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Deutschland / Welt Wenn die Gesundheit zu kurz kommt
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06:46 17.03.2015
Von Carola Böse-Fischer
Im Teufelskreis gefangen: Wer die Arbeit nicht mehr schafft, wird krank. Unternehmen brauchen Konzepte gegen Überforderung, meint die Bertelsmann-Stiftung.
Im Teufelskreis gefangen: Wer die Arbeit nicht mehr schafft, wird krank. Unternehmen brauchen Konzepte gegen Überforderung, meint die Bertelsmann-Stiftung. Quelle: dpa
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Der Grund: Der hohe Leistungsdruck verleite viele zu einem fahrlässigen Umgang mit ihrer Gesundheit. Für die repräsentative Untersuchung wurden rund 1000 Erwerbstätige befragt.
Knapp ein Viertel der Beschäftigten, die Vollzeit arbeiten, legt den Ergebnissen des jüngsten Gesundheitsmonitors zufolge ein zu hohes Arbeitstempo vor. Die Befragten glaubten selbst nicht, dass sie das auf Dauer durchhalten könnten. Fast ein Fünftel kommt der Studie zufolge oft an die Grenzen der eigenen Leistungsfähigkeit, 23 Prozent verzichteten auf Pausen. Jeder Achte komme sogar krank zur Arbeit.

„Damit wächst bei vielen die Gefahr, dass sie sich gesundheitlich selbst gefährden“ – so lautet die Schlussfolgerung der Studie. Das äußere sich neben dem Verzicht auf Erholung im „übermäßigen Konsum von scheinbar die Leistung steigernden Substanzen“ wie Nikotin oder Medikamenten, schreiben die Autoren. Und es zeige sich auch daran, dass Sicherheits-, Schutz- und Qualitätsstandards unterlaufen würden.

Ursache für das selbstgefährdende Verhalten sind die permanent wachsenden Anforderungen im Betrieb – das gaben immerhin 42 Prozent der befragten Beschäftigten an. Jeder Dritte weiß der Studie zufolge nicht mehr, wie er die wachsenden Ansprüche seines Arbeitgebers bewältigen soll. Überforderung sei die Folge, heißt es. Würden die erhöhten Vorgaben dennoch erfüllt, gelte die mit Mühe übersprungene Messlatte umgehend als neuer Standard.

Dass er diesem Teufelskreis selbst entrinnen kann, glaubt nach der Untersuchung nur jeder zweite Arbeitnehmer. 51 Prozent sind der Meinung, keinen oder einen geringen Einfluss auf ihre Arbeitsmenge zu haben, mehr als zwei Fünftel sagen das Gleiche über die ihnen vorgegebenen Arbeitsziele.

Angesichts der eindeutigen Ergebnisse der Untersuchung sieht Brigitte Mohn, Vorstand der Bertelsmann-Stiftung, vor allem die Unternehmen in der Pflicht, etwas zu ändern. „Das Management kann die Leistungskultur maßgeblich beeinflussen und durch realistische Arbeitsziele ein gesünderes Arbeitsumfeld schaffen.“ Auch die Barmer GEK fordert ein stärkeres Engagement der Firmen. „Wir brauchen in erster Linie keine neuen Rechtsvorschriften“, erklärt Kassenchef Christoph Straub, „wir brauchen in Unternehmen eine Kultur, die Gesundheit als Voraussetzung für wirtschaftlichen Erfolg anerkennt und fördert.“

Nach Ansicht der Autoren der Studie kann die Selbstgefährdung der Gesundheit durch verbindliche Zielvereinbarungsgespräche der Beschäftigten mit dem Arbeitgeber verringert werden – wenn die vereinbarten Ziele in der vertraglichen Arbeitszeit erreichbar seien.

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