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Deutschland / Welt VW nimmt die nächste Hürde
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt VW nimmt die nächste Hürde
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22:15 05.06.2012
Foto: Unterwegs für VW: MAN ist unter Wolfsburger Kontrolle.
Unterwegs für VW: MAN ist unter Wolfsburger Kontrolle. Quelle: dpa
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Hannover

Statt bisher 73,76 Prozent kontrolliere VW nun 75,03 Prozent der stimmberechtigten MAN-Aktien, teilte der Konzern am Dienstag mit. Überschreitet ein Aktionär die 75-Prozent-Marke, ist er zu dieser Mitteilung verpflichtet. Nachdem das Übernahmeangebot im vergangenen Herbst knapp 60 Prozent gebracht hatte, stockte VW die Beteiligung in kleinen Schritten auf.

Zum weiteren Vorgehen legt man sich in Wolfsburg nicht fest. „Wir halten weiter alle Optionen offen“, sagte ein Sprecher lediglich. Anleger setzten am Dienstag offenbar auf eine weitere Aufstockung und möglicherweise eine spätere Zwangsabfindung der freien Aktionäre: Die Mitteilung am Nachmittag ließ den MAN-Kurs um 9 Prozent auf 85 Euro nach oben springen.

Analysten erwarten, dass VW bei MAN stärker durchregieren will. „Ich schätze, dass VW weitgehende Durchgriffsmöglichkeiten haben will“, sagte Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler. Mit Überschreiten der wichtigen Schwelle von 75 Prozent könne sich kein anderer Aktionär mehr querlegen. Frank Schwope von der Nord/LB rechnet damit, dass VW seinen MAN-Anteil auf bis zu 90 Prozent erhöhen werde. Von der Börse werde VW den Münchener Konzern voraussichtlich nicht nehmen.

In Wolfsburg versuchte man solche Spekulationen am Dienstag zu dämpfen. Außer der Meldepflicht bringe der Schritt über die 75 Prozent keine großen Veränderungen, sagte ein Sprecher. Zwar ist es bei dieser Marke möglich, einen Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag mit der Tochtergesellschaft abzuschließen, aber dafür ist die 75-Prozent-Mehrheit auf der Hauptversammlung entscheidend – und die hatte VW wegen der geringen Präsenz anderer Aktionäre schon vorher. Ob ein solcher Vertrag nun abgeschlossen wird, ließ VW ebenfalls offen.

Europas größter Autobauer erhofft sich von einer engeren Zusammenarbeit zwischen seinen beiden Lkw-Herstellern MAN und Scania sowie der hannoverschen Transportersparte große Kostenvorteile. Zusammen sollen es MAN und Scania mit den in Europa führenden Lkw-Bauern Daimler und Volvo aufnehmen.

„Den eingeschlagenen Weg werden wir mit aller Konsequenz gehen“, kündigte Konzernchef Martin Winterkorn an. MAN werde dabei seine operative Eigenständigkeit behalten. An einen Verkauf der MAN-Motorensparte, die zum Beispiel Schiffe und Kraftwerke ausrüstet, sei nicht gedacht.

Erweiterung in Emden

VW hat am Dienstag an seinem Werk in Emden den Grundstein für zwei neue Hallen gelegt. Das Investitionsvolumen beträgt nach Konzernangaben 135 Millionen Euro. Auf rund 64 000 Quadratmetern entsteht eine Halle für den Karosseriebau, in der im Frühsommer 2014 die ersten Autos gefertigt werden sollen. Bis Mai 2013 errichtet VW dort außerdem ein neues Logistikzentrum von 40.000 Quadratmetern. Im vergangenen Jahr liefen in Emden 265.000 VW Passat vom Band. Über den Emder Hafen verschiffte der Konzern 1,25 Millionen Fahrzeuge.

Erfolg in China

Audi hat den Absatz in China weiter gesteigert. Im Mai verkauften die Ingolstädter dort 36 278 Fahrzeuge, das sind 44,2 Prozent mehr als vor Jahresfrist. Von Januar bis Ende Mai waren es 160.562 Wagen (plus 42 Prozent). Audi ist unter den deutschen Premiumherstellern in China führend. Auch für den Konkurrenten BMW ist das Land größter Einzelmarkt.

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