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Deutschland / Welt "Wie zwei Züge auf Kollisionskurs"
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt "Wie zwei Züge auf Kollisionskurs"
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12:23 17.09.2009
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Die Aufsichtsratssitzung in der vergangenen Woche, bei der Schaeffler mit seinem Vorstoß zur Ablösung Neumanns zunächst gescheitert war, sei „nahezu eine Katastrophe“ für das Zusammenwachsen beider Zulieferer, sagte der IG-Metall-Landeschef Werner Neugebauer am Montag in München. Die Unternehmen glichen jetzt „zwei Zügen, die aufeinander zu fahren“.

Hinter den Kulissen laufen inzwischen fieberhafte Bemühungen, die Lage vor der nächsten Sitzung des Aufsichtsrats am 12. August zu entschärfen. Dann will Schaeffler den Conti-Chef doch noch aus dem Amt drängen. An der Pendeldiplomatie beteiligen sich nach HAZ-Informationen unter anderem VW-Chef Martin Winterkorn und VW-Vorstand Francisco Garcia Sanz, Conti-Aufsichtsräte aller Lager und niedersächsische Landespolitiker. Auch Altkanzler Gerhard Schröder, „Garant“ für die Investorenvereinbarung zwischen Conti und Schaeffler, ist aktiv. Die Gespräche stünden aber noch ganz am Anfang, „man braucht diese Woche“, sagte ein Beteiligter.

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Unklar ist bisher, welche Rolle die Banken, faktisch Eigentümer der hoch verschuldeten Konzerne, spielen wollen.Die Schlüsselfigur ist Martin Blessing, Chef der bei beiden Unternehmen mit Milliardensummen engagierten Commerzbank. Der hannoversche SPD-Landtagsabgeordnete Stefan Schostok forderte den Bankchef gestern zum Eingreifen auf: „Er muss Schluss machen mit der schaefflerschen Chaos-Strategie, die gegen die eigenen Interessen und ihre Banken gerichtet ist“, sagte Schostok. Blessing müsse „den Schaefflers klar- machen, dass sie einen selbstzerstörerischen Kurs fahren“.

Die Banken waren von Schaeffler nicht über den geplanten Coup bei 
Conti informiert worden und seien extrem verärgert, berichtet das „Handelsblatt“. Sie hätten im Vorfeld eher darauf gedrängt, Eskalation zu vermeiden, wird ein Bankmanager zitiert, doch den Rat habe man offensichtlich nicht befolgt: „Man kann da nicht zugucken, das hat ein Nachspiel.“ Eng wird es vor allem für den Aufsichtsratsvorsitzenden Rolf Koerfer.

Bei Schaeffler hieß es zwar, die Familie habe weiter volles Vertrauen in ihren langjährigen Anwalt, doch Koerfer soll im Conti-Aufsichtsrat einen dilettantischen Auftritt abgeliefert haben. Mit ihm weiterzumachen, sei praktisch undenkbar, hieß es hinterher in Teilnehmerkreisen. „Wenn Neumann gehen sollte, gehen auch Koerfer und andere“, hieß es am Montag. Neben Koerfer hat Schaeffler vier weitere Vertreter im Conti-Aufsichtsrat. In der vergangenen Woche hatte die Arbeitgeberseite geschlossen für Neumanns Ablösung votiert. Das würde im zweiten Anlauf genügen, doch inzwischen können sich die Schaefflers nicht mehr aller Stimmen sicher sein. Bis zum 12. August müsse man einen vernünftigen Weg finden, heißt es.

von Stefan Winter und Thomas Magenheim