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Deutschland / Welt Verbraucherpreise steigen um fast 2 Prozent
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Verbraucherpreise steigen um fast 2 Prozent
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23:37 27.01.2011
Die Verbraucherpreise Deutschland legen zu – auch weil manche Lebensmittel teurer werden. Quelle: dpa
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Das Statistische Bundesamt legte am Donnerstag die Daten für Januar vor: Danach sind die Preise über alle Warengruppen hinweg um 1,9 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat gestiegen und damit etwas stärker als im Dezember. Zurückzuführen ist dies – wie schon in den vergangenen Monaten – vor allem auf höhere Preise für Heizöl und Benzin, aber auch für Obst und Gemüse sowie Strom. Genau 2 Prozent beträgt die Teuerung nach dem europaweit harmonisierten Vergleichsindex. Damit haben sich die Preise schneller erhöht, als es die Europäische Zentralbank eigentlich tolerieren will. Ihr für den Euro-Raum angestrebtes Ziel liegt bei knapp unter 2 Prozent.

Für Verbraucher und Anleger hat die zunehmende Teuerung unangenehme Wirkungen: Zum einen werden etwa Tagesgeldkonten durchschnittlich nur mit knapp über einem Prozent verzinst. Real bringt die Geldanlage also Verluste. Zum anderen steigen die Preise für Produkte, die regelmäßig gekauft werden. Dadurch ist die wahrgenommene Inflation höher als die amtliche.

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Für Gewerkschaften bieten die gestiegenen Preise und die wieder bessere Konjunktur frisches Pulver für die Tarifverhandlungen in diesem Jahr, um deutliche Erhöhungen durchzusetzen. Ökonomen befürchten, dass dadurch die Preissteigerungen an Fahrt gewinnen könnten. Steigende Löhne bedeuten höhere Produktionskosten für die Unternehmen, die dann wiederum die Preise für ihre Produkte erhöhen müssten.

Die Postbank hat am Donnerstag ihre Prognose für die Inflationsentwicklung in diesem Jahr in Deutschland von 1,7 auf 2 Prozent erhöht. Auch international ziehen die Preise an: In Großbritannien lag die Inflation zuletzt bei 3,7 Prozent, und der Zentralbank-Chef hält einen Anstieg auf 4 bis 5 Prozent für möglich. Da dies nur zeitweise der Fall sein werde, gibt sich die Bank of England unaufgeregt. In China liegt die Teuerung bei 4,6 Prozent, in Brasilien bei 5,9 Prozent.

Die meisten Ökonomen erwarten jedoch, dass die EZB zumindest in den kommenden Monaten nicht an der Zinsschraube drehen werde. Die Notenbanker rechnen zwar mit einem weiteren Anstieg der Inflation in der Euro-Zone auf ein Niveau noch über der zuletzt gemessenen 2,2 Prozent. Doch ihrer Prognose nach wird sich die Entwicklung von Mitte des Jahres an wieder beruhigen.

Martin Dowideit