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Deutschland / Welt Wie lässt sich das Erbe in Patchworkfamilien regeln?
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21:49 18.07.2017
Soziale oder rechtliche Familie?“ Wollen Eltern in Patchworkfamilien Streit beim Vererben vermeiden, sollten sie besser ein Testament schreiben. Quelle: dpa
Wiesbaden

Eine Trennung der Eltern ist für den Nachwuchs ein tiefer Einschnitt. Gut die Hälfte der geschiedenen Ehepaare (50,5 Prozent) hat minderjährige Kinder – im vergangenen Jahr waren 132 000 Kinder unter 18 Jahren von einer Scheidung betroffen. Oftmals finden die früheren Eheleute neue Partner mit weiteren Kindern und leben dann in Stieffamilien. Ist schon der Alltag in solchen Familien oft eine Herausforderung, gilt das umso mehr für den Erbfall.

„Viele nähern sich diesem Thema naiv“, sagt Wolfgang Schwackenberg vom Ausschuss Familienrecht des Deutschen Anwaltvereins. „Die Probleme, die damit zusammenhängen, haben viele nicht im Blick.“ Schätzungen zufolge haben 7 bis 13 Prozent der Familien ein Patchworkmuster. „Die Anzahl solcher Konstellationen nimmt zu“, berichtet der Rechtsanwalt und Notar aus Oldenburg.

Das Problem: Das Erbrecht kennt die klassische Familie – nicht aber den neuen Partner oder seine Stiefkinder. „Es gibt einen Unterschied zwischen sozialer und rechtlicher Familie“, erklärt Schwackenberg. Das Erbrecht stellt Stiefkinder, die in einer Patchworkfamilie aufwachsen, den leiblichen oder adoptierten Kindern nicht gleich. Erbberechtigt sind vielmehr nur verheiratete Eheleute, gleichgeschlechtliche Partner einer eingetragenen Lebenspartnerschaft sowie die leiblichen Kinder.
Das bedeutet: Stirbt ein Partner in einer eheähnlichen Lebensgemeinschaft, haben nur die leiblichen Kinder des Verstorbenen Anspruch auf das Erbe, erklärt die Notarkammer Schleswig-Holstein. Sofern die frühere Ehe nicht geschieden war, erbt auch der Ehegatte. Der jeweilige Partner oder die Stiefkinder gehen in diesem Fall leer aus – unabhängig davon, wie tief und innig die soziale Beziehung war.

Schon in einer vergleichsweise einfachen Konstellation kann ein ungeregeltes Erbe deshalb für Ungerechtigkeiten sorgen, erklärt die Stiftung Warentest. Ein Beispiel: Ein Paar ist in zweiter Ehe miteinander verheiratet. Sie hat zwei Söhne in die Ehe eingebracht, er zwei Töchter. Stirbt der Mann zuerst, bekommt seine Frau die Hälfte des Erbes und seine zwei Töchter jeweils 25 Prozent. Stirbt anschließend die Frau, erben deren Söhne den Rest des Nachlasses. Die Töchter des Manns gehen dann leer aus.

Patchworkfamilien sollten deshalb ein Testament beziehungsweise einen Erbvertrag aufsetzen“, rät Schwackenberg. Das gilt umso mehr, da nach einer Scheidung häufig vergessen wird, die Testamente oder Erbverträge an die neue Lebenssituation anzupassen. Das kann nach Angaben der Notarkammer Schleswig-Holstein fatale Auswirkungen haben, denn die Dokumente gelten oft nach einer Scheidung weiter. Damit die erbrechtlichen Bestimmungen aus erster Ehe mit denen der neuen Lebenssituation nicht in Konflikt geraten, sollten die alten Dokumente widerrufen werden.

„In einer Patchworkfamilie müssen Sie eine Grundsatzentscheidung treffen“, sagt Schwackenberg. Entweder die soziale Bindung steht im Vordergrund, und alle Kinder werden gleich behandelt, oder die gesetzliche Erbfolge soll greifen. Auch sollte der jeweilige Partner im Todesfall abgesichert werden.

Einfach kann die Regelung sein, wenn die Partner sich in erster Linie gegenseitig absichern und alle Kinder gleich behandeln wollen. Dann können sich die Partner laut Stiftung Warentest gegenseitig zu Alleinerben und die Kinder der Familie als Schlusserben einsetzen, die zu gleichen Teilen erben sollen.     

Schenkungen hebeln Anspruch auf Pflichtteil nicht aus

Gemeinsames Kind: Gibt es ein gemeinsames Kind in der neuen Familie, das die Eltern vor allem bedenken wollen, ist auch eine Vor- und Nacherbschaft möglich. Die Eltern können sich gegenseitig als alleinige Vorerben einsetzen und als Nacherben und Schlusserben das gemeinsame Kind. Kinder aus den früheren Beziehungen können dann laut „Stiftung Warentest“ ihren Pflichtteil geltend machen.
Unverheiratete Eltern: Haben die Patchworkeltern nicht geheiratet, können sie sich Vermögen auch über Schenkungen zukommen lassen, erklärt die Notarkammer Schleswig-Holstein. Allerdings: Der Pflichtteilsanspruch kann nicht ohne Weiteres ausgehebelt werden. Eine Schenkung kann Pflichtteilsergänzungsansprüche auslösen, die jedoch oft nach einer Frist von zehn Jahren entfallen.
Planung ist wichtig: Patchworkfamilien sollten ihren Nachlass genau planen. Ideal ist es, wenn die Beteiligten zu Lebzeiten der Eltern eine gemeinsame Nachfolgelösung erarbeiten.     

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