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Deutschland / Welt VW rechnet mit noch mehr Problemen durch Abgastest
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt VW rechnet mit noch mehr Problemen durch Abgastest
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18:28 08.07.2018
Drohen noch mehr Schließtage? Die Umstellung auf den Abgastest WLTP macht Volkswagen schwer zu schaffen. Quelle: Foto: dpa
Wolfsburg/Berlin

Der Autobauer Volkswagen rechnet wegen der Einführung des neuen Abgastests WLTP offenbar mit einer noch längeren Durststrecke als bisher angenommen. „Dieses Thema wird uns einige Monate beschäftigen, bis wir in den Werken wieder zu einer normalen Fahrweise kommen“, schrieb Vorstandschef Herbert Diess an die Mitarbeiter. Auch andere Autobauer ringen mit der komplexen Umstellung – zum Teil müssen ganze Modellreihen vorübergehend aus dem Programm genommen werden.

Um die durch das neue Testverfahren entstehenden Belastungen bewältigen zu können, stellt der Volkswagen-Konzern die Produktion in Wolfsburg nach den Werksferien vorübergehend auf eine Drei- bis Viertagewoche um. Bisher war davon die Rede, dass die Bänder im Stammwerk von Ende Juli bis Ende September an insgesamt zwölf Tagen komplett ruhen sollen.

„Zeit der Ungewissheit“

Der Grund: Das Unternehmen kommt mit der Zertifizierung verschiedener Modellvarianten nicht hinterher. Von September an muss jeder Neuwagen, der in der Europäischen Union verkauft werden soll, für eine Zulassung den neuen Abgastest WLTP durchlaufen.

„Die Kolleginnen und Kollegen in der Technischen Entwicklung und der Produktion arbeiten mit Hochdruck daran, die Auswirkungen im Rahmen zu halten“, heißt es in dem Schreiben von Diess. Zuvor hatte bereits Betriebsratschef Bernd Osterloh in einem Interview mit dieser Zeitung erklärt, dass dem Unternehmen nach dem Sommer eine „Zeit der Ungewissheit“ bevorstehe. Bei den geplanten Schließtagen in der Produktion habe man die Lasten der Mitarbeiter fair verteilen können – „aber absehbar ist leider auch, dass uns die WLTP-Probleme über das dritte Quartal hinaus begleiten werden“.

Autobauer fürchten US-Zölle

Auch etwa bei BMW hat die Einführung von WLTP gravierende Folgen. Die Münchner hatten bereits im März angekündigt, die Fertigung mehrerer Benziner-Modelle für den europäischen Markt zu stoppen, um sie an die neuen Verbrauchsmessungen anzupassen. Der 7er werde als Benziner in Europa sogar ein Jahr lang eingestellt, hieß es.

Sorgen bereitet der Autobranche auch der Zollstreit zwischen den Amerika und der Europäischen Union. US-Präsident Donald Trump hatte europäischen Autobauern und Zulieferern Einfuhrzölle von 20 Prozent angedroht. „Allein die diskutierten amerikanischen Schutzzölle könnten für die deutschen Hersteller Milliardeneinbußen zur Folge haben“, betonte VW-Chef Diess.

In der Debatte über die Stickoxid-Emissionen älterer Dieselautos und Nachrüstungen an der Abgas-Hardware bringt die FDP einen Fonds ins Gespräch. „Wo betrogen wurde, muss die Industrie zu 100 Prozent die Kosten einer Hardware-Nachrüstung tragen“, heißt es in einem Positionspapier der Bundestagsfraktion der Liberalen. Die FDP spricht sich aber dafür aus, die technische Umrüstung weiterer Dieselfahrzeuge finanziell zu unterstützen. Dafür könne – ähnlich wie bei der Förderung von Rußpartikelfiltern – ein Fonds eingeführt werden, an dessen Ausstattung sich dann auch die Industrie beteiligen solle.

Von Marco Engemann und Jan Petermann