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Deutschland / Welt Wie sich Geldanleger vor der Inflation schützen können
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Wie sich Geldanleger vor der Inflation schützen können
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09:32 12.05.2010
Von Albrecht Scheuermann
Anlagemöglichkeit Aktien: Was an der Börse gehandelt wird, sind Beteiligungsrechte - und damit auch reale Werte. Quelle: dpa
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Was wird aus unserem Geld? Diese Frage bewegt nach der dramatischen Zuspitzung der Griechenlandkrise viele Menschen. Die Antwort hängt davon ab, welche Entwicklung man erwartet. Viele Fachleute – aber keinesfalls alle – sehen als Folge der ausufernden Staatsdefizite und der jetzt beschlossenen Milliarden-Finanztransfers die Gefahr einer Geldentwertung. Die enorme Vermehrung der Geldmenge durch die Beschlüsse von Regierungen und Notenbanken werde irgendwann, so die These, zu einer steigenden gesamtwirtschaftlichen Nachfrage und dann zu massiv steigenden Inflationsraten führen.

Diese Ansicht vertrat zum Beispiel jüngst der Chefstratege der Berliner Quirin Bank, Claus Vogt. Er erwartet, dass sich der reale Wert des Euro in den nächsten acht Jahren halbiert. Wenn er Recht hat, ist dies für Anleger ein wichtiger Grund, die eigene Anlagestrategie zu überprüfen. Wer sich gegen Geldentwertung absichern will, findet eine Reihe von Möglichkeiten. Hier die wichtigsten:

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Gold: Das Edelmetall gilt als ein Klassiker, wenn es um den Schutz gegen Geldentwertung geht. Sein großer Vorteil: Es gibt davon nur einen sehr begrenzten Vorrat auf der Erde, und es ist im Gegensatz zum Papiergeld nicht vermehrbar. Nachteile: Es gibt keine Zinsen, die Kurse können stark schwanken, und es entstehen hohe Kosten für Transport und Lagerung. Diese fallen um so stärker ins Gewicht, je kleiner die Menge ist. Beim Kauf einer Goldmünze sind also die Kostenaufschläge auf den reinen Metallwert deutlich größer als beim Erwerb etwa eines Kilobarrens. Dieser sprengt allerdings mit derzeit rund 30 000 Euro schon die durchschnittliche Anlegerkasse. Kostengünstiger und einfacher sind verschiedene Ersatzprodukte. Es gibt Goldanleihen, Goldzertifikate und Goldfonds in vielerlei Varianten.

Immobilien: Auch Investitionen in Grund und Boden sind von jeher ein beliebter Inflationsschutz – sei es in Form der eigengenutzten, sei es in Form der vermieteten Immobilie. Derzeit ist die Zeit dafür günstig: Die Hypothekenzinsen sind niedrig und die Immobilienpreise oft auf erschwinglichem Niveau. Allerdings ist der Erwerb eines Hauses oder einer Wohnung auch eine riskante Investition. Man muss sehr genau hinschauen, sonst entpuppt sich der angebliche Schutz gegen Geldentwertung als eine Geldvernichtung. Auch die Kosten des Immobilienerwerbs (Grunderwerbssteuer, Maklerprovision etc.) sind zu berücksichtigen.

Wiederum bieten Fonds eine kostengünstigere und einfachere Variante, wobei diese in erster Linie in Gewerbeimmobilien investieren. In Frage kommen für Kleinanleger vor allem sogenannte offene Fonds, die im Prinzip täglich handelbar sind, also jederzeit wieder zu Geld gemacht werden können. Im Prinzip deshalb, weil etliche Immobilienfonds seit einiger Zeit die Rücknahme ihrer Anteile eingestellt haben. Es wollten sich so viele Anleger von ihren Fondsanteilen trennen, dass dafür nicht mehr genug Geld in der Kasse ist. Schließlich steckt der größte Teil des Anlagevermögens in großen Immobilien, die nicht von heute auf morgen zu Geld gemacht werden können.

Variabel verzinsliche Geldanlagen: Geht die Geldentwertung in die Höhe, steigen auch die Zinsen. Dieser Zusammenhang lässt sich auch für die Geldanlage nutzen. Am einfachsten geht dies mit kurzfristig fälligen Einlagen wie zum Beispiel Tagesgeldkonten. Ihre Verzinsung richtet sich nach den jeweils geltenden Geldmarktkonditionen. Eine höhere Rendite bieten aber in der Regel variabel verzinsliche Anleihen, auch „Floating Rate Notes“ oder „Floater“ genannt. Vor allem Banken haben solche Papiere auf den Markt gebracht, meist werden die Zinsen vierteljährlich an einen bestimmten Referenzzins wie den Tagesgeldsatz unter Banken angepasst. Geht dieser inflationsbedingt nach oben, steigt entsprechend auch die Rendite des Floaters.

Eine Variante bietet seit einigen Jahren der Bund mit mittlerweile drei inflationsindexierten Bundespapieren (Fachjargon: „Linker“). Rückzahlungswert und Kupon sind an einen Inflationsindex gekoppelt. Steigt die Geldentwertung, erhöht sich damit auch die Rendite dieser Anleihen. Der Preis für diesen Schutz ist aber eine derzeit sehr niedrige Jahresrendite von weniger als einem Prozent.

Aktien: Dabei handelt es sich im Gegensatz zu Anleihen nicht um Geldforderungen, sondern um Beteiligungsrechte. Es handelt sich also im Prinzip um reale Werte. Kommt es zu einer Geldentwertung, steigt der Wert der Unternehmen – und damit auch der Aktien, die die Beteiligung an den Unternehmen verbriefen. Allerdings sind hierbei eine Reihe von Wenns und Abers zu berücksichtigen. Ohnehin sind für den privaten Anleger, der sich nicht ständig mit seinem Depot befassen will, nur breit anlegende Aktienfonds geeignet. Eventuell kommen auch sogenannte Indexzertifikate in Frage – wenn man auf die Zahlungsfähigkeit der dahinter stehenden Bank vertrauen kann.