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Deutschland / Welt Was sind "gedeckte" und "ungedeckte" Leerverkäufe?
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Was sind "gedeckte" und "ungedeckte" Leerverkäufe?
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01:32 24.11.2011
Die Euro-Schuldenkrise wirft viele Fragen auf, vor allem über Verkäufe an der Börse. Quelle: dpa (Symbolfoto)
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Hannover

Bis zum Ausbruch der Finanzmarktkrise war der Begriff Leerverkäufe eigentlich nur Börsenexperten geläufig. Inzwischen ist der Unmut über solche hoch spekulative Geschäfte an den Finanzmärkten fester Bestandteil politischer Debatten.

Dabei werden Leerverkäufe meist gleichgesetzt mit „Zockerei“. Sie gelten als „Brandbeschleuniger“ in Zeiten von Börsenturbulenzen. In Deutschland wurden die Regelungen für Leerverkäufe in den vergangenen Jahren bereits verschärft.

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Bei Leerverkäufen spekuliert ein Investor auf fallende Kurse von Aktien oder Anleihen. Er leiht sich von einem anderen Anleger gegen ein Entgelt Wertpapiere und veräußert sie an der Börse weiter. Kurz vor Ablauf der Leihfrist muss er dann Wertpapiere am Markt erwerben, um sie dem Verleiher zurückgeben zu können. Ist in der Zwischenzeit der Kurs – wie erwartet – gefallen, deckt er sich günstiger ein und erzielt den erhofften Gewinn.

Bei „ungedeckten Leerverkäufen“ hat sich der Investor die verkauften Wertpapiere nicht einmal geliehen. Zu dem Zeitpunkt, an dem er sie liefern muss, kann er nicht auf geborgte Papiere zurückgreifen. Um seine Verpflichtung erfüllen zu können, muss er stattdessen vor dem Liefertermin Wertpapiere am Markt kaufen – in der Hoffnung, dass der Preis dann günstiger ist als vorher.

Seit Juli 2010 sind in Deutschland „ungedeckte“ Leerverkäufe von Aktien und Anleihen von Euro-Staaten zum großen Teil verboten. Bei Aktien einiger großer Finanzunternehmen müssen Leerverkäufe gemeldet werden, sobald bestimmte Größenordnungen überschritten werden.

Nach Ansicht von Spekulanten werden Leerverkäufe zu Unrecht verteufelt. Schließlich seien sie nicht die Ursache der den Kursrückgängen zugrundeliegenden Probleme. Allerdings werden durch die spekulativen Geschäfte Marktverwerfungen und die damit verbundene Unsicherheit noch verschärft. Heikel ist besonders, wenn finanzstarke Großinvestoren ihren Marktmacht ausnutzen, um mit Leerverkäufen Kurse zu beeinflussen und an Preisschwankungen zu verdienen.

Dirk Stenzel beantwortete die Frage von Karlheinz Narten aus Hannover. Sie haben auch eine Frage? Schicken Sie Ihre Frage bitte mit dem Betreff "Wirtschaftsfragen" per E-Mail an: wirtschaft@haz.de, per Fax an (0511) 518 28 32, per Post an Hannoversche Allgemeine Zeitung, Wirtschaftsredaktion, 30148 Hannover.

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