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Deutschland / Welt Warnstreiks bei Deutscher Bahn und Lufthansa
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Warnstreiks bei Deutscher Bahn und Lufthansa
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15:00 28.01.2009
Stillstand: Gewerkschaften haben zu mehrstündigen Warnstreiks bei der Deutschen Bahn aufgerufen. Quelle: Michael Gottschalk / ddp
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Die Rede war von Köln, Düsseldorf, Bremen, Hamburg, Berlin, Saalfeld, Magdeburg, Nürnberg und München. Di Arbeitsniederlegungen sollen am Donnerstagmorgen um 4.30 Uhr beginnen und am „späten Vormittag“ beendet sein. „Wir gehen davon aus, dass sich mehrere Hundert Kolleginnen und Kollegen aus unterschiedlichen Beschäftigtengruppen an den Warnstreiks beteiligen“, kündigten die stellvertretende Transnet-Vorsitzende Regina Rusch-Ziemba und GDBA-Vize Heinz Fuhrmann an. Es müsse mit „spürbaren Auswirkungen“ auf den Zugverkehr gerechnet werden.

„Wir wollen den Schienenverkehr, auch mit Rücksicht auf die Bahnkunden, nicht vollständig lahm legen“, sagten die Gewerkschafter. Es gehe bei der Aktion zunächst um ein „Warnsignal an die Arbeitgeberseite“. Es sei möglicherweise vonnöten, „steigerungsfähig“ zu sein, hieß es weiter.

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Hintergrund für den Warnstreik ist die bisher ergebnislose laufende Tarifrunde, in der die Gewerkschaften mit dem ehemaligen Transnet-Chef Norbert Hansen auf Seiten der Deutschen Bahn verhandeln. Streit gibt es sowohl um die Arbeitszeit als auch um Entgelte. Transnet und GDBA fordern für rund 130 000 Beschäftigte zehn Prozent mehr Geld und mindestens zwölf freie Wochenenden pro Jahr. Die Arbeitgeberseite habe bislang kein akzeptables Angebot gemacht, bemängeln sie. Bei den Entgelten lag die Offerte des Arbeitgebers vor den jüngsten Gesprächen noch bei einem Prozent Inflationsausgleich und Einmalzahlungen.

Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) beteiligt sich indes nicht an dem Streikaufruf. Für sie gehen die separaten Tarifverhandlungen für etwa 12 000 Lokführer erst am Freitag in die dritte Runde. Auch sie fordern bessere Arbeitszeiten, wollen anders als Transnet und GDBA aber nur 6,5 Prozent höhere Entgelte.

Die Deutsche Bahn hält die Arbeitsniederlegungen für „unangemessen“, hat sich aber bereits vorbereitet. Reisende können sich über mögliche Behinderungen über das Internetportal bahn.de/aktuell und über die kostenlose Telefon-Hotline 08000 99 66 33 rund um die Uhr informieren, teilte die Deutsche Bahn mit.

Zusätzlich biete die Bahn Kulanzregelungen an. So könne der Reisende bei Zugausfall oder verpasstem Anschluss mit dem nächsten - auch höherwertigen - Zug weiterfahren. Bei zuggebundenen Angeboten werde die Zugbindung aufgehoben, das heißt Inhaber von Sparpreis-, Dauer-Spezial-, Europa-Spezial- oder Gruppen-Fahrkarten könnten die nächstmögliche Verbindung (früher oder später) nutzen.

Fahrgäste, die aufgrund streikbedingter Zugausfälle oder Verspätungen ihre Reise nicht antreten konnten, hätten bis 15. Februar die Möglichkeit zur kostenlosen Erstattung von Tickets und Reservierungen. Die Bahn erstatte auch Fahrkarten wie das Dauer-Spezial, Länder-Tickets und das Schönes-Wochenende-Ticket, die sonst nicht zurückgegeben werden können. DB-Zeitkarten würden anteilig erstattet, wenn der Geltungsbereich der Fahrkarte sowie der Reisetag direkt betroffen sind.

Wegen eines erneuten Warnstreiks des Kabinenpersonals bei der Lufthansa fielen am Mittwochmorgen von Hannover zwei Flüge nach Frankfurt und einer nach München aus. Auch in Bremen waren zwei Verbindungen nach Frankfurt betroffen.

Die Gewerkschaft Unabhängige Flugbegleiter Organisation (UFO) hatte ihre Mitglieder für Mittwoch auch zu Arbeitsniederlegungen in Frankfurt am Main und Berlin-Tegel aufgerufen. Wie der Leiter Tarifpolitik Joachim Müller auf ddp-Anfrage sagte, begann der Arbeitskampf wie angekündigt um 6.00 Uhr.

Im Laufe des Vormittags führte der Warnstreik zu 80 Flugausfällen. Es seien rund 80 von 240 geplanten Flügen gestrichen worden, sagte Lufthansa-Sprecher Peter Schneckenleitner auf ddp-Anfrage. Von den Ausfällen seien vor allem Flüge von und nach Frankfurt am Main und Berlin-Tegel betroffen gewesen. Laut dem Leiter Tarifpolitik bei UFO, Joachim Müller, beteiligten sich an dem Streik von 6.00 bis 12.00 Uhr rund 1000 Mitarbeiter. Falls Lufthansa im Tarifstreit nicht ein nachgebessertes Angebot vorlege, werde es weitere Arbeitsniederlegungen geben.

Schneckenleitner zufolge fliegt Lufthansa an einem Mittwoch etwa 2000 Flüge. Es habe durch den Warnstreik keine Streichungen bei Langstreckenflügen gegeben, lediglich Verspätungen. Bei Ausfällen seien Kunden auf andere Flüge umgebucht worden oder innerhalb Deutschlands mit der Deutschen Bahn gefahren. Wie viele Passagiere von den Ausfällen betroffen waren, wollte die Lufthansa nicht sagen.

Der Unternehmenssprecher betonte, dass die Arbeitskampfmaßnahmen „unverhältnismäßig und unnötig“ waren. Lufthansa bedauere, dass der Konflikt auf dem Rücken der Kunden ausgetragen werde und fordere UFO auf, an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Sie hätten bereits signalisiert, dass sie sich bewegen könnten, sagte er. Hierüber könnte aber nur in Verhandlungen gesprochen werden.  „Bei mir hat noch keiner angerufen“, betonte indes Müller von der Gewerkschaft Unabhängige Flugbegleiter Organisation (UFO).

Am Freitag hatten die Flugbegleiter erstmals in der Auseinandersetzung für drei Stunden in Frankfurt ihre Arbeit niedergelegt. Es war der erste Streik in der Geschichte der Gewerkschaft, die sich 1992 von den Vorläuferorganisationen der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di abgespaltet hatte. Die größte deutsche Fluggesellschaft musste daraufhin 44 Flüge streichen.

Die Gewerkschaft UFO, die nach eigenen Angaben einen Organisationsgrand von 70 Prozent hat, fordert für rund 16 000 Kabinenbeschäftigte bessere Arbeitsbedingungen und Gehaltserhöhungen von rund 15 Prozent. Die Lufthansa bietet aktuell nach eigenen Angaben inklusive einer Ergebnisbeteiligung bis zu zehn Prozent mehr Geld. 

ddp