Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Deutschland / Welt Verdi-Chef Bsirske ruft zwei Millionen Mitglieder zum Klimastreik auf
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt

Verdi-Chef Bsirske ruft zwei Millionen Mitglieder zum Klimastreik auf

Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:41 06.08.2019
Verdi-Chef Frank Bsirske ruft zu Fridays-for-Future-Protesten auf. Quelle: dpa
New York

Der ver.di-Vorsitzende Frank Bsirske hat die rund zwei Millionen Mitglieder der Gewerkschaft aufgerufen, am 20. September mit der "Fridays-for-Future"-Bewegung auf die Straße zu gehen. "Es geht darum, Flagge zu zeigen - wir brauchen ein deutlich konsequenteres Handeln der Politik beim Klimaschutz", sagte Bsirske der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung".

"Es wird auch nicht jeder seine Arbeit unterbrechen können", schränkte der Chef der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft ein. "Aber wer kann, sollte ausstempeln und mitmachen." Er werde sich jedenfalls an den Demonstrationen beteiligen. "Fridays for Future" plant am 20. September Demonstrationen in mehr als 100 deutschen und zahlreichen weiteren Städten weltweit.

Lesen Sie auch:
„Das Land lahmlegen“: Ruft Winterscheidt hier zum gefährlichen Rechtsbruch auf?

In Deutschland werden an diesem Tag die Ergebnisse des Klimakabinetts vorgestellt. Zudem findet am 23. September der UN Climate Action Summit in New York statt. Rund um diese Termine soll nach Angaben von "Fridays for Future" mit unterschiedlichen Protestformen der Druck auf die Politik für konkrete Fortschritte beim Klimaschutz erhöht werden.

Bsirske lobte die Organisationskraft von "Fridays for Future". Hier entwickle sich eine Jugendbewegung, die nachhaltig Wirkung in Deutschland erzielen werde, sagte der Gewerkschafter. Die Schüler und Studierenden tragen nach seinen Worten dazu bei, Klimaschutz und Energiewende anzuschieben.

Bsirske, der als stellvertretender Vorsitzender im Aufsichtsrat des Essener Energiekonzerns RWE sitzt, zeigte sich offen für einen früheren Kohleausstieg. "Wir sollten so schnell wie möglich aus der Kohleverstromung aussteigen, das ist unsere Position bei Verdi", betonte er. Die von der Bundesregierung eingesetzte Kohlekommission hatte einen Ausstieg für 2038 empfohlen, "Fridays for Future" dringt auf ein Datum acht Jahre früher.

IG Metall zurückhaltender

Auch die IG Metall – traditionell bei Autobauern stark – näherte sich zuletzt dem Thema Klimaschutz an. Man sei „im Austausch“ mit Fridays for Future“, teilte eine Sprecherin mit. „Die Gewerkschaft ist sich der doppelten Verantwortung bewusst, das Klima zu schützen und Arbeitsplätze zu sichern“, erklärte er weiter.

Die Kundgebung #FairWandel im Juni in Berlin habe gezeigt, dass es der Gewerkschaft mit den Klimaschutzzielen ernst sei. „Wir freuen uns daher über den Austausch mit #FFF und gegenseitige Unterstützung.“

Lesen Sie auch:
50.000 IG-Metall-Mitglieder demonstrieren für Klimaschutz und sichere Arbeitsplätze

Die IG Metall betont aber, der Aufbruch müsse sozial und mit den Menschen im Land gestaltet werden. Sonst überlasse man „das Feld populistischen Scharlatanen“, die mit Parolen vorgaukelten, „es könne alles so bleiben, wie es ist“, schrieben Umweltverbände und Gewerkschaft kürzlich in einer gemeinsamen Stellungnahme.

Konkret dringen sie dort unter anderem darauf, dass die Bundesregierung sich von der „schwarzen Null“, also einem ausgeglichenen Haushalt, verabschiedet, um die notwendigen Investitionen zu stemmen.

Osterloh kritisiert Klimaschutzpolitik

Andere Arbeitnehmervertreter dem Klimaschutz skeptischer gegenüber: Volkswagens Betriebsratschef Bernd Osterloh bezeichnet die Klimaschutzpolitik der Bundesregierung als Gefahr für den Industriestandort Deutschland. „Wir riskieren, was uns stark gemacht hat“, sagte er am Wochenende der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. Der Politik warf er vor, zwar Verbrennungsmotoren möglichst schnell abschaffen zu wollen, aber gleichzeitig den Aufbau einer Ladeinfrastruktur für E-Autos zu lange vernachlässigt zu haben.

Vor allem die Autozulieferer litten derzeit dramatisch unter der Situation der Branche, sagte Osterloh weiter. In ganzen Landstrichen könnte es seiner Einschätzung nach sein, dass deswegen bald Unternehmen schließen müssen. „Das untergräbt auch unseren gesellschaftlichen Zusammenhalt“, warnte Osterloh.

Von RND/Christoph Höland