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Deutschland / Welt Von Krisenstimmung nichts zu spüren
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Von Krisenstimmung nichts zu spüren
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22:30 19.09.2011
Technik-Neuheiten für die metallbearbeitende Industrie: Die Aussteller auf der EMO und ihre Kunden haben meist volle Auftragsbücher. Quelle: Surrey
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Hannover

„Die Realwirtschaft läuft gut“, sagte der Chef des Bielefelder Werkzeugmaschinenherstellers Gildemeister, Rüdiger Kapitza, gestern auf der Metallbearbeitungsmesse EMO in Hannover, wo sich sein Unternehmen gemeinsam mit dem japanischen Kooperationspartner Mori Seiki mit 800 Mitarbeitern auf 7600 Quadratmetern Fläche präsentiert. „Die Kunden, die hier sind, haben volle Auftragsbücher.“ Die Schuldenkrise und die allgemeine Verunsicherung seien Gesprächsthemen und hinterließen in der Wirtschaft vermutlich „Kratzspuren“. Von Einbußen sei aber bisher nichts zu spüren. Die Situation sei mit der Lehman-Krise „nicht vergleichbar“.

Damals herrschte in der Wirtschaft Panik. Es kam zu einer Rezession, die auch der deutschen Werkzeugmaschinenindustrie arg zusetzte und zu einem Rückgang der Produktion um 28 Prozent im Jahr 2009 und 3 Prozent im vergangenen Jahr führte – so die Zahlen des Vereins Deutscher Werkzeugmaschinenfabriken (VDW), der die EMO veranstaltet. Solche Ängste gibt es diesmal offenbar nicht; im Gegenteil: Der Geschäftsführer des Biberacher Schleif- und Erodiermaschinenherstellers Vollmer, Stefan Brand, etwa rechnet nicht mit einem „Double-Dip“, also einer neuen Rezession.

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Die Aussteller erwarteten für die EMO einen „Ansturm“ der Kunden und Impulse für ihre Geschäfte im zweiten Halbjahr, sagte der VDW-Vorsitzende Martin Kapp. Zwar hält auch er es für wahrscheinlich, dass sich die Turbulenzen an den Finanzmärkten und die Euro-Schuldenkrise auf die Realwirtschaft auswirken werden. Beim Geschäftsklima gebe es einen „leichten Knick“. Und nach dem starken ersten Halbjahr würden die Wachstumsraten bei den Bestellungen schwächer. Die Branche sei jedoch robust und werde in diesem Jahr einen Zuwachs der Produktion um mindestens 30 Prozent erreichen.

In den ersten sieben Monaten 2011 erhöhten sich die Auftragseingänge der Werkzeugmaschinenbauer gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres um 91 Prozent auf den höchsten Wert, den die Branche jemals erzielt hat. Große Märkte wie China, USA, Russland, Frankreich und Italien legten mindestens zweistellig zu, erklärte der VDW. Die Exporte stiegen im ersten Halbjahr um mehr als ein Drittel. Obwohl die gesamte Konjunktur schwächer wird, erwartet die Werkzeugmaschinenbranche auch für das kommende Jahr weiteres Wachstum. Wichtige Abnehmer der Branche wie die Autoindustrie oder der Luftfahrtzeugbau planten viele „strategische Investitionen“ etwa in neue Märkte und Technologien. Das Produktionsplus werde 2012 wohl „im einstelligen Bereich“ liegen, meint Kapp. Auf etwas längere Sicht sind die Aussichten für die exportstarke deutsche Industrie ohnehin günstig, wie eine Untersuchung des Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers ergeben hat: Demnach wird sich bis 2015 die Nachfrage der größten Industrie- und Schwellenländer nach Werkzeugmaschinen gegenüber 2010 verdoppeln.

Dirk Stelzl