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Deutschland / Welt Vorstände der Deutschen Bank bespitzelt?
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Vorstände der Deutschen Bank bespitzelt?
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20:26 27.05.2009
Die Zentrale der Deutschen Bank in Frankfurt/Main Quelle: Martin Oeser/ddp
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In ansehnlicher Zeit rannte der ehemalige Bundeswehrsoldat die 1344 Stufen des Frankfurter Messeturms hinauf, wie die offizielle Ergebnisliste zeigt. Einem Bericht des „Handelsblatts“ zufolge ist der Angestellte indes wegen der Datenaffäre der Bank derzeit beurlaubt. „Er ist nicht da“, heißt es lapidar in einem Sekretariat.

Welche Rolle der Sicherheitschef in der Datenaffäre spielte, ist nicht bekannt. Mit seiner Rückkehr ins Unternehmen wird aber offenbar nicht gerechnet. Die Beurlaubung – offiziell nicht von der Bank bestätigt – ist ein weiterer Informationshappen, der im Zuge der Affäre an die Öffentlichkeit gelangt ist. Nach Informationen dieser Zeitung handelt es sich insgesamt um sieben Fälle, in denen es zu Bespitzelungen von Mitarbeitern gekommen sein soll. Mehrere Zeitungen berichteten, dass mindestens ein Vorstandsmitglied der Deutschen Bank zum Ziel einer Überwachung geworden sein soll. In den Jahren 2006 und 2007 sei demnach Hermann-Josef Lamberti betroffen gewesen, der bei Deutschlands größter Bank für das Tagesgeschäft und die Informationstechnologie zuständig ist.

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Ende vergangener Woche hatte die Deutsche Bank selbst den Stein in Sachen Datenaffäre ins Rollen gebracht. Sie teilte mit, dass die Unternehmensführung von „möglichen Verstößen in früheren Jahren gegen interne Vorgaben oder rechtliche Anforderungen“ der Sicherheitsabteilung erfahren habe. Es handele sich jedoch nur um wenige Verstöße. Kontendaten oder andere Kundeninformationen seien nicht betroffen. Eine Anwaltskanzlei sei mit einer unabhängigen Aufklärung beauftragt und die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) informiert worden. Die Behörde hatte daraufhin eine Sonderprüfung eingeleitet.

Auf der Hauptversammlung der Bank am Dienstag sagte Vorstandschef Josef Ackermann, er habe die Aufklärung zur Chefsache erklärt. „Ich habe mich selbst an die Spitze der Untersuchung gestellt“, so der 61-Jährige. Die Bank verfolge eine „Null-Toleranz-Politik“ bei Verstößen gegen den Datenschutz oder andere Regelwerke. Es deute derzeit vieles daraufhin, dass es sich „um einzelne, lange zurückliegende Verstöße“ handele. Einen Bericht muss die Bank bis übernächste Woche der hessischen Datenschutzbeauftragten vorlegen.

Sicherheitsexperten beobachten den Fall der Deutschen Bank genau. „Wenn tatsächlich ein Vorstand überwacht wurde, kommen nicht viele in Frage, die den Auftrag gegeben haben könnten“, so ein Experte für Konzernsicherheit. Dies könnten dann wohl nur der Vorstandsvorsitzende oder der Aufsichtsratschef gewesen sein.

Allerdings sei auch eine Möglichkeit, dass die Sicherheitsabteilung eigenmächtig und ohne Auftrag gehandelt habe. In jedem Fall sei anzunehmen, dass es einen Anfangsverdacht gegeben haben müsse, um Beobachtungen einzuleiten. „Unternehmen müssen bei Verdachtsfällen aktiv werden“, so der Branchenkenner. Dabei dürften natürlich keine rechtlichen Grenzen überschritten werden – dennoch komme dies immer wieder vor.

von Martin Dowideit