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Deutschland / Welt Volkswagen legt Gespräch mit Porsche auf Eis
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Volkswagen legt Gespräch mit Porsche auf Eis
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19:33 17.05.2009
Hier geht's erstmal nicht weiter: Der Volkswagen-Konzern hat die Fusionsgespräche mit seinem Großaktionär Porsche bis auf weiteres unterbrochen. Quelle: Nigel Treblin/ddp
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In den Verhandlungen über eine Fusion der Autohersteller Volkswagen und Porsche halten die Verstimmungen an. Eine für Montag geplante Gesprächsrunde sagten die Wolfsburger ab. Man schließe sich damit einem Vorschlag des VW-Betriebsratschefs Bernd Osterloh an, sagt ein Konzernsprecher am Sonntag. Es gebe für „konkrete Gespräche derzeit keine konstruktive Atmosphäre“.

VW-Großaktionär Porsche solle nun intern klären, „was sie eigentlich wollen“. Die Stuttgarter teilten dagegen mit, dass lediglich der Termin am Montag abgesagt worden sei. Die Verhandlungen würden ganz normal weitergeführt. Folgetermine seien vereinbart, hieß es.

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Derweil zitiert die „Berliner Zeitung“ (Montagausgabe) aus einem Schreiben von VW-Chef Martin Winterkorn an die Führungskräfte: „Für ein Zusammengehen von Volkswagen und Porsche müssen wir die Ausgangslage systematisch analysieren und uns ein klares Bild über die tatsächlichen Verhältnisse bei Porsche machen.“ Zugleich verteidigte er die Absage des geplanten Arbeitstreffens. Man lasse sich „von niemandem zu überstürzten Handlungen verleiten“.

Wie aus Volkswagen-Kreisen verlautete, war der Sportwagenhersteller Ende März auf VW zugekommen und hatte um die Prüfung einer Übernahme gebeten. An dem Treffen in der niedersächsischen Staatskanzlei in Hannover nahmen den Angaben zufolge neben Winterkorn unter anderen VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piech, der Aufsichtsratsvorsitzende der Porsche Holding, Wolfgang Porsche, Porsche-Chef Wendelin Wiedeking sowie Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) teil. Hintergrund der Bitte seien Porsches massive finanzielle Probleme gewesen.

Porsche hält derzeit 51 Prozent an VW und hatte ursprünglich geplant, 75 Prozent und damit die volle Kontrolle über VW zu übernehmen. Dieser Plan hatte sich jedoch infolge der Finanzkrise und der Absatzkrise der Autohersteller als zu ehrgeizig entpuppt. Das Unternehmen aus Zuffenhausen soll unter einem Schuldenberg von rund neun Milliarden Euro ächzen, vor allem aufgrund der Optionsgeschäfte mit VW-Aktien.

Am Montag will einem Bericht des „Tagesspiegels“ (Montagausgabe) zufolge der Aufsichtsrat von Porsche über die Lage beraten. Auf wenig Gegenliebe stoße dabei in Niedersachsen ein Vorschlag von Wiedeking, den neuen Konzern nicht in Stuttgart, aber auch nicht am heutigen VW-Sitz Wolfsburg anzusiedeln. „Allein das Angebot, Volkswagen künftig von Hannover aus zu führen, zeugt von Unverständnis“, kommentierte ein Sprecher Wulffs die Offerte. Zugleich machte sich der Sprecher für Winterkorn als zukünftigem Konzernchef stark. „Er denkt und lebt VW - auch unter den besonderen Rahmenbedingungen, die für diesen Konzern gelten“, sagte er.

Laut „Spiegel“ wollten sich die beiden Porsche-Eigentümerfamilien Porsche und Piech eigentlich am Montag zu einer Aussprache treffen. Hintergrund sollen die jüngsten Äußerungen Piechs sein. Danach sei der Wert von Porsche in Höhe von elf Milliarden Euro „sicherlich ein paar Milliarden zu hoch gegriffen. ’Paar’ groß geschrieben“. Ob das Treffen nach dem Abbruch der Fusions-Verhandlungen stattfindet, ist einem VW-Sprecher zufolge unklar.

Unterdessen bemüht sich Porsche laut „Spiegel“ um Staatshilfen aus den Konjunkturprogrammen des Bundes. Demnach habe sich der Konzern bei der KfW-Bankengruppe nach den Konditionen für einen Staatskredit erkundigt. Das Stuttgarter Unternehmen wolle ein Darlehen in Höhe von rund einer Milliarde Euro. Ein Porsche-Sprecher sagte dazu, man gebe nicht bekannt, mit welchen Banken man rede.

ddp