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Deutschland / Welt VW und Porsche starten in neue Ära
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt VW und Porsche starten in neue Ära
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07:50 13.08.2009
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Von 9 Uhr an beraten die 20 Aufseher im Wolfsburger Verwaltungsturm über die Grundlagenvereinbarung, die in mehreren Stufen zu einem gemeinsamen Konzern mit drei großen Aktionärsblöcken führen soll: den Familien Porsche und Piëch, dem Land Niedersachsen und dem Emirat Katar.

Die Vertreter der Anteilseigner trafen sich bereits Mittwochabend zur Vorbesprechung in Wolfsburg. Zwar haben sich die Porsche-Eigentümer vor zwei Wochen dazu durchgerungen, ihr Unternehmen in den VW-Konzern einzubringen, doch die Einzelheiten des Geschäfts sind extrem kompliziert. So wurde bis zuletzt verhandelt, einige Hindernisse sollen erst gestern aus dem Weg geräumt worden sein. Dass die Vereinbarung noch platze, sei zwar schwer vorstellbar, hieß es in Aufsichtsratskreisen, aber ein Restrisiko bleibe.

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Eines der schwierigsten Themen dürfte die Bewertung der Unternehmen sein. Von ihr hängt ab, welchen Anteil die Familien Porsche und Piëch nach Abschluss der Transaktion an dem neuen Gemeinschaftskonzern halten werden. Es sieht so aus, als könnten sie gemeinsam knapp 40 Prozent erreichen. Derzeit hält Porsche 51 Prozent an VW. Erst seit knapp zwei Wochen hat VW Einblick in die Porsche-Bücher. Bis dahin hatte der inzwischen abgelöste Porsche-Chef Wendelin Wiedeking gemauert.

Den sogenannten Datenraum für die VW-Experten soll er mit einem einzigen, spärlich gefüllten Aktenordner bestückt haben. Das Unternehmen ist vergleichsweise übersichtlich, seine Geschäfte am Finanzmarkt und die damit verbundenen Risiken sind allerdings schwer durchschaubar. So dürfte in der heutigen Vereinbarung noch viel unter dem Vorbehalt der weiteren Prüfungsergebnisse stehen. Das zweite heikle Thema dürfte die vom Land Niedersachsen und dem Betriebsrat geforderte Festschreibung des VW-Gesetzes in der Unternehmenssatz

ung sein. Dabei geht es um die Sperrminorität von 20 Prozent, die Vetomöglichkeit der Arbeitnehmerseite bei Werksbau und -schließung und das Recht des Landes, unabhängig von der Höhe seiner Beteiligung zwei Vertreter in den Aufsichtsrat zu schicken. Die Porsche-Eigentümer sollen grundsätzlich zugestimmt haben, die Regeln zu erhalten. Sie sind aber erklärte Gegner des VW-Gesetzes und könnten versuchen, die Vereinbarung an einigen Stellen doch noch aufzuweichen.

von Stefan Winter