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Deutschland / Welt Weber: Krise stärker als erwartet
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Weber: Krise stärker als erwartet
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19:42 10.03.2009
Bundesbank-Präsident Axel Weber sieht noch keine Anzeichen für eine Wende zum Besseren. Quelle: Thomas Lohnes/ddp
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Das sagte der Bundesbank-Präsident auf der Jahrespressekonferenz am Dienstag in Frankfurt. Sie könnten aber beitragen, die Folgen der Rezession zu mildern. Er gehe davon aus, dass die Realwirtschaft stärker und länger von der Vertrauenskrise betroffen sein werde als erwartet.

Deutschland als Exportweltmeister leide unter dem weltweiten Konjunkturrückgang besonders, ein deutlicher Anstieg der Arbeitslosigkeit sei daher nicht auszuschließen. Mehr Aussicht auf Erfolg als die Konjunkturprogramme versprechen nach Webers Ansicht die geld- und finanzpolitischen Maßnahmen. Der Bundesbank-Präsident, der auch im Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) sitzt, machte deutlich, dass er durchaus noch Spielraum für weitere Zinssenkungen sehe. Dabei sehe er allerdings einen Leitzins von einem Prozent als Untergrenze an, betonte Weber.

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Über die Steuerung des Leitzinses hinaus denke man über alternative geldpolitische Maßnahmen nach. Grundsätzlich sehe er aber keine Kreditklemme in Deutschland. Vorrangige Aufgabe sei es jetzt, die Stabilität des Finanzsystems wieder vollends herzustellen. Dazu werde auch die Bundesbank im Mai einen eigenen Zentralbereich gründen, in dem künftig die Risiken beobachtet, analysiert und bewertet werden sollten.

Die Inflation, die noch im vergangenen Sommer auf Rekordwerte geklettert war, ist nach Webers Ansicht auf absehbare Zeit kein Problem. Sie werde in diesem Jahr bei praktisch null Prozent liegen und 2010 maximal auf Werte um ein Prozent klettern. Die EZB werde Sorge dafür tragen, dass ihre Liquiditätsspritzen für den Geldmarkt nicht auf mittlere und längere Sicht zu einem starken Teuerungsdruck führen würden, versicherte der Bundesbank-Chef. Deshalb sei es geboten, den Leitzins wieder anzuheben, sobald sich die Wirtschaft zu erholen beginne.

Die staatlichen Maßnahmen werden nach Webers Einschätzung dazu führen, dass die Belastungsgrenze der öffentlichen Haushalte in diesem Jahr erreicht werde. Es sei mit einem starken Anstieg des Staatsdefizits zu rechnen. Die knapp 6,3 Milliarden Euro, die die Bundesbank als Gewinn an den Finanzminister überwiesen hat, sind dabei nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Allerdings sind es immerhin gut 2 Milliarden Euro mehr als vor einem Jahr.

Weber führte dies auf deutlich höhere Euro-Zinserträge zurück, die die ebenfalls nötige Aufstockung der Risikovorsorge mehr als ausgeglichen hätten. Zudem habe man keine Abschreibungen auf Devisen oder Wertpapiere vornehmen müssen. Für die Lehman-Pleite und vier andere Bankhäuser habe man aber Rückstellungen von insgesamt 1,7 Milliarden Euro bilden müssen, erklärte Vorstandsmitglied Hans Georg Fabritius.

von Klaus Dieter Oehler