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Deutschland / Welt Vier Steuerleute am Opel-Ruder
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21:59 10.09.2009
Von Stefan Winter
„Ein Meilenstein“: Carl-Peter Forster (rechts) und der Betriebsratsvorsitzende Klaus Franz sehen sich dem Ziel nahe.
„Ein Meilenstein“: Carl-Peter Forster (rechts) und der Betriebsratsvorsitzende Klaus Franz sehen sich dem Ziel nahe. Quelle: ddp
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Der deutsche Autobauer bleibe „voll integrierter Teil“ von GMs weltweiter Produktentwicklung.

Schon in den vergangenen Wochen hatten die Amerikaner klargemacht, dass sie sich bei Opel nicht ausbooten lassen. Einen kompletten Ausstieg hatten sie von vornherein ausgeschlossen, zuletzt spielten sie sogar mit dem Gedanken, den Verkauf der deutschen Tochter abzublasen. Europachef Carl-Peter Forster hatte die Öffentlichkeit schon auf diesen Beschluss vorbereitet und konnte a Donnerstag verkünden, dass es doch zu dem von ihm favorisierten Magna-Einstieg komme: „Ein Meilenstein“.

Damit werden bei Opel künftig vier höchst unterschiedliche Eigner ihre Interessen überein bringen müssen. GM hat am Donnerstag seinen Platz besetzt. Die Amerikaner wollen vor allem in der Entwicklung weiter eng mit Opel zusammenarbeiten. Die Deutschen galten schon bisher als technologische Stütze des Konzerns. Nicht umsonst haben sie die Führung beim Elektroauto Ampera, das für den gesamten GM-Konzern ein Schlüsselprojekt ist. Wer gemeinsam entwickelt, muss die Schwestermodelle auch gemeinsam bauen, wenn er sparen will - es wird also weiter in Teilen einen Produktionsverbund geben. Doch mehr als bisher wird man sich einigen müssen, wer welche Autos wo verkauft. Die Versuchung bei Opel ist groß, der einstigen Mutter Konkurrenz zu machen.

Am wenigsten ist kurioserweise über Ziele und Motive des zweiten Opel-Eigentümers Magna bekannt. Der Zulieferer baut auch in kleiner Serie Autos für andere Hersteller. Gründer Frank Stronach hat einmal die Vision von einem Autohersteller neuen Typs entwickelt. Neben der „Eigenmarke“ Opel will er Auftragsfertigung im großen Stil betreiben und anderen Herstellern flexibel Kapazität anbieten. Doch die potenziellen Kunden haben ihm bereits klargemacht, dass sie von der Doppelrolle als Zulieferer und Konkurrent nichts halten. Auch Magna ist allerdings an Opels Entwicklungskapazität interessiert, um zum Beispiel beim Hybridantrieb voranzukommen. Das Unternehmen schreibt derzeit Verlust und kann aus eigener Kraft nicht genug investieren. Auf Druck der Bundesregierung werden zusammen mit der Sberbank in mehreren Schritten 500 Millionen Euro Kapital bei Opel eingebracht.

An Geld mangelt es dem dritten Partner, der russischen Sberbank, dagegen nicht. Deren Chef German Gref soll vom Opel-Einstieg nicht sonderlich begeistert sein, doch er dient einer großen Mission: Magna und Opel sollen der russischen Autoindustrie, namentlich dem Hersteller Gaz, auf die Füße helfen. Den Rüsselsheimern bietet das die Chance auf einen riesigen Markt, Russland hat allerdings wenig Interesse daran, die Autos dafür in Deutschland zu bauen.Die Opel-Belegschaft, mit künftig 10 Prozent kleinster Gesellschafter, hofft trotzdem auf Absatzchancen im Osten und ausgelastete Werke im Westen. Magna will zwar alle Standorte erhalten, wird aber wohl rund 10.000 Stellen abbauen. Zu solchen Plänen wollte sich Opel-Betriebsratschef Klaus Franz am Donnerstag nicht äußern. Er stellte aber einen Sanierungsbeitrag der Arbeitnehmer von 1,65 Milliarden Euro in Aussicht. Dafür sollen sie die Anteile am Unternehmen bekommen. Die Mitarbeiter seien bereit, jährlich einen dreistelligen Millionenbetrag einzubringen.

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