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Deutschland / Welt Weltbank in Sorge um China
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21:25 27.02.2012
„China 2030“: Damit die Jugend des Landes eine Zukunft hat, sind weitere Reformen nötig. Quelle: dpa
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Peking

Dabei gab er offenbar einen Einblick ins Denken der künftigen chinesischen Führung, die im Herbst antreten soll: Der Bericht ist dem Vernehmen nach mit Unterstützung des designierten Staats- und Parteichefs Xi Jinping und des künftigen Premiers Li Keqiang entstanden, beteiligt war auch das Zentrum für Entwicklungsforschung der Regierung.

Der Bericht, der eine Woche vor dem jährlichen nationalen Volkskongress veröffentlicht wurde, werfe „ernste Fragen“ auf, sagte Zoellick: „China hat einen Wendepunkt in seiner Entwicklung erreicht und braucht neue Reformen.“ Das Land könne sich künftig nicht mehr auf sein hohes Wachstum verlassen. Vor allem die Exportwirtschaft und der Bauboom sorgten drei Jahrzehnte lang für neue Jobs und jährliche Expansionsraten von rund 10 Prozent. Doch diese Dynamik kann die Wirtschaft nicht mehr lange antreiben und in den kommenden 20 Jahren werde China lernen müssen, mit Wachstumsraten von 5 bis 6 Prozent auszukommen, warnen die Autoren.

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Damit das gelinge, seien diverse Reformen nötig. So müsse die Regierung den Privatsektor stärken und ihre aktive Rolle in vielen Branchen aufgeben. Zudem sollte China seine Märkte weiter öffnen, vor allem im Bereich der Forschung, wo die Volksrepublik bisher durch Marktabschottung und schlechten Patentschutz den Wettbewerb behindert und den Fortschritt bremst.

Das Land müsse sich den ökologischen Herausforderungen stellen und auf sogenannte „grüne Technologien“ setzen, und China brauche ein Sozialsystem, um die gewaltigen Unterschiede zwischen Arm und Reich abzubauen. Außerdem fordern die Autoren eine Reform der Staatsfinanzen und eine aktivere Rolle Chinas in der Weltpolitik. Die Zinsen sollten nach marktwirtschaftlichen Grundsätzen liberalisiert werden. Angesichts von Chinas wachsendem Gewicht im Welthandel und seiner Rolle als größter Kreditgeber der Welt sei eine Internationalisierung der chinesischen Währung unausweichlich, heißt es weiter.

Die Vorschläge decken sich in vielfacher Hinsicht mit Forderungen, die in chinesischen Denkfabriken kursieren. Doch während der Reformbedarf in Peking weitgehend unbestritten ist, bevorzugt die Staats- und Parteiführung bisher Änderungen in kleinen Schritten – aus Angst, sonst die Kontrolle zu verlieren.

Bernhard Bartsch