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Deutschland / Welt Wachsende Lücken bei Betriebsrenten
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Wachsende Lücken bei Betriebsrenten
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09:25 28.10.2013
Von Albrecht Scheuermann
Das andauernde Rekordtief bei den Kapitalmarktzinsen belastet zunehmend auch die betriebliche Altersversorgung. Quelle: dpa
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Hannover

Unter dem Problem leiden die Unternehmen ebenso wie viele Arbeitnehmer, deren Ansprüche sinken. Die Experten des renommierten Kölner Beratungsunternehmens Heubeck AG haben berechnet, dass die Unternehmen ihre Pensionsrückstellungen um bis zu 30 Prozent aufstocken müssen, wenn die Tiefstszinsphase noch fünf Jahre oder länger anhält. Entsprechend groß wäre der Druck auf die Gewinne. „Die aktuelle Niedrigzinsphase stellt eine ernste Herausforderung für die betriebliche Altersversorgung dar“, heißt es.

Das Problem trifft zunächst alle Unternehmen, die feste Rentenzusagen – meist abhängig von der Dauer der Betriebszugehörigkeit und dem Gehalt – gegeben haben. Soweit sie solche Betriebsrenten aus der eigenen Kasse zahlen, müssen sie in der Bilanz Vorsorge treffen – in Form von Pensionsrückstellungen. Je niedriger der Marktzins, desto größer müssen diese sein, damit die in der Zukunft liegenden Rentenzahlungen abgesichert sind.

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Aber auch wenn die Unternehmen für die Betriebsrenten Beiträge an Pensionskassen oder Lebensversicherer zahlen, wachsen die Probleme, weil diese immer weniger Rendite erwirtschaften. „Geradezu dramatisch“ sei die Situation jedoch im Bereich der Entgeltumwandlung, warnen die Experten. Dabei stecken die Arbeitnehmer einen Teil ihres Lohns in den Aufbau der Betriebsrente – der Staat beteiligt sich durch Befreiung der Beiträge von Steuern und Sozialbeiträgen. „Durch die niedrigen Zinsen müssen Arbeitnehmer heute im Vergleich zur Situation vor zehn Jahren bei gleichem Beitrag drastische Leistungseinbußen hinnehmen.“

Zuvor hatten bereits andere Untersuchungen zu dem Ergebnis geführt, dass der Tiefstzins starken Druck auf die betrieblichen Altersversorgungsysteme ausübt. So warnte der Deutsche Industrie- und Handelskammertag vor einer Deckungslücke von über 4 Milliarden Euro bei den kleinen und mittleren Unternehmen. Bei ihnen sind allerdings Betriebsrenten-Zusagen viel seltener als bei Großunternehmen.

Allein für die 30 Dax-Unternehmen, die größten Aktienkonzerne in Deutschland, ermittelte die Unternehmensberatung Mercer zuletzt eine Deckungslücke von mehr als 100 Milliarden Euro. Den Pensionsverpflichtungen von 311 Milliarden stünden nur 193 Milliarden Euro an Pensionsvermögen gegenüber.

Heubeck-Vorstand Friedemann Lucius forderte die Politiker zum Umsteuern auf. Die Anreize in Form von Steuer- und Abgabenerleichterungen sollten verbessert werden. Außerdem verlangte er eine Rücknahme der Beitragspflicht von Betriebsrenten in der Krankenversicherung. Zudem sollte der Gesetzgeber die Verpflichtung der Versicherer zur Auszahlung von stillen Reserven lockern, zumal davon nur ältere Versicherte profitierten, jüngere dagegen benachteiligt würden.

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