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21:32 09.01.2015
Von Albrecht Scheuermann
Sollte in Athen die Syriza an die Macht kommen und den Sparkurs beenden, würde das Land bald in Zahlungsschwierigkeiten geraten.
Sollte in Athen die Syriza an die Macht kommen und den Sparkurs beenden, würde das Land bald in Zahlungsschwierigkeiten geraten. Quelle: Orestis Panagiotou
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Ist eine mögliche neue Griechenland-Krise eine Gefahr für die gesamte Euro-Zone? Auf diese Frage geben Politiker und Ökonomen meist beruhigende Antworten. Schließlich sei die Situation heute ganz anders als 2010. Damals hatte die Finanzmisere in dem südosteuropäischen Land die ganze Währungsunion ins Wanken gebracht. Doch was genau passiert, wenn Griechenland erneut wackelt, weiß niemand so genau. Aussagen, dass ein Austritt aus der Währungsunion, der sogenannte Grexit, verkraftbar wäre, sind mutig. Es ist nicht absehbar, wie die Märkte auf solch ein Ereignis reagieren würden.

Die meisten Experten sind sich gleichwohl einig, dass die Entwicklung in dem kleinen, allerdings hoch verschuldeten Griechenland zu unbedeutend ist, um noch einmal eine schwere Finanzkrise auszulösen. Auch an den Märkten ist die Reaktion auf die politische Entwicklung in dem Land bislang verhalten. Der mögliche Wahlsieg des Linksbündnisses Syriza ließ nur in Griechenland selbst Aktien- und Anleihenkurse abrutschen. Dagegen blieben die Staatsanleihen der anderen Schuldenländer Italien, Spanien und Portugal einigermaßen stabil - was darauf hindeutet, dass keine neue Zuspitzung der Krise befürchtet wird.

Banken sind deutlich robuster

Schließlich hat sich in der Euro-Zone inzwischen viel getan. So haben die am meisten betroffenen Länder allesamt Reformen eingeleitet - wenn auch in unterschiedlichem Ausmaß. Mit dem ESM wurde ein Rettungssystem installiert, das im Notfall mehr als eine Billion Euro zur Stabilisierung von angeschlagenen Ländern mobilisieren kann. Die Banken sind durch die Zufuhr von frischem Kapital und die Konsolidierung der Bilanzen heute in der Regel deutlich robuster als vor einigen Jahren.

Sollte in Athen die Syriza an die Macht kommen und den Sparkurs beenden, würde das Land bald in Zahlungsschwierigkeiten geraten. Das Land erwirtschaftet inzwischen zwar einen „Primärüberschuss“, aber für Zins- und Tilgungszahlungen reichen die Steuereinnahmen bei Weitem nicht aus. Damit käme das Land unweigerlich mit seinem Schuldendienst in Verzug - eine Staatsinsolvenz wäre eine mögliche Folge.

Ansteckungsgefahr ist kaum abzuschätzen

Die unmittelbaren Konsequenzen einer griechischen Staatspleite wären heute zweifellos weniger gravierend als noch vor zwei oder drei Jahren. Zwar sind die Schulden des Landes weiter gestiegen, aber bei den Gläubigern hat sich viel geändert. Anders als früher dominieren jetzt öffentliche Kreditgeber wie die Europäische Zentralbank, der Rettungsfonds der Euro-Zone, die Europäische Union und der IWF. Dagegen haben sich Europas Banken weitgehend aus dem Land zurückgezogen, auch die Versicherer haben kaum noch Geld in griechische Anleihen investiert. Folglich würde sie eine neue Finanzklemme des Landes kaum treffen - die Stabilität des Finanzsystems wäre nicht bedroht.

Was freilich überhaupt nicht abgeschätzt werden kann, ist die Ansteckungsgefahr einer solchen Entwicklung. Wenn die Griechen wieder mehr Geld ausgeben, könnten auch andere Länder auf den Geschmack kommen, die unter dem Sparkurs stark leiden - allen voran Spanien und Portugal, ebenso Italien. Sollten dort ebenfalls oppositionelle Parteien an die Macht kommen, die sich von den Fesseln der Sparpolitik befreien wollen, droht der gesamten Politik der Euro-Rettung mindestens ein schwerer Rückschlag, im schlimmsten Fall sogar das Aus. Deshalb warten die Investoren mit Spannung auf die Wahlen in Griechenland am 25. Januar - und das, was dann folgt.

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