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Deutschland / Welt Viele Hotelbetten bleiben leer
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20:46 26.07.2009
Last-Minute Tourismusbranche Wirtschaftskrise Mykonos Parthenon Akropolis
Athen hat an Zugkraft bei den Touristen verloren. Quelle: Jochen Lübke/afp
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„Zimmer frei“ ist die Devise dieses Sommers in Griechenland. Selbst jetzt, in der Hauptsaison, gibt es fast überall noch freie Betten – und sogar Rabatte. „So eine müde Saison habe ich noch nicht erlebt“, sagt Marios Athanassopoulos. Der 54-Jährige arbeitet als Empfangschef in einem Mittelklassehotel in der Plaka, der Athener Altstadt. „Vergangenes Jahr um diese Zeit waren wir ausgebucht, jetzt beträgt die Auslastung gerade mal 50 Prozent“, klagt Marios.

Die Wirtschaftskrise hinterlässt deutliche Spuren in der griechischen Tourismusbranche, die 18 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) beiträgt und jeden fünften Arbeitsplatz stellt. In den ersten sechs Monaten ging die Zahl der ausländischen Gäste um 10 Prozent zurück. Auf den Inseln Chios und Kefallonia betrug das Minus nach Angaben des Verbandes der griechischen Tourismusunternehmen (Sete) sogar rund 25 Prozent. Auch Santorin gehört zu den Verlierern der Saison. Selbst auf der Schickeria-Insel Mykonos begrüßten die Hotels im ersten Halbjahr fast 14 Prozent weniger Gäste.

Das Minus in den Kassen ist noch größer, denn um wenigstens Last-Minute-Buchungen an Land zu ziehen, haben viele Hoteliers die Preise gegenüber dem Vorjahr gesenkt. Nach Angaben der Athener Hotelierkammer gingen die Einnahmen in den ersten fünf Monaten um knapp 21 Prozent zurück. Die Auslastung der Hotels lag im Schnitt um 17 Prozent unter dem Vorjahresniveau, die Preise waren um 5 Prozent niedriger. Nach Berehnungen der griechischen Zentralbank gingen die Einnahmen aus dem Fremdenverkehr in den ersten fünf Monaten landesweit um fast 18 Prozent zurück.

Das Athener Institut für Tourismusforschung sieht dafür mehrere Ursachen: „Wir haben weniger Gäste, die überdies kürzer bleiben und weniger Geld ausgeben.“ Die Flaute macht sich bereits auf dem Arbeitsmarkt bemerkbar. Fast 20.000 Jobs sind im Tourismussektor nach Angaben des Verbandes Sete seit Jahresbeginn verloren gegangen. Insgesamt beschäftigt die Branche etwa 300.000 Menschen. Während in früheren Jahren in der Hochsaison jede Menge Überstunden gemacht wurden, wird jetzt in vielen Hotels kurzgearbeitet.

Die Katastrophenszenarien, die noch zum Jahresbeginn in der griechischen Tourismusbranche die Runde machten, scheinen sich aber nicht zu bewahrheiten. Damals befürchteten viele Experten einen Rückgang der Urlauberzahlen um bis zu 20 Prozent. Jetzt scheint sich das Minus bei knapp der Hälfte einzupendeln. „Wir werden keinen zweistelligen Rückgang erleben“, glaubt Tourismusminister Kostas Markopoulos. Zwar gab es vor allem bei den britischen Touristen, für die sich Urlaubsreisen in den Euro-Raum durch die Schwäche des Pfundes erheblich verteuert haben, einen starken Rückgang. Er wird aber zum Teil ausgeglichen durch steigende Gästezahlen aus Russland. Gemildert wird der Abschwung auch dadurch, dass viele Griechen auf Reisen verzichten und im eigenen Land Urlaub machen.

von Gerd Höhler