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Deutschland / Welt Warnstreik der Piloten überrascht die TUIfly-Führung
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Warnstreik der Piloten überrascht die TUIfly-Führung
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19:50 13.12.2010
Quelle: dpa (Symbolbild)
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Die Piloten haben Sie mit ihrem Warnstreik in der vergangenen Woche kalt erwischt. Welchen Spielraum sehen Sie für die Tarifverhandlungen?
Nirschl: Wir müssen im Markt bestehen und profitables Wachstum erzielen, das allein ist entscheidend. Zwar belegen die TUI-Veranstalter rund zwei Drittel unserer Sitzplätze. Doch dafür gibt es keine Garantie. Wenn wir zu teuer sind, buchen auch unsere Konzernveranstalter bei Konkurrenten.
Keppler: Das wollen wir natürlich verhindern. Um wettbewerbsfähiger zu werden, müssen wir daher unsere Kostenstrukturen um rund 45 Millionen Euro verbessern. Das gilt für alle Bereiche, auch den Flugbetrieb. Unser Cockpitpersonal gehört nach der Lufthansa zu den Topverdienern der Branche. Deshalb ist es nicht nachvollziehbar, dass die Vereinigung Cockpit nun veränderte Arbeitsbedingungen fordert, die unsere Personalkosten um circa 20 Prozent nach oben treiben würden.

Wie wird der Konzern nun reagieren, am Dienstag soll es ja weitere Gespräche geben?
Nirschl: Wir müssen uns auf eine harte Auseinandersetzung einstellen. Mit weiteren Streiks ist leider zu rechnen, falls nicht rasch wieder Vernunft einkehrt. Würden wir die Forderungen erfüllen, brächte das einen gewaltigen Kostenschub, was wiederum unsere Wettbewerbsfähigkeit dramatisch senken würde – mit entsprechenden Folgen für Umsatz und Arbeitsplätze.
Keppler: Die Piloten schneiden sich mit diesen hohen Forderungen letztlich ins eigene Fleisch. Der kurzfristige Erfolg noch höherer Gehälter, den man letztlich erstreiken kann, würde auf längere Sicht teuer bezahlt. Denn für mehr Wachstum und Arbeitsplätze brauchen wir geringere, nicht noch höhere Kosten. Sonst wird unser Sinkflug anhalten und sich womöglich noch verschärfen. Es gibt keine Bestandsgarantie für TUIfly.

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Mit den niedrigen Kosten eines türkischen Charterfliegers werden Sie aber bei allen Kostensenkungen nicht mithalten können…
Nirschl: Das stimmt natürlich, aber allein am Preis kann man den Vergleich gewiss nicht festmachen. Solche Charterflieger kommen und gehen. Anders als TUIfly bieten sie weder konstant hohe Qualität noch die Zuverlässigkeit einer Fluggesellschaft, die unter der angesehenen Marke des weltgrößten Reiseveranstalters fliegt.
Keppler: Bei unseren internen Abläufen gibt es zudem noch erhebliche Möglichkeiten zur Kostenoptimierung. Die Flugzeugwartung wird verschlankt, das wird die Effizienz entscheidend verbessern. Wartungsaufträge, die wir bisher an Dritte vergeben haben, können wir dadurch wieder selbst erledigen und zudem zusätzlich Fremdaufträge annehmen. Das verbessert die Auslastung und sichert die mehr als 300 Arbeitsplätze im technischen Bereich. Der Betriebsrat und die Gewerkschaft ver.di unterstützen die Maßnahmen.

TUIfly hat einen Schrumpfkurs hinter sich. Zuletzt wurden die defizitären Städteverbindungen an Air Berlin abgegeben. Zuvor scheiterten mehrere Fusionsversuche mit Konkurrenten. Wie sehen Sie die weitere Entwicklung?
Nirschl: Wenn wir das Kostenproblem in den Griff bekommen, hat TUIfly sehr gute Perspektiven. In unserer Mannschaft steckt enormer Teamgeist und große Leistungsbereitschaft, das ist jeden Tag überall zu spüren. In Airline-Bewertungen liegen wir regelmäßig ganz weit vorne. Das ist eine gute Basis, auf die man bauen kann.
Keppler: Es wird höchste Zeit, dass wir die vielen Turbulenzen der Vergangenheit vergessen und wieder nach vorne blicken. Statt mit internen Problemen und Streitigkeiten müssen wir uns wieder viel mehr mit unseren Kunden beschäftigen.

Interview: Thomas Wüpper