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Deutschland / Welt VW weist Brüderle-Kritik zurück
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt VW weist Brüderle-Kritik zurück
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15:38 05.07.2012
Von Stefan Winter
Martin Winterkorn (l), Vorstandsvorsitzender der Volkswagen AG, und Hans Dieter Pötsch, Vorstand Finanzen und Controlling der Volkswagen AG. Quelle: dpa
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Wolfsburg

Mit aller Schärfe hat VW auf die Kritik von FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle reagiert. „Wir haben nicht das geringste Verständnis für die Äußerungen von Herrn Rainer Brüderle im Zusammenhang mit angeblich entgangenen Steuerzahlungen bei der Schaffung des integrierten Automobilkonzerns“, empörte sich VW-Konzernsprecher Stephan Grühsem. Die Aussagen des FDP-Politikers seien falsch und entbehrten jeder Grundlage.

„Jetzt von Steuertricks und Nachsicht der Finanzämter zu sprechen ist Populismus in Reinkultur“, sagte Grühsem. Durch die beschleunigte Integration Porsches in den Wolfsburger Autokonzern fielen Steuern in Höhe von mehr als 100 Millionen Euro an. Wäre der Sportwagenhersteller, wie ursprünglich geplant, erst 2014 integriert worden, wären hingegen kaum nennenswerte Steuerzahlungen angefallen, erklärte Grühsem wie zuvor bereits VW-Finanzchef Hans Dieter Pötsch.

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Kooperationen zwischen Porsche und Volkswagen haben eine lange Tradition. Die Modelle im Überblick.

Brüderle hatte gesagt, wenn Weltkonzerne mit solchen Tricks Milliarden an Steuern sparen könnten, müsse sich jeder Steuerzahler veräppelt fühlen. „Von so viel Nachsicht der Finanzämter können viele Handwerker nur träumen“, sagte der frühere Bundeswirtschaftsminister dem „Handelsblatt“ (Freitag). Die beiden Unternehmen nutzen ein umstrittenes Schlupfloch in der Steuergesetzgebung. Sie vermeiden dabei bis zu 1,5 Milliarden Euro Abgaben an den Staat. Brüderle dazu: „Das mag alles legal sein, zeigt aber, wie dringend wir ein einfacheres und gerechteres Steuerrecht brauchen.“ 

Das Umwandlungssteuergesetz hätte dieses Geschäft 2014 steuerfrei erlaubt, und so sprach der Konzern auch öffentlich nur von zwei Wegen: Entweder, man warte bis 2014, oder man finde einen Weg, das Geschäft früher ebenfalls steuerfrei zu machen. Der hat sich nun gefunden, denn im Herbst 2011 erließ das Bundesfinanzministerium Durchführungsbestimmungen zum Umwandlungssteuergesetz, und die bieten Unternehmen in der Lage von VW eine Lücke: Der Konzern bezahlt die restlichen Porsche-Anteile nicht nur mit Geld, sondern auch mit einer VW-Aktie. Dadurch wird aus dem Kauf eine konzerninterne Umstrukturierung - und die ist steuerfrei.

Der Plan wurde wochenlang von den Finanzbehörden geprüft und für legal erklärt.

VW-Finanzchef Hans Dieter Pötsch betonte, dass der Konzern im Zusammenhang mit dem Porsche-Deal deutlich mehr als 100 Millionen Euro Steuern zahle, zum Beispiel Grunderwerbsteuer. Außerdem würden durch die vorgezogene Fusion höhere Gewinne erzielt – steuerpflichtig.

Mit Material von dpa

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