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Deutschland / Welt Volkswagen umgarnt Lkw-Hersteller
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Volkswagen umgarnt Lkw-Hersteller
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18:19 04.05.2011
Von Stefan Winter
Das Unternehmen Volkswagen ist weiter auf der Überholspur. Quelle: dpa
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Volkswagen versucht die Widerstände bei Scania und MAN gegen einen Zusammenschluss abzubauen. „Alle Geschäftsfelder und die markenspezifischen Eigenschaften“ beider Unternehmen „bleiben unantastbar“, sagte der Vorstandsvorsitzende Martin Winterkorn am Dienstag auf der Hauptversammlung des Konzerns in Hamburg. Eine „Partnerschaft auf Augenhöhe“ biete große Chancen. Die beiden Lkw-Hersteller arbeiten seit Jahren ohne greifbare Erfolge an Gemeinschaftsprojekten. Als wesentliches Hindernis gilt die Sorge auf beiden Seiten, sich in einem Bündnis unterordnen zu müssen.

An Scania ist Volkswagen mit einer Mehrheit, an MAN mit knapp 30 Prozent beteiligt. Der Wolfsburger Konzern macht inzwischen kein Geheimnis mehr daraus, dass es mit Kooperationsversuchen allein nicht getan sein wird. Auch die Beteiligungsverhältnisse müssten sich ändern, wenn man die maximalen Synergien in diesem „hochinteressanten, strategischen Geschäftsfeld“ erreichen wolle, sagte Winterkorn. Als wahrscheinlichste Lösung gilt im Moment eine Übernahme von MAN durch Scania. Mit der Ansage, dass die Geschäfsfelder nicht angetastet werden, will Winterkorn den Münchenern offenbar die Sorge vor einer Zerschlagung nehmen.

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Details zu seinen Lkw-Plänen wollte der VW-Vorstand jedoch ebenso wenig nennen wie einen Zeitplan. Auf mehrere Nachfragen der Aktionäre wurden praktisch wortgleiche Stellungnahmen verlesen. In VW-Aufsichtsratskreisen wird allerdings erwartet, dass das Thema zum Jahresende wieder Schwung bekommen wird.

Das Lkw-Projekt bezeichnete Ulrich Hocker von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) als letzte große Baustelle des Konzerns neben den Verzögerungen bei der Porsche-Fusion. Beides konnte die Stimmung der rund 5000 versammelten Aktionäre aber nicht nachhaltig trüben. Als „Riesen von gewaltiger Kraft und Solidität“ bezeichnete Hocker den Konzern. Sein Kollege Hansgeorg Martius von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) bejubelte sogar „gigantisch gute Zahlen“.

Als einzige schlechte Zahl in der Volkswagen-Bilanz machten beide die Dividende aus. Die 2,20 Euro je Stammaktie und 2,26 Euro je Vorzugsaktie seien – obwohl gegenüber dem Vorjahr deutlich erhöht – zu wenig, sagten beide Aktionärsvertreter unter Beifall. Ihre Organisationen fordern die Ausschüttung des halben Gewinns an die Anteilseigner. Bei rund 15 Euro Gewinn je Aktie sei VW davon weit entfernt. Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch begründete die Zurückhaltung mit Kontinuität in der Dividendenpolitik. Man wolle nicht alle Ergebnisschwankungen nach oben oder unten voll an die Aktionäre durchreichen.

An der Börse war von der Begeisterung der Aktionäre gestern nicht so viel zu spüren. Im Zuge allgemeiner Gewinnmitnahmen gerieten auch die Autohersteller unter Druck. Die Vorzugsaktien von Volkswagen sanken zwischenzeitlich um 3,86 Prozent auf 129,55 Euro.

Winterkorn hatte zuvor vom zurückliegenden Rekordjahr des Konzerns berichtet und für 2011 „ein gutes Jahr für VW und für die Autoindustrie“ vorausgesagt. VW werde es Verbesserungen bei Absatz, Umsatz und operativem Gewinn bringen, erklärte der Konzernchef, den die Aktionäre mehrmals mit Applaus unterbrachen.

Es waren deutlich weniger Aktionäre als in früheren Jahren nach Hamburg gekommen, die großen Fonds meldeten sich überhaupt nicht zu Wort. Mit nahezu 100 Prozent der Stimmen wurden die schwedische Bankchefin Annika Falkengren und Khalifa Jassim al-Kuwari aus Katar in den Aufsichtsrat gewählt. Michael Gaul und Jürgen Großmann scheiden aus.