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Deutschland / Welt Was Sie zur Lebensversicherung wissen müssen
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21:30 04.06.2014
Von Albrecht Scheuermann
Ist auf die geplante Altersversorgung Verlass? Nicht jede alte Modellrechnung geht noch auf. Foto:dpa Quelle: Felix Kästle
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Hannover

Die Bundesregierung hat am Mittwoch die Lebensversicherungs-Reform auf den Weg gebracht. Sie enthält eine Reihe von Neuregelungen, die sich auf Unternehmen, Kunden und Aktionäre auswirken. Ziel ist es, die Branche zu stabilisieren. Die Versicherer sollen damit auch langfristig in der Lage bleiben, ihre Verpflichtungen zu erfüllen. Hier ein Überblick über die wichtigsten Änderungen, und was sie für die Kunden bedeuten.

Warum ist überhaupt eine Reform notwendig?

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Die wichtigste Begründung ist die seit Jahren dauernde Niedrigzinsphase am Kapitalmarkt. Die Lebensversicherer verdienen deshalb immer weniger Geld mit ihren Kapitalanlagen, müssen jedoch ihre zugesagten Leistungen noch nach Jahrzehnten erfüllen können. Die durchschnittliche Garantieverzinsung für kapitalbildende Lebensversicherungen liegt noch bei 3,2 Prozent, dagegen werfen sichere Anlagen wie Bundesanleihen nicht einmal 1,5 Prozent Zinsen ab. Dies ist derzeit für die Unternehmen zwar noch kein Problem, könnte jedoch eines werden, wenn die Niedrigzinsen noch lange andauern.

Was ändert sich bei bestehenden Lebens- und Rentenversicherungsverträgen?

Das hängt vor allem davon ab, wie lange die Verträge noch laufen. Bislang müssen die Versicherer die Wertgewinne auf Wertpapiere und Immobilien bei Vertragsende mindestens zur Hälfte ausschütten. Dies soll nun eingeschränkt werden, soweit es sich um festverzinsliche Papiere handelt. Hier gilt die Ausschüttungsverpflichtung künftig nur noch, sofern die Finanzierung der Garantien für noch lang laufende Verträge abgesichert ist. Die Neuregelung führt zu niedrigeren Ausschüttungen für bald ablaufende Verträge, während Verträge mit noch langer Laufzeit besser gestellt werden. Es kann sich allerdings jetzt für manche Kunden lohnen, ihren Vertrag zu kündigen, bevor die Neuregelung in Kraft tritt. Schließlich gilt auch bei vorzeitigem Ausstieg noch die alte Regelung, bis das Gesetz in Kraft tritt. Allerdings muss der Kunde beim sogenannten Rückkauf auch Einbußen in Kauf nehmen, weil dann die Überschussbeteiligung gekürzt wird. Deshalb muss man in jedem Einzelfall anhand des konkreten Rückkaufswertes nachrechnen, ob sich der Ausstieg lohnt. Zudem stellt sich dann die Frage der Wiederanlage. Bei den Banken bekommt man derzeit fast keine Zinsen für Einlagen.

Lohnt es sich noch, neue Verträge abzuschließen?

Manche Verbraucherschützer raten grundsätzlich vom Abschluss einer Lebens- beziehungsweise Rentenversicherung ab, sofern es sich nicht um einen staatlich geförderten Riester-Vertrag handelt. Doch das ist auch Ansichtssache. Tatsache ist, dass durch die Verringerung des Garantiezinses von 1,75 auf 1,25 Prozent diese Form der Altersvorsorge an Attraktivität verliert. Allerdings gehört zum Gesamtertrag neben der garantierten Leistung auch die darüber hinausgehende Überschussbeteiligung. Sinkt der Garantiezins, erhöht sich dieser Anteil - sofern der Versicherer an seiner Kapitalanlage nichts ändert. Positiv für die Neukunden ist, dass ihnen künftig ein größerer Teil der sogenannten Risikogewinne gutgeschrieben wird.

Was ändert sich noch für Verbraucher?

Sie sollen genauer erfahren, wie ihre Prämien verwendet werden. Künftig müssen die Versicherungsvermittler ihren Kunden vor dem Abschluss eines Versicherungsvertrags die Höhe ihrer Provision in Euro und Cent vollständig offenlegen. Zudem müssen in Zukunft die Verwaltungskosten als Anteil der Jahresprämie gesondert ausgewiesen werden.

Was ändert sich für Aktionäre von Versicherungsgesellschaften?

Sie müssen damit rechnen, dass sie keine oder eine geringere Dividende bekommen. Der Bilanzgewinn darf nicht ausgeschüttet werden, solange er zur Sicherstellung der Garantien der Versicherungsverträge im Unternehmen gehalten werden muss.

Stefan Winter 04.06.2014
04.06.2014
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