiven Druck kleine Zugeständnisse bei ihren Boni. Wie viel sie im vergangenen Jahr – noch nach dem alten System – verdient haben, wird man Mitte März bei Veröffentlichung des Geschäftsberichts erfahren. Das neue System gilt vorerst für den neunköpfigen Konzernvorstand, die Prinzipien sollen aber auf Tausende Führungskräfte übertragen werden.

Das neue Vergütungssystem bei Volkswagen

Der frühere Konzernchef Martin Winterkorn strich für das Jahr 2011 rund 17,5 Millionen Euro ein. Das war zwar vor „Dieselgate“ – dennoch stehen hohe Managerbezüge wieder massiv in der Kritik. Der Aufsichtsrat von VW hat nun eine Reform des Vergütungssystems beschlossen.

OBERGRENZE: Der VW-Vorstandschef darf künftig maximal zehn Millionen Euro im Jahr verdienen, für die übrigen Vorstandsmitglieder liegt die Obergrenze bei 5,5 Millionen Euro. Diese Summen könnten aber nur bei einer „herausragenden Unternehmensentwicklung“ erreicht werden, erklärte VW. Das neue System gilt vom Geschäftsjahr 2017 an. Im Rückblick gesehen wäre die Vergütung der Top-Manager in den vergangenen Jahren deutlich gesunken, wäre das neue System bereits angewendet worden. Nach dpa-Informationen wäre das Durchschnittsgehalt des Vorstandschef in den Jahren 2011 bis 2015 um 40 Prozent auf 8,4 Millionen Euro gesunken, die Gehälter der Vorstände um 28 Prozent auf 4,3 Millionen.

GRUNDVERGÜTUNG: In das Fixgehalt fließen auch Vergütungen für die Übernahme von weiteren Ämtern im Konzern, Sachzuwendungen und andere Leistungen wie Dienstwagen ein. Im Zuge der Neuordnung steigt die Grundvergütung laut VW um bis zu 30 Prozent auf 2,125 Millionen Euro für den Vorstandsvorsitzenden und auf 1,35 Millionen für die übrigen Vorstandsmitglieder.

VARIABLE VERGÜTUNG: Dabei handelt es sich um eine erfolgsabhängige Bezahlung - in der öffentlichen Debatte sind damit vor allem die umstrittenen „Bonuszahlungen“ gemeint. Im Kern sieht die Reform, dass die Ziele für die variable Vergütung verschärft werden und diese damit sinkt. Künftig richtet sich die jahresbezogene variable Vergütung zur einen Hälfte nach dem operativen Ergebnis: Die Mindesthürde für eine Auszahlung liegt bei 9 Milliarden Euro, statt bisher 5 Milliarden. Zur anderen Hälfte richtet sich die variable Vergütung nach der operativen Umsatzrendite, einer wichtigen Kennziffer in der Bilanz - dabei gibt es eine Hürde von 4 Prozent. Werden beide Ziele verfehlt, soll es keine variable Vergütung geben. Daneben berücksichtigt das neue System die „Transformation“ der Belegschaft in neue Aufgabenfelder wie die Elektromobilität. Weiterhin gibt es zudem individuelle Ziele der einzelnen Vorstandsmitglieder.

AKTIENBASIERTE VERGÜTUNG: Künftig gibt es eine sogenannte aktienbasierte langfristige Vergütung. Sie sieht vor, den Vorständen „virtuelle“ Aktien zu gewähren - abhängig vom Gewinn je Aktie sowie von der Entwicklung des Aktienkurses.

von Jens Heitmann und Stefan Winter