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Deutschland / Welt Versicherungsgruppe Talanx sieht schwieriges Jahr vor sich
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Versicherungsgruppe Talanx sieht schwieriges Jahr vor sich
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14:29 23.05.2011
Der Vorstandsvorsitzende der Talanx AG, Herbert K. Haas. Quelle: dpa
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Aufräumen vor dem Schritt aufs Parkett: Auf dem Weg zu seinem lange geplanten Börsengang will der drittgrößte deutsche Versicherungskonzern Talanx noch kräftiger als bislang auf die Kostenbremse treten. Denn nach einem durchwachsenen Geschäftsjahr 2010 dürften neue Großschäden wie die Erdbeben-Katastrophen in Japan und Neuseeland auch 2011 deutliche „Spuren im Ergebnis hinterlassen“, sagte Konzernchef Herbert Haas am Montag in Hannover.

Allein im ersten Quartal musste Talanx mit 675 Millionen Euro mehr als doppelt so hohe Belastungen schultern wie zu Beginn des Vorjahres. Mittelfristig sieht sich Talanx auf Kurs: Wachstumsfelder seien vor allem das Industrie-, das internationale Privatkunden- und das Rückversicherungsgeschäft. „Unsere Bemühungen tragen schon Früchte, auch in der Privat- und Firmenversicherung“, meinte der Talanx-Chef.

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Um sich für eine mögliche Börsennotierung ab 2012 fit zu machen, verordnete sich Talanx einen Sparkurs. Die Verwaltungsausgaben sollen um rund 245 Millionen Euro pro Jahr gedrosselt werden. Unklar bleibt vorerst, wie viele Jobs infolge des Sanierungsplans gestrichen werden müssen. „Das wird nicht ohne Arbeitsplatzabbau abgehen“, räumte Haas ein. Zum Ausmaß könne man noch keine Aussagen machen.

Deutlich weniger Gewinn

Der Konzern, zu dem unter anderem HDI-Gerling und der Rückversicherer Hannover Rück gehören, fuhr zuletzt deutlich weniger Gewinn ein. Hauptgrund war die höhere Risikovorsorge in der deutschen Lebensversicherung. Unterm Strich stand bei Talanx 2010 noch ein Plus von 220 Millionen Euro - nach 485 Millionen Euro im Vorjahr.

Leicht aufwärts ging es bei den Beitragseinnahmen: Die Bruttoprämien legten um 9 Prozent auf 22,9 Milliarden Euro zu. Geld verdiente Talanx an den Finanzmärkten. Das Kapitalanlageergebnis wuchs um ein Fünftel auf 3,2 Milliarden Euro.

Mit Blick auf die laufende Umstrukturierung und die Trennung von Beteiligungen im vergangenen Jahr sprach Haas von einmaligen Effekten. Talanx sei durch den „Hausputz“ bereits wettbewerbsfähiger geworden: „Die erste Phase des Umbaus ist erfolgreich abgeschlossen.“

Talanx hatte 2010 sein Erstversicherungsgeschäft neu ausgerichtet und den Vertrieb stark gestrafft. Während das Prämienvolumen bei den Industrieversicherungen stagnierte, gab es im deutschen Privat- und Firmenkundengeschäft ein leichtes Einnahmeplus - vor Zinsen und Steuern rutschte das Spartenergebnis allerdings in die Verlustzone.

Für Unsicherheit sorgen die Euro-Schuldenkrise und die Umwälzungen in der arabischen Welt. Mittelfristig sei die Ertragskraft des Konzerns dennoch robust, die gebuchten Bruttoprämien sollen in diesem Jahr nochmals um 3 Prozent steigen.

Auch die Risikopuffer im Rückversicherungsgeschäft dürften halten - sofern neue Großschäden der Tochter Hannover Rück keinen Strich durch die Rechnung machen. Sie hatte im Auftaktquartal trotz massiver Belastungen durch das Japan-Beben noch 52,3 Millionen Euro verdient - und damit besser abgeschnitten als von vielen Experten erwartet.

dpa