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Deutschland / Welt „Mit Gesundheit spielt man nicht“
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08:57 15.01.2015
Foto: Supermarktkunden lassen sich Produkte mit vermeintlichem Gesundheitseffekt auch schon einmal etwas mehr kosten
Supermarktkunden lassen sich Produkte mit vermeintlichem Gesundheitseffekt auch schon einmal etwas mehr kosten Quelle: dpa
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Berlin

Dass Currywurst mit Pommes und Mayo besonders gesund ist, erwartet niemand. Umso mehr achten viele Verbraucher darauf, bei anderen Lebensmitteln ganz bewusst etwas Gutes für ihre Fitness zu tun – mit einem Müsli, vitaminhaltigen Getränken oder einem speziellen Joghurt. Produkte mit einem besonders verlockenden Gesundheitseffekt lassen sich Supermarktkunden auch schon einmal etwas mehr kosten.

Verbraucherschützer bemängeln, dass bei der Werbung dafür häufig getrickst werde. Dabei gelten für Gesundheitskennzeichnungen genaue europäische Regeln. Die Palette der Produkte mit versprochenen Extras für das Wohlbefinden wird trotzdem größer. Auf dem Etikett werben Hersteller gern mit Begriffen wie „aktiv“, „vital“ und „Sport“.

Was konkrete Werbung mit Gesundheitswirkungen angeht, sind der Fantasie aber enge Grenzen gesetzt. Seit 2012 gilt in der Europäischen Union eine Liste mit erlaubten gesundheitsbezogenen Aussagen („Health Claims“), die zugelassen und wissenschaftlich fundiert sein müssen. Aufgeführt sind inzwischen rund 250 Formulierungen. Sie lauten etwa eher nüchtern: „Roggen-Ballaststoffe tragen zu einer normalen Darmfunktion bei.“  Von den strikten Vorgaben weichen manche Anbieter leicht, aber wirkungsvoll ab, wie die Verbraucherzentralen nach einer Stichprobe mit 46 Produkten gestern kurz vor der Grünen Woche in Berlin kritisierten. So ist auf der Packung eines Müslis von „wertvollen Wachstumsbausteinen“ Eisen, Jod und Zink zu lesen. Zugelassen sei nur eine Aussage für Jod, erläuterte Armin Valet von der Verbraucherzentrale Hamburg – nämlich, dass es „zum normalen Wachstum beiträgt“.

Problematische Werbekniffe

Bei einem Pflanzenöl verspricht der Flaschenaufdruck, enthaltene Fettsäuren sorgten mit für einen Cholesterinspiegel auf „gesundem“ Niveau. Zugelassen ist nur, von einem „normalen“ Cholesterinspiegel zu sprechen.  „Zwischen normal und gesund besteht ein Unterschied“, kritisierte Klaus Müller, der Chef des Bundesverbands der Verbraucherzentralen. Gesundheitsangaben seien ein entscheidendes Kaufkriterium. Daher müsse gelten: „Mit Gesundheit spielt man nicht.“  Problematisch sind aus Sicht der Verbraucherschützer auch Werbekniffe, die Gesundheitseffekte nahelegen. So glaubten in einem Vergleichstest 39 Prozent der Befragten, dass ein abgebildetes Zitronen-Erfrischungsgetränk „wenige Kalorien“ habe. Mit einem eingefügten Bild einer joggenden jungen Frau sagten dies 66 Prozent.

Generell hat die Vorderseite der Packung die stärkste Wirkung, wie Studienautorin Anke Zühlsdorf erklärte. Die Rückseite mit kleiner gedruckter Zutatenliste ändere daran auch zu Gesundheitseffekten erstaunlich wenig. „Zuckerbomben“ oder Würstchen mit hohem Fettanteil dürften nicht als „gesund“ angepriesen werden, forderten die Verbraucherzentralen. Es dürfe nicht sein, bei einem Saft mit höherem Zuckergehalt als in einer Cola eine positive Wirkung auf Nerven und Muskeln herauszustellen.

er Dachverband der Lebensmittelwirtschaft verweist dagegen darauf, dass sich die EU-Vorschriften nur auf das jeweils beworbene Kriterium beziehen und nicht auf die Gesamtzusammensetzung. Überhaupt seien Pauschalvorwürfe falsch. Pflicht sei kein exakter Wortlaut von Gesundheitsaussagen, solange die Botschaft dieselbe bleibe.  Die Organisation Foodwatch hält prinzipiell nichts von Gesundheitswerbung auf Lebensmitteln: „Wer krank ist, sollte zum Arzt gehen und nicht in den Supermarkt.“

Von Sascha Meyer

Bauern kommen mit Sorgen zur Grünen Woche

Agrarmärkte haben sich gedreht: Die Bauern sind wenig zuversichtlich vor der Grünen Woche in Berlin. Die Kollegen seien skeptisch, sagte Bauernpräsident Joachim Rukwied am Mittwoch in Berlin. „Wir hatten drei relativ gute Jahre.“ Diesmal stehe die Grüne Woche unter einem anderen Stern, sagte Rukwied und verwies auf sinkende Preise für Schweinefleisch, Ferkel, Milch, Getreide und Obst. „Die Märkte haben sich gedreht.“

Für Verbraucher bedeutet dies vergleichsweise günstige Preise im Supermarkt. „Das deutsche Lebensmittelpreisniveau bleibt moderat“, sagte Christoph Minhoff, Hauptgeschäftsführer der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie. Im vergangenen Jahr seien Lebensmittel um 1,2 Prozent teurer geworden. Landwirtschaft und Ernährungsindustrie leiden unter Handelsschranken zwischen der Europäischen Union und Russland, die beide Seiten im Zuge der Ukraine-Krise errichtet haben. Auch gute Ernten drücken auf die Preise, während der Mindestlohn die Kosten erhöht. Zuversicht verbreiten indes die Biobauern. Sie hoffen, dass nach jahrelangem Stillstand wieder mehr Betriebe auf Ökolandbau umstellen. Der Grund sind gestiegene Fördersätze in den Bundesländern.

Die weltgrößte Agrarmesse beginnt am Freitag. Mit einer Ausstellungsfläche von 130.000 Quadratmetern ist sie so groß wie lange nicht. Bis zum 25. Januar zeigen 1658 Aussteller aus 68 Ländern ihre Produkte aus Landwirtschaft, Ernährung und Gartenbau. Partnerland der Grünen Woche ist in diesem Jahr Lettland.

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