Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Deutschland / Welt Verkehrsministerium sauer auf Tüv Nord
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Verkehrsministerium sauer auf Tüv Nord
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:22 23.11.2015
Von Lars Ruzic
Schlampige Kontrollen? Das Verkehrsministerium will vom Tüv wissen, wieso die falschen CO2-Werte bei Volkswagen nicht erkannt worden seien. Quelle: dpa/Archiv
Anzeige
Hannover

Die Abgas-Affäre bei Volkswagen hat einen offenen Streit zwischen dem hannoverschen TÜV Nord und dem Bundesverkehrsministerium ausgelöst. „Wir wollen vom TÜV wissen, wieso die falschen CO2-Werte bei Volkswagen nicht erkannt worden sind“, sagte ein Ministeriumssprecher am Montag. Der TÜV Nord soll dazu heute vor einer Untersuchungskommission des Ministeriums Rede und Antwort stehen. Ein TÜV-Sprecher betonte jedoch, dass die Vertreter des Prüfunternehmens nicht einbestellt worden seien, sondern der Termin schon vor einiger Zeit vereinbart worden sei.

Konzernchef Guido Rettig hatte unlängst in einem HAZ-Interview offengelegt, dass der TÜV Nord nach der Selbstbezichtigung von VW bei den von ihm geprüften Fahrzeugen „noch einmal alles auf den Kopf gestellt und keine Abweichungen im Genehmigungsprozess“ habe nachweisen können. „Diese Vorgänge sind mir, offen gesagt, ein Rätsel“, meinte Rettig. VW müsse schnell Licht ins Dunkel bringen. Volkswagen hatte Anfang November eingestanden, dass bei vermutlich 800 000 Autos der CO2-Ausstoß höher sei als in den Papieren  angegeben.

Anzeige

Beim Skandal um mit Software manipulierte Diesel-Fahrzeuge, die nur auf den Prüfständen die Stickoxid-Grenzwerte einhalten, hatte Rettig die Politik dafür kritisiert, dass sie den Prüfern nicht ermögliche, Einblick in Motorsteuerung und Hersteller-Software zu nehmen. „Es war uns also per Gesetz nicht möglich, diese Manipulationen zu erkennen“, hatte Rettig gegenüber der HAZ betont. Nun legte der TÜV-Chef noch einmal nach: Die Prüfer versuchten seit Jahren vergeblich, auch die Motorsoftware untersuchen zu dürfen, sagte er der Zeitung „Die Welt“. Die zuständigen Bundesministerien hätten dies aber auf Drängen der Automobilindustrie untersagt.

Der Bund will den Prüfern offenbar entgegenkommen. Es sei eine Ausweitung ihrer Befugnisse geplant, hieß es gestern in Berlin. Eine Kommission gehe der Frage nach, ob eine Offenlegung der Motor-Steuerungssoftware Teil der EU-Gesetzgebung sein könne, sagte der Sprecher des Verkehrsministeriums. In Regierungskreisen wurde dabei aber klargestellt: „Wenn über eine Weiterentwicklung der Prüfsysteme nachgedacht wird, dann sicherlich nicht in der Richtung, den TÜV Nord zu stärken“, hieß es dort. „Der TÜV Nord muss erst einmal eigene Versäumnisse erklären.“

Als „schallende Ohrfeige für die Bundesregierung“ bezeichnete der Vize-Fraktionschef der Grünen im Bundestag, Oliver Krischer, Rettigs Kritik. „Die Prüfbehörde bestätigt die jahrelange Kumpanei zwischen Bundesregierung und Automobilbranche.“ Verkehrsminister Alexander Dobrindt werde immer stärker zum Problem inmitten der Aufklärung.

Mehr zum Thema

In der VW-Affäre hat der TÜV Nord schwere Vorwürfe gegen die Politik erhoben. Diese habe den Prüfern auf Drängen der Automobilindustrie untersagt, die Motorsoftware zu untersuchen, sagte TÜV-Nord-Chef Guido Rettig der Tageszeitung "Welt" vom Montag.

23.11.2015

Der TÜV Nord hat eine Mitverantwortung für die Abgasmanipulationen bei VW zurückgewiesen. Die Eingriffe in die Software der Dieselmotoren „basieren auf krimineller Energie – und dagegen sind auch wir machtlos“, sagte Vorstandschef Guido Rettig im Interview mit dieser Zeitung.

Lars Ruzic 19.11.2015

Noch sind die Bremsspuren der Diesel-Affäre in den VW-Verkäufen eher gering. Von «Absatzkrise» will man nichts wissen. Doch auch auf der zweiten Großbaustelle - den falschen CO2-Angaben - droht neuer Ärger.

14.11.2015