Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Deutschland / Welt Vattenfall steht vor Netz-Verkauf
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Vattenfall steht vor Netz-Verkauf
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
22:47 02.11.2009
Vattenfall ist bereit sein Stromnetz zu verkaufen. Quelle: ddp
Anzeige

Dabei gehe es aber noch nicht um einen konkreten Vertrag. Das Votum sei vielmehr eine Art Vorratsbeschluss für einen Verkauf, mit dem in den nächsten Wochen gerechnet werde. Der Konzern verhandelt seit Monaten exklusiv mit einem Konsortium von Fonds der Finanzinstitute Deutsche Bank, Goldman Sachs und Allianz.

„Die größten Hürden sind ausgeräumt“, sagte ein Insider am Montag. Der Kaufpreis betrage rund 500 Millionen Euro. Das liegt deutlich unter der Summe, die zu Beginn des vor mehr als einem Jahr gestarteten Prozesses im Gespräch war. Zahlreiche Bieter waren abgesprungen, weil sie in der Finanzkrise nicht das Geld für einen Kauf auftreiben konnten. Die Investoren wollen die Transaktion nun dem Vernehmen nach weitgehend mit Eigenkapital stemmen. Lediglich für die Folge-Investitionen in das Netz des viertgrößten deutschen Versorgers seien in größerem Stil Kredite nötig, hieß es. Die Fonds reizen an den Stromautobahnen die stetigen Einnahmen, die zwar keine sehr hohen, aber dafür kalkulierbare Renditen versprechen. Verbraucherschützer erhoffen sich durch eine Abtrennung mehr Wettbewerb und damit niedrigere Preise.

Anzeige

Das deutsche Netz von Vattenfall hat eine Länge von 9500 Kilometern und ist damit kleiner als das ebenfalls zum Verkauf stehende 10 600 Kilometer lange Netz des Branchenführers e.on. Daneben besitzen in Deutschland die Energiekonzerne RWE und EnBW Höchstspannungsnetze. Sie wollen diese aber nicht verkaufen und unterstützen auch nicht die von der neuen Regierung verfolgten Idee einer deutschen Netz AG, in die alle Betreiber ihre Netze einbringen könnten. Lange Zeit galt der Verkauf des Stromnetzes als Tabuthema in der Branche. Die deutschen Energiekonzerne wollten die komplette Kette von der Stromproduktion über den Transport bis zum Vertrieb kontrollieren. In den vergangenen Jahren drängte aber vor allem die EU-Kommission auf eine Entflechtung, um Konkurrenten einen fairen Zugang zum Netz zu gewährleisten. e.on verpflichtete sich im Rahmen eines Kartellverfahrens zum Verkauf des Netzes. Vattenfall entschied sich freiwillig dazu.

von Philipp Halstrick